WSSP Brünn: Heute im Streckentalk mit Jan Ole Jähnig

Für die deutschen Piloten ist die Strecke in Tschechien wie ein Heimrennen, denn es findet in dieser Saison kein Rennen in Deutschland statt, nachdem der Lausitzring aus dem letzten Jahr wegfiel. Wir sprachen daher in unserem Streckentalk mit dem KTM-Piloten Jan Ole Jähnig aus der Supersport300 WM und befragten ihn zu den Finessen dieser anspruchsvollen Rennstrecke!

Die Strecke ist insgesamt 5,403km lang und beinhaltet 14 Kurven. Diese bestehen aus 8 Rechts- und 6 Linkskurven. Zuletzt wurde hier im Rahmen der Superbike WM im Jahr 2012 gefahren. Damals konnte Marco Melandri auf BMW noch beide Rennen gewinnen.

Das Streckenlayout sieht mehrere Schikanen vor, welche speziell zu fahren sind. “Ich denke jeweils der Eingang in die Schikane ist nicht so wichtig, wie die zweite Kurve. Denn danach folgt immer eine Gerade, auf die man gut hinaus kommen muss. Dort macht man die Meter und speziell bei unseren Motorrädern muss viel Schwung mitgenommen werden!”  analysiert Jähnig. “Der erste Sektor ist bis Kurve 3 noch in Ordnung. Die T1 darf man dabei nicht zu Spitz anfahren und sich auch nicht zu weit raustragen lassen. Anschließend muss man zeitig den Hahn spannen um Speed auf die Gerade mitzunehmen. Kurve 3 ist dann nicht soo wichtig, denn in T4 muss die Zeit gutgemacht werden.”

Die Kurven 1-3. wobei die Linkskurve am Ende der Geraden liegt

” Nun geht es in den zweiten Streckenabschnitt nach T4. Man muss viel Schwung in die nächste Kurve mitnehmen, allerdings sollte man nicht zu viele Meter fahren. Die Breite der Strecke verleitet einen dazu viel große Bögen zu fahren. Daher hier u.a. in Kurve 5 wichtig: direkte Wege! Die Curbs mitnehmen und Schwung für T7 sammeln. Auch hier wieder, den Bogen nicht zu groß fahren. Hier ist eine gute Überholmöglichkeit. Nun folgt die zweite Schikane, auch hier ist die zweite Kurve T9 wichtiger!”

Kurve 7. Gute Überholmöglichkeit innen, da man den Gegner im Ausgang auf der Außenbahn “verhungern” lassen kann

“In T10 muss man ähnlich wie in Kurve 1 sehr spät bremsen und am besten keine unnötigen Meter nach Außen fahren. Danach folgt wie ich finde die wichtigste Passage, denn in Kurve 11 und 12 geht es richtig bergauf und gerade mit unseren Motorrädern ist kaum Leistung da. Hier musst du den Schwung und den Speed mitnehmen, damit du bergauf gnadenlos am Gas hängst. Hier macht man die Meter.”

Das Bergaufstück der Kurven 10, 11 und 12

“Die Schikane vor Start/Ziel ist dann nicht ganz so schlimm wie die anderen Schikanen, da sie schon früh zur T12 hin aufmacht. Ansonsten kurz das Gas lupfen beim Umlegen und mit Vollgas auf die Gerade drauf.”

Start/Ziel Bereich

“Beim Motorrad ist es auf dieser Strecke wichtig, die richtige Übersetzung und damit auch einen guten Kompromiss zu finden. Ist die Übersetzung zu lang, hat man zwar einen guten Topspeed, aber der Motor läuft untenrum nicht gut. Bei einer kürzeren Übersetzung ist aber der große Vorteil, dass das Motorrad bergauf gut zieht. Also kommt es auf die Balance an, denn schließlich gibt es hier viele Bergauf- und Bergabstücke, sowie Geraden.”

“Zum Überholen eignen sich hier tendenziell alle Schikanen, man kann sich dort einfach reinstellen und ist fast sicher vorne. Außerdem der Übergang von Kurve 6 auf 7. Wenn man hier sieht, dass der Vordermann einen kleinen Zucker nach außen macht, kann man sein Bike sofort innen reinstellen, weil man nicht so viel Schwung für die Kurve benötigt.”

Text: Sebastian Lack

Fotos: Dominik Lack

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