• RTN
  • Seitenwagen
  • Sidecar-WM: Veni, vidi, vici – Die Birchalls im Sprint unantastbar

Sidecar-WM: Veni, vidi, vici – Die Birchalls im Sprint unantastbar

Wer spannenden Seitenwagen-Rennsport erleben wollte, der war am Samstag bei der FIM Sidecar Worldchampionship in Oschersleben genau richtig. Doch nicht die Sieger des Rennens Tom und Ben Birchall sorgten für spannende Zweikämpfe auf der Strecke, viel mehr gab es bei diesem Sprintlauf eher im Mittelfeld erstklassige Überholmanöver zu beobachten!

Bevor die 14 internationalen Teams jedoch in das erste Rennen des Wochenendes starten konnten, hieß es warten, für die Piloten und die zahlreich angereisten Zuschauer, denn in der WarmUp-Lap sorgte ein erneutes technisches Problem bei Rösinger/Werner für eine längere sicherheitsbedingte Startverzögerung. Das Team Early Grey kämpfte bereits von Beginn an mit Motorproblemen und versuchte technisch der Lage noch Herr zu werden, doch in den bis zu acht Jahre alten Maschinen steckt man eben nicht drin und diesmal lag wohl der Fehler im Detail: nach zwei Ausfällen am Donnerstag und Freitag, gab nun auch der dritte Motor bereits in der Aufwärmrunde den Geist auf und verteilte eine gehörige Portion Öl in der Zielkurve.

Mit 30 Minuten Verzögerung gingen die Gespanne schließlich auf Podiumsjagd. Anders als erwartet, hatten Birchall/Birchall keinen leichten Start, denn gleich mehrere Teams – Päivarinta/Kainulainen, Streuer/De Haas und Holden/Wilkes versuchten auf der Geraden an dem Erfolgsduo vorbeizuziehen und als Erste in die Hotelkurve einzubiegen. Doch die Birchalls hielten die Nase vorn und bauten Meter für Meter ihre Führung aus. Päivarinta/Kainulainen hatten keine Chance gegen den erfahreneren 600er-Pilot Ben Birchall!

Während an der Spitze die Sache schnell klar zu sein schien, ging es im hinteren Startfeld mächtig zur Sache. Die Gespanne von Bachmaier/Deeley, Lawrie/Hughes, Grabmüller/Kirchhofer und Kimeswenger/Lehnertz kollidierten beim Start und trugen nicht nur rein optisch Schäden an der Verkleidung von sich! Günther Bachmaiers Suzuki LCR begann zu qualmen und dem Österreicher wurde zügig die schwarz-orange Flagge gezeigt. Doch nur wenige Sekunden später ging es für Bachmaier/Deeley wieder auf die Strecke, allerdings ganz am Ende des Feldes.

Auch Grabmüller/Kirchhofer konnten durch das Start-Dilemma keine Position weiter gut machen und bogen an sechster Position liegend in die Hotelkurve ein. 

Birchall/Birchall, die von diesen Vorkommnissen nichts mitbekommen zu haben schienen, zogen indes weiter an der Spitze allen davon. Schon nach wenigen Runden betrug der Abstand der Führenden mehr als 4 Sekunden zum Rest des Feldes. Und auch Päivarinta/Kainulainen auf Position zwei fuhren ein eher einsames Rennen ohne große Positionskämpfe, gefolgt von Holden/Wilkes auf 3. und Streuer/De Haas auf 4.

Im Mittelfeld duellierten sich jedoch Grabmüller/Kirchhofer, Blackstock/Rosney und Kimeswenger/Lehnertz um Platz 5. Michael Grabmüller gelang es schließlich sich gegen Lewis Blackstock durchzusetzen und einen guten Abstand zwischen sich und den Briten zu bringen. Und auch Peter Kimeswenger sah seine Chance gekommen noch einen weiteren Platz gut zu machen, jedoch benötigten Kimeswenger/Lehnertz mehrere Attacken bis sie endgültig an Blackstock/Rosney in der Schikane vorbeigehen konnten.

Der Sieg ging in diesem Rennen eindeutig an Ben und Tom Birchall, gefolgt von Pekka Päivarinta und Kirsi Kainulainen auf Position 2. Das Podium komplettierten John Holden und Beifahrer Mark Wilkes, die vor Rennende aufgrund anscheinenden Ölverlust auf der Strecke noch für einiges an Aufregung unter den Kontrahenten sorgten. Bennie Streuer und Ilse de Haas wurden Vierter, dahinter nahmen Scott Lawrie und Ben Hughes auf den letzten Metern vor Start-Ziel dem Team Grabmüller/Kirchhofer noch Platz 5 ab. Die Deltas wurden somit Sechster, Peter Kimeswenger und Jens Lehnertz erreichten Rang 7. Janez Remse und Robbie Shorter freuten sich über WM-Punkte für Platz 8. Das Frauen-Duo Leblond/Farnier, Jakob Rutz und Beifahrer Manuel Hirschi sowie Günther Bachmaier und Helen Deeley komplettierten am Samstag schließlich die Top Ten.

Zwar wurden anschließend im Parc Ferme noch einige Stimmen laut, ob den die Sachen mit dem Ölverlust so richtig gewesen sei, eine Anfechtung der Rennergebnisse ist jedoch nicht bekannt gegeben worden.

Die Stimmen aus dem Rennen:

Ben Birchall (Birchall Racing – P1):
„Wir hatten ein großartiges Rennen. Die Strecke gehört zu einer unserer Lieblingsstrecken. Ralph Bonhorst macht einen großartigen Job mit der ganzen Organisation für die Sidecars hier in Oschersleben! Wir sind mit dem Bike und dem Team natürlich in einer guten Ausgangsposition, für die anderen ist das Paket komplett neu aber wir haben schon ein Jahr Erfahrung mit diesem Bike auf den Strecken und sie müssen alles neu lernen. Es ist schon ein großer Unterschied, doch bereits am Ende von Le Mans sind sie schon schneller geworden und ich denke zum Ende des Jahres werden sie uns in großartige Kämpfe verwickeln!“

Kirsi Kainulainen (44-Racing – P2):
„Es war etwas langweilig für uns, denn wir hatten im Rennen selbst keine Kämpfe auf der Strecke. Wir hatten keine Probleme mit dem Gespann, aber die Birchalls sind einfach sehr schnell. Wir brauchen noch etwas Training und müssen das neue Gespann noch weiter kennen lernen. Vielleicht können wir die Birchalls beim Start schlagen, wenn Pekka weniger isst (lacht). Nein, im Ernst. Mit dem 600er Gespann zu arbeiten ist schon härter als mit dem 1000er, den der Kurvenspeed ist sehr schnell und die Maschine hat aber weniger Power und das Handling ist schwieriger. Ich muss mich die ganze Zeit bewegen, also mit diesem Gespann mehr als vorher. Es ist okay für mich, denn ich trainiere ja auch im Winter sehr viel. Oschersleben ist schon eine anspruchsvolle Strecke, es gibt viele harte Linkskurven. Ich denke Le Mans und Oschersleben sind ungefähr gleich schwierig, die nächste Station Pannoniaring ist besser für uns.“

Ilse De Haas (Team Streuer – P4):
„Ich habe das Rennen heute genossen. Wir hatten einen sehr guten Start und lagen danach an dritter Position. John Holden konnte uns dann jedoch überholen, danach hatten wir ein etwas einsames Rennen aber es war trotzdem gut. Wir hatten einen guten Kurvenspeed doch leider war in den letzten drei Runden viel Öl auf der Strecke und somit waren wir happy das Rennen beendet zu haben: Wir sind dann mit dem Tempo etwas runtergegangen. Ich hoffe wir werden morgen einen ebenso guten Start hinlegen können, das Rennen ist jedoch um einiges länger. Morgen früh haben wir noch das WarmUp vor uns und wir werden heute noch den Motor wechseln und schauen ob dieser morgen früh gut läuft.“

Michael Grabmüller (Polizeisportverein Wels Delta Racing Team – P6):
„Vier Runden vor Schluss war die Strecke zum Teil sehr gefährlich und voller Öl. Trotz unseren Handzeichen wurde leider nicht reagiert! Wir mussten dann in der letzten Kurve noch unseren 5. Platz hergeben, da wir wegen dem Öl auf der Strecke um einiges langsamer gefahren sind. Aber besser gesund im Ziel! Wir haben ja noch ein Rennen vor uns morgen. Dann heisst es wieder voll Gas geben!“

Peter Kimeswenger (Austria Sidecar Racing – MRSC – P7):
„Der Start war ein kleines Pingpong-Spiel und es ist schon ziemlich hart zur Sache gegangen, aber das sind irgendwie immer dieselben. Etwas mehr Fairness wäre allerdings schön! Zum Rennen selbst… Wir sind mit Startplatz 7 ins Rennen gegangen, konnten den Platz auch ins Ziel bringen und hatten zwischendrin ein paar schöne Zweikämpfe. Es hat Spaß gemacht. Wir sind zufrieden, haben ein paar Punkte mitnehmen können und nach dem Ergebnis in Le Mans war dies ein schöner Tag für uns. Für morgen wünschen wir uns schon eine Verbesserung, Luft ist noch drin. Wir werden aber den Start einfach auf uns zukommen lassen, denn den Gedankengang es morgen anders zu machen, haben natürlich alle!“

Günther Bachmaier (MSV-Schwanenstadt, PSV-Wels – P12):
„Ich habe beim Start eigentlich ein paar Positionen gut machen wollen, habe aber gewusst, dass ich mit Helen im Boot es etwas ruhiger angehen muss. Ein paar Plätze weiter vorn nach dem Start wäre natürlich besser für uns gewesen. Nach der Berührung mit Scott Lawrie und Michael Grabmüller hat der Kotflügel angefangen zu rauchen und ich wurde raus gewunken. Meine Kupplung war verbogen, wir haben sie wieder gerade gebogen und dann ging es anschließend für uns weiter. Natürlich ist sowas ärgerlich, weil ich vorn gewesen wäre, aber wenn ich vollgebremst hätte, wäre mir Peter Kimeswenger vielleicht noch hinten drauf gefahren und anderseits wollte ich Scott Lawrie auch nicht in die Wiese schicken, somit blieb mir leider nur diese Linie.“

Steffen Werner (Team Early Grey – DNF):
„Was wirklich los war wissen wir nicht, weil alle Motoren, die wir eingesetzt haben andere Probleme hatten. In der WarmUp-Lap ist uns nun auch noch der dritte Motor kaputt gegangen und jetzt werden wir uns einfach anschauen, wie die anderen Teams ihre Kämpfe auf der Strecke austragen. Wir haben bisher noch nie solche Probleme gehabt, aber wir werden das abhaken, lachen und vorwärts schauen!“

    Text: Doreen Müller

    Fotos: Dominik Lack

     

     

    Tags:,

    Trackback von deiner Website.

    Kommentieren