WSBK Kolumne: „In der Regel, jährlich neue Regeln“

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Der Motorradsport muss regelmäßige Anpassungen an die Anforderungen der Gesamtsituation erfahren, weshalb Regeländerungen unumgänglich sind. Allerdings hat man nun mit der neuesten Regel in der Superbike WM für überproportional mehr Aufregung bei den Fans gesorgt, als bisher!

Die Startaufstellung in Rennen 2 wird in Zukunft aus der Zielankunft aus Rennen 1 ermittelt. Soweit so gut, das machen andere Rennserien wie die BSB auch. Allerdings werden dabei die drei besten Fahrer „bestraft“, denn der Sieger und der Dritte tauschen die Positionen und werden allesamt in die dritte Startreihe versetzt. Heißt: der Sieger startet in Lauf 2 von Position 9, der Zweite von Position 8 und der Dritte von Platz 7. Der Rest rückt entsprechend nach vorne auf.

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Eingefädelt hat dies die Superbike Kommission bestehend aus Gregorio Lavilla (WSBK Sporting Department Director), Takanao Tsubouchi (MSMA), Rezsö Bucsu (FIM CCR Director), Daniel Carrera (Dorna), Paul Duparc (FIM), Charles Hennekam (FIM) und Scot Smart (FIM).

„Was hat man sich dabei gedacht?“ fragen sich die Fans der Szene und viele sprechen sogar davon, dass „der Tod der Superbike WM immer näher rückt“.  Wie weit der Tod nun aber wirklich noch weg ist und wann er eintritt, darüber liegt der Mantel des Schweigens.

Klar ist, die Zuschauerzahlen sind bei vielen Events nicht die Besten und Vergleiche zur MotoGP kann man schon lange nicht mehr ziehen und sind auch nicht angebracht. Denn vorbei sind die Tage, wo zu einem Superbike-Rennen nach Brands Hatch knappe 100.000 Zuschauer am Renntag kamen! Es musste also was gemacht werden.

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Man möchte nun den „Superbike Family Weekend“- Weg gehen und eine Superbike Veranstaltung zu einem Wochenend-Event machen. Offenes Paddock gehört damit ebenso dazu, wie die neu eingerichtete Paddock Show in der u.a. die Fahrer die Trainingssessions live kommentieren und man bei der Überprüfung der Regularien an den Rennmotorrädern hautnah dabei sein kann! Außerdem findet das erste Superbike Rennen bereits am Samstag statt, was teilweise dann auch vergünstigte Ticketpreise für den Sonntag mit sich zieht. Erste Erfolge waren dieses Jahr bei den Zuschauerzahlen zu erkennen, wenn auch nur in kleinem Maße und nicht bei jeder Veranstaltung.

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Nun will man beigehen und die Show auf der Strecke verbessern, denn Superbike WM bedeutet: Viele Marken mit vielen Spitzenfahrern, die um den Sieg kämpfen! Nachdem man die Zwei- und Vierzylinder Bikes halbwegs ausgeglichen und die Superpole Regeln der MotoGP angeglichen hat, wird nun versucht künstlich ins Renngeschehen einzugreifen, indem man die Startaufstellung verändert. Und genau da entsteht ein starker Disput, denn es widerspricht der in fast jedem Sport geltenden goldenen Regel „möge der Bessere gewinnen!“. Nach der neuen Regel gewinnt aber nach Ende des ersten Laufes nicht nur der Sieger, sondern auch der Viertplatzierte, indem ihm die Pole Position für Lauf 2 zugesprochen und der Sieger mit Startplatz 9 bestraft wird.

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Man möchte mit dieser Regel für mehr Leistungsdichte und spannendere Rennen sorgen und damit die Show und Popularität der Rennserie verbessern. In der Tat ist es für den Außenstehenden, sobald man ihm die neue Regel erklärt hat, erstmal auch interessanter mit anzusehen. Die Fahrer in Reihe 3 müssen sich in den ersten Runden des Rennens mehr anstrengen und dem Rennstart wird noch mehr Bedeutung gewidmet. Allerdings macht es die Anfangsphase dadurch auch „gefährlicher“ für die Piloten, welche sich durchs Feld pflügen müssen. Zudem könnte es am Samstag zu ersten kleinen Taktikspielchen kommen.

Ob dadurch aber wirklich auch „langsamere“ Fahrer einen Vorteil bekommen werden, darf in Frage gestellt werden. Zu oft wurde in der Vergangenheit schon aufgezeigt: Wer wirklich schnell ist, der gewinnt auch von hinteren Startpositionen!

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Und diejenigen, um die es geht, nämlich die Fahrer, sehen es bislang gar nicht so eng wie viele Fans. Chaz Davies beispielsweise, 11-facher Laufsieger in der Saison 2016, meinte kurz nach der Veröffentlichung der neuen Regeln nur „Mich stört das neue Prozedere nicht. Es wird die schnellsten Jungs bestrafen, aber die kommen so oder so nach vorne und die Zuschauer bekommen eine bessere Show!“

Also bleibt nur abzuwarten und zu gucken wie die Regeln wirken, ehe man eine Serie totredet. Denn verdient am Leben zu bleiben hat es die Superbike WM allemal!

Text: Sebastian Lack

Fotos: Dominik Lack

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