Supersport300: Freudenberg = Nachwuchsarbeit

Nach den negativ Schlagzeilen der letzten Wochen über den deutschen Motorradrennsport gibt es aber mit dem WM-Einstieg des Freudenberg Racing Teams auch Positives zu berichten. Wir haben uns daher mit dem „Senior“ Teamchef Michael Freudenberg unterhalten, der zusammen mit seinem Sohn Carsten an der Spitze des Teams steht.

Michael, ihr seid als professionelles Team national und international etabliert. Was bedeutet euch nun der Schritt in die Supersport300 WM?

Unser Team gibt es nun mittlerweile schon seit 20 Jahren und unsere Philosophie im gesamten Team lautet: „Nachwuchsarbeit!“. Das heißt es geht bei uns mit 13 Jahren teilweise los und wir begleiten die Fahrer. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir es in den letzten Jahren geschafft haben 7 Fahrer in die WM zu bringen. Sei es in die 125ccm, Moto3 oder Moto2 WM und das ist schon eine ganz tolle Sache! Das hat kein DMSB oder ADAC geschafft. Da sind wir speziell als sächsisches Team sehr stolz drauf. Dass im Endeffekt manche sich nicht haben halten können, oft auch aus finanziellen Gründen, das steht auf einem anderen Blatt. Als Beispiel Dominique Aegerter, der jetzt in der Moto2 fährt, hat bei uns wie man so schön sagt „das gehen gelernt“. Diese Entwicklungen bewegen uns die Fahrer auszubilden und in die Weltmeisterschaft zu bringen. Nun ist es so, dass wir mit der neuen Klasse Supersport300 erstmal abgewarteten wie sie sich in ihrer Debütsaison entwickelt. Wir fuhren daher die Moto3 IDM mit Yamaha, weil die uns gefragt hatten, mussten das aber natürlich mit KTM absprechen, weil wir mit denen auch noch im NEC fuhren. Dies stellte sich aber als kein Problem heraus und somit konnten wir in der Moto3 IDM den Titel einfahren. Letztes Jahr im Juni trat dann KTM an uns heran und stellte uns deren Supersport300 WM Pläne vor. Sie fragten uns, ob wir uns das vorstellen könnten. So ist das Projekt letztendlich entstanden.

Du sprachst gerade auch das Thema IDM an. Werdet ihr auch in dieser Saison an der IDM teilnehmen? Evtl. sogar mit einem separaten Team?

Das große Plus war es natürlich, dass wir uns sehr früh entschieden die WM zu fahren. Im September bzw. Oktober war im Prinzip schon alles klar und wir konnten am Lausitzring und in Jerez schon die ersten Wildcardeinsätze mit Jan-Ole und Max bestreiten. Die IDM werden wir in diesem Jahr dadurch nicht fahren, es sei denn wir benötigen Testrennen, Kilometer etc. dann werden wir sicherlich mal an dem einen oder anderen Event versuchen teilzunehmen. Hier muss man aber gucken, da es sicherlich Terminüberschneidungen geben wird.

Wie wird in dieser Saison der technische Support durch KTM aussehen?

Es wird so sein, dass die Motorräder und der KIT grundsätzlich erstmal käuflich sind. Letztendlich ist es aber so, dass wir von KTM eine gute Werksunterstützung bekommen. Wir werden eng zusammenarbeiten bei der Weiterentwicklung des Motorrades und je nach dem ob es Schwierigkeiten etc. gibt, wird auch ein Ingenieur von KTM mit an die Rennstrecke kommen.

Im letzten Rennen in Jerez ist bei seinem Wildcardauftritt auch der Italiener Omar Bonoli sehr stark auf der KTM gewesen. Stand er als Pilot zur Debatte oder war von vornherein klar, dass es eine reine deutsche Fahrerbesetzung geben wird?

Ich sach mal ja. Es hatte sich natürlich unheimlich schnell herumgesprochen, dass wir als Team in der Saison 2018 antreten werden und somit gab es viele Anfragen. Bonoli zeigte starkes Interesse, dann jemand aus Polen und aus Deutschland waren es ebenfalls noch 3-4 Fahrer. Wir hatten im Endeffekt schon 8-9 Fahrer auf der Liste, wobei der deutsche Meister (Jan-Ole Jähnig) und Vize-Meister (Max Kappler) eigentlich gesetzt waren. Danach überlegten wir was wir machen und sprachen mit Luca Grünwald, mit dem wir ja nicht zum ersten Mal zusammenarbeiten, sondern schon 2x Meister und 1x Vizetitel einfahren konnten. Letztendlich fiel die Wahl auf ihn.

Wo wir gerade bei den Fahrern sind. Im letzten Jahr ist Tim Georgi noch für euch gefahren und ließ bei der Moto3 WM in Brünn aufhorchen. Wie seid ihr mit ihm verblieben?

Wir sind jetzt 3 Jahre mit Tim Georgi gefahren und konnten auch einige Erfolge zusammen feiern. Wir haben mit ihm gesprochen und er möchte noch gerne in der Moto3 Junioren WM in Spanien fahren. Wir mussten aber natürlich irgendwann die Fahrernamen bekanntgeben und somit entschied sich Tim mit seinem Manager die Chance in Spanien wahrzunehmen. Wir sind aber nicht im Bösen auseinander gegangen und es ist natürlich nicht auszuschließen, dass wir vllt später mal wieder zusammenarbeiten werden.

Welche Ziele habt ihr euch für eure Saison gesetzt?

Siege wären natürlich optimal, gar keine Frage. Da müssen wir nur klären wer von den Dreien! (lacht) Spaß beiseite. Wir wollen so gut es geht vorbereitet sein und ich bin keiner der direkte Ziele setzt. Wenn wir gute Arbeit leisten, sind wir nicht schlecht! In der Klasse können 16 Piloten im Rennen um den Sieg kämpfen und die Rennen sind sehr knapp. Ich denke unser Ziel sollte es sein mit allen drei Fahrern regelmäßig in die Punkte zu fahren.

Text: Sebastian Lack

Fotos: Dominik Lack

Tags:, ,

Trackback von deiner Website.

Kommentieren