„Wo steht Intact GP? “ – Exklusivinterview mit Jürgen Lingg

Für diese Saison hatte sich das Memminger Team um Stefan Keckeisen, Wolfgang Kuhn und Jürgen Lingg sowohl fahrerisch wie auch technisch für eine neue Zusammenstellung entschieden. Mit Marcel Schrötter und Sandro Cortese und dem Umstieg auf Suter möchte Dynavolt Intact GP in der Moto2 für frischen Wind sorgen. Beim Europa-Auftakt in Jerez de la Frontera war es an der Zeit mit Teammanger Jürgen Lingg ein kurzes Resümee zu ziehen, ob sich der Wechsel gelohnt hat und wo Intact GP heute steht.

Jürgen, Du bist selbst zehn Jahre aktiv Rennen gefahren, seit 1998 kennt man Dich in der Weltmeisterschaft als Chefmechaniker und mit der Gründung von Dynavolt Intact GP hast Du seit mehr als vier Jahren im Blick, was alles im Team und an der Strecke passiert. Wie ist es für Dich zu einem Rennen zu kommen? Ist es nach all den Jahren im Geschäft reine Routine oder ist nach dem Wechsel zu Suter noch etwas mehr Aufregung im Spiel als früher?

„Ich bin schon noch bei jedem Rennen aufgeregt, denn es kommt immer wieder mal etwas dazwischen mit dem man nicht gerechnet hat auch wenn man vieles im Voraus mit einplant. Somit hat sich für mich eigentlich nichts geändert. Es ist nach wie vor, wie am ersten Tag. Ich glaube wenn die Aufregung irgendwann mal weg ist, muss ich zu Hause bleiben!“

Wie gut fühlt Ihr Euch für den Europa-Auftakt vorbereitet?

„Momentan sind wir noch nicht an dem Punkt wo wir gern stehen möchten. Es gibt in diesem Jahr viele neue Faktoren für uns. Wir haben das Chassis gewechselt und Marcel (Schrötter) ist als Fahrer neu bei uns. Es braucht einfach Zeit um sich zu adaptieren. Zwar hatten wir einige Frühjahrstests geplant, jedoch ist Katar ins Wasser gefallen und der Test in Jerez hat nicht so gut funktioniert. Somit habe ich gemischte Gefühle für dieses Wochenende. Trotz allem bin ich aber zuversichtlich! In Übersee in den freien Trainings haben wir einiges dazugelernt!“

Kann man schon nach den ersten Rennen ein Resümee ziehen ob der Wechsel zu Suter für Euch optimal war?

„So groß ist der Unterschied eigentlich nicht, wie jeder meint. Wir fahren alle mit Einheitsmotoren, Einheitskupplung und Einheitselektronik! Es geht somit eigentlich „nur“ um das Chassis. Dass, das Motorrad gut funktioniert, haben wir beim Test mit Jonas Folger ja gemerkt!“

Gibt es Strecken, die Euch entgegen kommen?

„Warum wir uns für den Wechsel entschieden haben, war unter anderem aus dem Grund dass wir gern mehr Wettkampf in der Moto2 haben. Durch ein anderes Chassis hat man auf der ein oder anderen Strecke durchaus einen Vorteil, den man im Gegenzug auf einer anderen Strecke einbüßt. Man kann aber zumindest für ein paar Highlights sorgen.“

In der Moto2-Klasse ist das Chassis aus dem Hause Klaus Hirsekorn und Alex Baumgärtel sehr dominant. Insgesamt 22 Piloten gehen mit der Kalex an den Start – 4 mit Suter. Seht Ihr Euch vielleicht auch als Vorreiter für andere Teams?

„Kalex ist nach wie vor die Benchmark. Dadurch dass wir jedoch nur noch ein Jahr mit dem Honda-Motor noch fahren, glaube ich nicht das viele Teams noch wechseln werden. Für die Suter-Ingenieure wäre es allerdings positiv, denn dadurch würden sie mehr Input bekommen. Das ist wiederum der große Vorteil für Kalex. Es sind viele Moto2-Piloten auf einer Kalex unterwegs und somit gibt es dort viele mehr Rückmeldungen an den Hersteller.“ 

Tom Lüthi ist früher selbst viele Jahre erfolgreich auf Suter gewesen und nun ebenfalls auf Kalex unterwegs. In einem Interview verglich er die Fahrweise einer Suter-Maschine mit der Kalex und stellte die Behauptung auf, dass Kalex besser zu fahren wäre unabhängig davon ob das Setup passt oder nicht. Das Suter-Chassis verzeihe indes wenig Fehler und es sei schwieriger gewesen die Abstimmungen genau zu treffen. Kannst Du dieser Aussage zustimmen?

„Dadurch das Kalex soviel Input bekommt, ist das Motorrad sehr, sehr ausgreift und es fährt relativ schnell bis zu einem gewissen Punkt….  Dann wird es auch schwierig für Kalex! Bei einem Suter-Motorrad ist es schon so, dass wenn das Setup nicht passt, man langsamer als mit einer Kalex ist, aber wenn alles gut abgestimmt ist, kann man ab und zu auch schneller sein und man ist vielleicht ein Tick besser. Zumindest erhoffe ich mir das!“

Wo siehst Du momentan das meiste Entwicklungspotenzial bei Intact GP? Bei Eurem Motorrad oder bei Euren Fahrern Marcel und Sandro?

„Es hält sich die Waage. Wichtig ist für unsere Fahrer, dass sie sich an das Motorrad gewöhnen. Von der Technik an sich glaube ich nicht, dass so viele Änderungen notwendig sind. Viele Fahrer brauchen einfach etwas mehr Zeit! Bei Sandro hat man in Argentinien gesehen, dass es sehr gut lief, auch wenn das Ergebnis nicht danach ausgeschaut hat! Und auch in Austin fehlten nur wenige Sekunden auf Alex Marquez!“

Während seiner Zeit bei AGR gelang es Marcel im Training und in der Anfangsphase des Rennens durchaus im vorderen Feld mitzumischen, bis im entscheidenden Moment das Vertrauen in sein Motorrad nachließ. Marcel war sich in den vergangenen Interviews an dem Punkt immer seiner Schwäche bewusst. Hast Du das Gefühl es hat sich daran etwas geändert?

„Wir arbeiten gemeinsam an diesem Punkt und ich denke das wird Stück für Stück auch besser. Marcel ist schon ein Fahrer, der sich viele Gedanken macht! Wenn er etwas lockerer wird, kann er auf jeden Fall noch etwas schneller fahren. Im Training ist Marcel immer sehr schnell, war sogar Dritter oder Zweiter bei den vergangenen Grandprixs. Nur wenn es dann zählt, da muss er noch cooler werden, doch da bin ich zuversichtlich, dass wir das gemeinsam schaffen.“

Dynavolt Intact GP ist ein rein deutsches Team mit deutschen Fahrern. Wo seht ihr Euch in der Zukunft?

„Wir sehen uns als Dynavolt Intact GP! Und das wollen wir auch weiterhin bleiben, dank unserer Sponsoren. Natürlich wollen wir weiterhin mit deutschen Fahrern an den Start gehen und weiter nach vorn kommen! Alle Fahrer liegen eng beieinander, was die reine Platzierung manchmal gar nicht so wieder spiegelt. Wenn man sich jedoch die Zeiten genauer anschaut, sieht man dass man selbst auf dem fünfzehnten Rang nur wenige Zehntel auf die Spitze verliert! In der Moto2 einen Weltmeister-Titel zu bekommen, ist sicherlich ein Traum von uns, aber wir wissen auch das dies in dieser Klasse ziemlich schwierig ist. Es kann immer nur einer Weltmeister werden!“

  • © IntactGP

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    Wir bedanken uns bei Jürgen Lingg für das interessante Gespräch und drücken ihm und Dynavolt Intact GP die Daumen für Jerez!

    Ihr möchtet wissen wie sich die Intact GP-Piloten in Jerez bisher geschlagen haben, dann folgt unseren NEWS.

    Text: Doreen Müller

    Fotos: Dynavolt Intact GP – F. Weisse (Titel) – F. Glänzel

     

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