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Sidecar Trophy: starke Gast-Sieger & neue Spitzenkandidaten beim Hauptrennen in Brünn

Nach einem erfolgreichen Samstag in der Sidecar Trophy sah der folgende Tag zunächst recht düster aus. Im kühlen WarmUp am Morgen konnte kaum Rede davon sein, die Reifen der Gespanne auf Temperatur zu bringen. Dunkle dichte Wolken kündeten Regen an und so war es nur knapp die Hälfte des Starterfeldes, die früh ihre Runden drehten. Pünktlich zur Mittagspause klarte sich der Himmel jedoch wieder auf und Sonne erwärmte den traditionellen Kurs.

Die Startphase

Um 13:45 Uhr rollten schließlich 22 Gespanne in die Startaufstellung. Nicht mit dabei waren Mike Roscher und Anna Burkard, dessen 1000er Gespann wegen Motorschaden bereits im Sprintlauf fehlte. Auch Gierlinger/Gierlinger, Kretzer/Bosch und Dlabola/Nepomucka ließen das Hauptrennen aus. Michael Grabmüller und Manfred Wechselberger mussten hingegen aus der Boxengasse starten. Die routinierten WM-Starter kamen aus dem Vorstart direkt zurück in die Box, da ein menschliches Bedürfnis von Beifahrer Yeti noch einen schnellen Boxenstopp einforderte. Als die Startampel schließlich erlosch, jagten Grabmüller/Wechselberger somit zunächst dem Starterfeld hinterher. Anders als am Vortag waren die Teams nun besser auf die Startphase vorbereitet, auch wenn dennoch einzelne Kandidaten nicht gut wegkamen. 

Sattler/Neubert erwischten diesmal jedoch einen Bombenstart, auch Schröder/Werth eilten zügig hinter her. Bachmaier/Crome schienen indes überrascht wie schnell die Vortageskonkurrenten Wirth/Uhlig dem Duo davon eilten. Fahrer Enrico Wirth nutzte die Freiräume in den Startreihen vor ihm und gab zu Beginn gleich mächtig Gas. Günther Bachmaier fand jedoch keine Lücke um durchschlüpfen zu können und musste sich hinter zahlreichen 1000er Gespannen anstellen. Medek/Kopecky wurden indes vor der ersten Rechtskurve zwischen zwei 1000ern eingekeilt, Gasche/Werner und Baert/Mahl nahmen die Tschechen mächtig in die Zange. Medek kam schließlich mit einem blauen Auge davon und hing sich direkt an Vater und Sohn Kirst dran und zog an dem Duo vorbei. Jedoch blieben Medek/Kopecky nicht lange in dieser Position, bereits in der dritten Runde hatten Kirst/Kirst die Lokalmatadoren wieder ein und setzten sich erneut vor das grasgrüne Gespann.

Der weitere Rennverlauf

Unterdessen setzten sich Sattler/Neubert wie bereits im Sprintlauf immer weiter vom restlichen Fahrerfeld ab. Dem schnellen Adolf RS Gespann konnte auch im Hauptrennen kein Kontrahent etwas entgegen setzen. Auf Schröder/Werth hatten Sattler/Neubert bereits nach den ersten zwei Runden einen enormen Vorsprung rausgefahren. Grabmüller/Wechselberger arbeiteten sich zwar von Platz 23 rasant durchs Feld, kamen jedoch nicht schnell genug in Schlagdistanz. Um Position 3 kämpften währenddessen Kimeswenger/Lehnertz mit den Trophy-Startern Axelsson/Lundrall. Dahinter hängten sich Wirth/Uhlig an die Duellanten dran. Mit etwas Rückstand folgten Medek/Kopecky, Bereuter/Kolloch und Schwegler/Rähder vor der fünfer Gruppe um Gasche/Werner, Baert/Mahl, Kirst/Kirst und Bachmaier/Crome. 

In der dritten Runde kam Michael Grabmüller langsam in Reichweite der Spitzengruppe. Ende Start-Ziel wählte der Österreicher eine andere Linie und zog in der nächsten Rechtskurve innen an Enrico Wirth und Ronny Uhlig vorbei. Auch Felix Bereuter konnte sich bis dahin aus der Dreiergruppe lösen. Währenddessen hing Günther Bachmaier immer noch hinter Baert/Mahl und Kirst/Kirst fest. Eine Runde später lagen Grabmüller/Wechselberger  bereits auf Rang 4. Auch Kimeswenger/Lehnertz fielen ihrem Landsmann zum Opfer. Grabmüller/Wechselberger nahmen als Dritte anschliessend Verfolgung zur Spitze auf, kamen jedoch nicht mehr nah genug an Sattler/Neubert und Schröder/Werth heran, um ihnen gefährlich zu werden. 

Bereits in der vierten Rennrunde begannen die pfeilschnellen Führenden mit der ersten Überrundung des hinteren Starterfeldes. Gloeden/Zimmermann machten den IDM-Startern schnell Platz. Im Mittelfeld hatten es Bachmaier/Crome derweil weiterhin schwer schnell zu Wirth/Uhlig aufschließen zu können. Jedoch gelang es ihnen die Startnummern 13, 4, 77 und 47 zu überholen. Von da an schrumpfte der Vorsprung Wirth/Uhligs von Runde zu Runde sichtbar. Während Bachmaier/Crome ihre Verfolgungsjagd fortsetzten, kam es auch im hinteren Mittelfeld zu spannenden Mehrkämpfen.

Dort hatten sich Rößler/Lüttke, Baur/Baur und Heck/Manz in der Wolle. Es kam zu mehreren Positionswechseln. Auch Felix Bereuter fand in Remy Gasche einen hartnäckigen Kontrahenten, den er zuvor nicht so Recht auf dem Schirm gehabt zu haben schien. Der lebenserfahrene Gasche blieb dicht am Heck der Sidecardogs dran und startete ein Manöver nach dem nächsten. Bereuter kam kaum zur Ruhe und musste sich schließlich Gasche/Werner geschlagen geben. Van Kampen/Bouius versuchten indes bei ihren direkten Vortagesgegner ihr Glück. Anders als im Sprintlauf gelang es dem Team Rainbow sich auch gegen Kirst/Kirst kurzzeitig durchzusetzen. Norbert und Sören Kirst ließen sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und holten sich ihre Führung wieder zurück. 

Die finale Phase

An der Spitze geriet das Fahrerfeld währenddessen ganz schön durcheinander. Gleich mehrere Überrundungen standen auf dem Programm, bei dem der ein oder andere mehr oder weniger gut durch kam. Zwei Runden vor Schluß tauchten schließlich Bachmaer/Crome hinter Wirth/Uhlig auf. Enrico Wirth lag zu der Zeit im engen Kampf mit Tomas Axelsson, der sich förmlich an dem Ascherslebener fest gebissen hatte. Die Chance für Bachmaier/Crome ihnen gefährlich nah zu rücken. In der vorletzten Runde probierte Günther Bachmaier das erste Manöver gegen Enrico Wirth, dieses gelang jedoch noch nicht. Erst nach dem Omega in Richtung Turn 11 wählte Bachmaier die bessere Linie und zog mit seiner 600er Suzuki vorbei. Mit Axelsson/Lundrall musste sich das Duo anschließend jedoch nicht lange aufhalten, ein plötzlicher Motorplatzer kurz vor Schluß warf die Schweden unerwartet aus dem Rennen. Somit war der Weg frei für die Revenge vorm Vortag und Bachmaier/Crome überquerten als Klassensieger in der Wertung Trophy 600 Start Ziel. Enrico Wirth und Ronny Uhlig holten sich Platz 2, der dritte Platz ging erneut an Norbert und Sören Kirst, die sich gegen Robbert Van Kampen und Jarno Bouius behaupteten. 

In der 1000er Klasse zeichnete sich bereits von Beginn ab, dass auch im Hauptrennen Joseph Sattler und Uwe Neubert den Sieg holten. Auf Rang 2 folgten erneut Peter Schröder und Denise Werth. Das drittschnellste 1000er Duo waren Remy Gasche und Steffen Werner, die damit in der Trophy-Wertung als Laufsieger zählten. Die Punkte für den zweiten Platz erhielten die Trophy-Starter Felix Bereuter und Andreas Kolloch, vor Chris Baert und Ronja Mahl.

    Die Rennergebnisse in der Übersicht

    Stimmen des Tages

    Günther Bachmaier (Team Bachmaier Racing – MSV Schwanenstadt, Trophy 600 Wertung, Platz 1)
    “Wir hatten uns eigentlich ausgemacht vorn bisschen mitzufahren, damit sich Hendrik mal etwas schonen kann. Das wurde aber nichts. Der Start von Wirth war so bravorös, dass ich vorn keinen Anschluss mehr gefunden habe. Es sind alle 1000er vor mir zusammen gekommen und ich habe geschaut, dass ich keinem reinfahre und habe mich zurück gehalten. Er hatte einen enormen Vorsprung heraus gefahren. Es war enorm viel Arbeit wieder an ihn ran zu kommen. Ich habe immer wieder Jemand überholen müssen. Ich kam dann näher und näher und habe immer wieder spekuliert ob es sich schon ausgeht. Ich konnte dann rankommen als er auf einen langsamen aufgelaufen ist. Ich bin dann dran geblieben. Es kam jedoch wieder ein anderer dazwischen und uns hätte es fast gedreht unten, da war er wieder weg. Ich hätte schon paar mal vorbei gehen können, wollte aber kein Risiko eingehen in den Rechtskurven wo man nicht viel sieht. Bergauf das letzte Stück habe ich die schönere Ideallinie gehabt, habe voll den Hahn stehen lassen und er hat es nicht ganz so gehabt und ich bin vorbei. Er hat es nochmal probiert, da war ich etwas zu langsam beim bremsen und hätte die Kurve fast überschossen, er hat die Innenlinie gut genutzt. Ich konnte die Kurve aber gut kratzen und er kam nicht mehr vorbei.”

    Robbert van Kampen (Roman Racing, Trophy 600 Wertung, Platz 4)
    “Mein Arm war fertig und ich habe nach dem Rennen gemerkt, dass ich schon noch trainieren muss. Wir hatten eigentlich einen recht schlechten Start erwischt, doch die ersten paar Runden waren schön. Das Wochenende wollten wir eigentlich erstmal nur schauen wie es läuft, aber wir haben schon schöne Rennen gehabt mit Knapton und Kirst. An der Kurvengeschwindigkeit müssen wir noch deutlich arbeiten. Man kann später bremsen und die Leistung ist weniger, da muss ich mich noch etwas umstellen. Da wir das Training immer alleine gefahren sind, konnten wir uns auch bei den anderen Teams nichts abschauen.”

    Albert Baur (Baur-Baur, Trophy 600 Wertung, Platz 10)
    “Ich bin ebenfalls sehr zufrieden mit unserem Rennen und der Platzierung. Wir wollten uns das Renn gut einteilen und nicht von Anfang an zuviel riskieren. Das ist uns geglückt. Der Start lief für uns gut. Auch wenn anfangs uns zwei Gespanne überholt haben, konnte ich diese dann wieder einholen. Die Trophy war beieinander. Es gab einige Positionswechsel zwischen Heck/Manz – Damaschke/Sabaschus und uns. Es war immer sauber und ging fair zu. Ich habe natürlich gemerkt, dass ich hier auch Schwachstellen habe. Eingangs Start-Ziel die Kurve bekam ich nie sauber hin und auch die schnelle Linie im Infield zu finden, ist mir nicht geglückt, dafür konnten wir uns wieder nach Start-Ziel besser reinbremsen als die anderen Kontrahenten.”

    Remy Gasche (Team Gasche, Trophy 1000 Wertung, Platz 1)
    “Der Start war heute wieder mühsam und ich musste wieder abbremsen und mich neu orientieren und mich von hinten nach vorne kämpfen. Es war eigentlich mein Ziel mich hinter Felix zu platzieren und mich ziehen zu lassen. Es ging eigentlich sehr gut. Felix macht immer hinten in der langen Kurve so einen komischen Bogen und da war ich zweimal fast nebenan und da wusst ich hier ist die Stelle wo ich ihn nehmen kann. Deswegen bin ich das ganze Rennen hinter ihm her gefahren und habe gewartet. Wo ich gesehen habe, dass es nur noch paar Runden sind, wusst ich es muss jetzt los gehen. Er ist wieder einen extremen Bogen gefahren und ich bin rein gestochen. Das war wirklich schön! Ich habe erhofft wieder einen dritten Platz einzufahren. Mit dem Sieg habe ich nie gerechnet, aber ich nehme gern auch den!”

    Felix Bereuter (Sidecardogs, Trophy 1000 Wertung, Platz 2)
    “Es war ein anstrengendes Rennen. meine persönliche Fitness war nicht so gut und mein Hinterreifen ist eingegangen, da musste ich Tempo rausnehmen. Remy ist saustark gefahren. Das hätte ich nicht gedacht, dass ich mit ihm mal kämpfen muss. Es hat Spaß gemacht. Brünn ist eine schöne Strecke und das Wetter hat auch gut mit gespielt. Mit Andy als Beifahrer klappt es sehr gut. Fahrwerkstechnisch müssen wir noch weiter arbeiten, da ist das Gespann immer noch zu unruhig. Wir haben bereits in Val de Vienne sehr viel geschraubt. Wenn ich sehe wie Remy um die Ecke fährt, da bin ich im Vergleich dazu noch richtig am Rudern.”

    Nadja Lundrall (Team Sweden, Trophy 1000 Wertung, DNF)

    “Das Rennen war großartig. Wir hatten einige gute Kämpfe auf der Strecke, aber vielleicht haben wir zu sehr gekämpft, denn unser Motor ging in der letzten Kurve hoch. Wir sind natürlich etwas enttäuscht. Wir sind aber okay. Wir haben noch darüber nachgedacht aus dem Gespann zu springen und es über die Ziellinie zu schieben, aber der Motor fing an zu Brennen und es war somit zu gefährlich. Wir waren nur wenige meter vom Ziel entfernt. Wir konnten nur noch raus springen und bei Seite gehen. Der Motor hatte zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber es ist dennoch ein großer Schaden für uns.”

    Joseph Sattler & Uwe Neubert (Sattler Motorsport, Gaststarter IDM Superbike*Sidecar)
    “Unser Ziel für dieses Wochenende war es unser neues Arbeitsgerät für diese Saison zu testen. Steinhausen Racing hat uns ein neues Motorrad zur Verfügung gestellt und das Motorrad ist erste Sahne! Wir konnten alles ausprobieren, was wir testen wollten und nun können wir beruhigt nach Oschersleben gehen. Beim ersten Rennen gestern war der Start schon merkwürdig, heute lief es deutlich anders und auch besser. Heute war alles optimal. Wir haben nochmal etwas neues probiert für das 600er – die Reifen – und sind auch damit zufrieden. Wir haben in dem Rennen jetzt eher auf die lange Distanz probiert, wie es läuft. Wir waren ca. bei 80% von unserer IDM Rundenzeit. Wir freuen uns, dass alles so gut geklappt hat. Für uns war es wichtig so viel wie möglich Kilometer fahren zu können und das Motorrad kennen lernen. Es macht immer wieder Spaß hier mitzufahren, es ist eine schöne Atmosphäre in der Tropy und wir sind auch dankbar dafür, dass wir kommen dürfen. Wir kommen gern. Auch auf der Strecke hat alles super geklappt. Auch beim Überrunden kamen wir gut an den langsameren Teams vorbei. Es hat jeder gut Platz gemacht und war sportlich.”

    Manfred “Yeti” Wechselberger (Delta Racing, Gaststarter Sidecar WM & TT Isle of Man)
    “Michael hatte mich schon vor einem Monat angerufen, ob ich ihm helfen könnte und ich hab ihm zugesagt. Wir haben das neue Fahrwerk ausprobiert und ich habe gleich gemerkt, dass Michael das neue Gerät gefällt. Für mich war es kein Problem mich wieder darauf einzustellen, weil ich nach wie vor ja noch Motorrad fahre. Ich habe mich sofort wohl gefühlt und es ist super gegangen. Ein weiterer Einsatz ist derzeit nicht geplant, ich bin jedoch offen wenn meine Hilfe benötigt wird. Ansonsten fahre ich noch 3 große Langstreckenrennen, u.a. auch beim Ruppert Hollaus und bei Bergrennen. Ich hab somit trotzdem volles Programm und bin gespannt was dort geht!”

    Peter Kimeswenger (Sidecar Racing Team #11, Gaststarter Sidecar WM)
    “Wir sind immer sehr dankbar dass wir bei der Sidecar Trophy als Gaststarter mitfahren dürfen, denn für uns ist es ein ganz wichtiges Training für Le Mans, den ersten WM-Lauf. Leider sind ein paar Trainings aufgrund des Wetters vorher ausgefallen. Wir sind mit dem Wochenende sehr zufrieden und haben unsere Rundenzeiten stetig verbessern können. Beim Rennen das hat alles gepasst, wir konnten die Runden runter spulen, Technik hat gepasst, Fitness hat gepasst und wir sind nun frohen Mutes für nächste Woche. Den Start haben wir leider etwas versemmelt im Hauptrennen, konnten danach jedoch direkt in der ersten Kurve einige Gespanne außen überholen. Nach der ersten Runde hatten wir unsere Startposition zurück und es hat soweit gepasst. Auch bei den Überrundungskandidaten hat alles gepasst, sie blieben alle soweit auf ihrer Linie und ließen die schnelleren vorbei. Hut ab, sie fahren wirklich gut. Im Rahmen der Sidecar Trophy sehen wir uns ins Most und vielleicht auch in Schleiz wieder.”

    Text und Fotos: Doreen Müller-Uhlig

     

     

     

     

     

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    Kommentare (1)

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      Falk Berger

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      Die Berichte sind echt super und hoffe das es mit der Sidecarszene weiter aufwärts geht

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