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Sidecar Trophy: Seitenwagenfahrer Enrico Wirth sucht schräge Typen


In der Internationalen Sidecar Trophy ging es in der vergangenen Saison spannend zu. In über sechs Austragungsorten quer in Europa traten die besten Gespanne gegeneinander an. Für die kommende Saison 2016 sind erneut sechs Läufe geplant. Erstmals mit dabei Rijeka/Kroatien. Das Regelwerk bleibt bestehen doch es wird in der Seitenwagenszene zahlreiche neue Paarungen geben. So auch für das Team Zweirad Wirth. Mit Racetrack News Redakteurin Doreen sprach Enrico Wirth über seine Suche nach einem neuen Beifahrer/Beifahrerin und erklärte uns, was ein Beifahrer können muss, um sich im Seitenwagengespann beweisen zu können.



Für Enrico Wirth fing die letzte Saison 2015 bereits sehr schwierig an. Aufgrund Erkrankung konnte der Ascherslebener bei der Eröffnungsveranstaltung in Italien nicht an den Start gehen. Ein technisches Problem bremsten Wirth & Klotz bei den folgenden zwei Wertungsläufen in Most/Tschechien aus. Mal zu mal konnte sich das Gespann steigern und u.a. zwei zweite Plätze in Oschersleben und einen beachtenswerten sechsten Platz bei einem WM-Lauf zur Speedweek einfahren. Neben den anfänglichen technischen Schwierigkeiten musste sich der 42 Jährige Anfang der Saison auf einen neuen Beifahrer einstellen. Nach einer gemeinsamen Saison war jedoch für das Gespann schon Schluss, beide stellten fest dass sie als Team nicht gemeinsam so harmonieren, wie sie es sich gewünscht haben. Nun steht Enrico Wirth erneut vor der Herausforderung einen passenden Beifahrer für 2016 zu finden um gemeinsam die Läufe in der Internationalen Sidecar Trophy bestreiten zu können.




Wie wir von Dir wissen bist Du schon viele Jahre Rennsportler. Mit Deinem ersten Rennen 1986 im Motocross feierst Du nächstes Jahr sozusagen 30 jähriges Jubiläum im Rennsport. Welche Erfahrungen hast Du bisher mit Deinen Beifahrern sammeln können und wie gestaltet sich aktuell Deine Suche nach einem neuen F2-Gespann-Partner?

Aktuell stehe ich ohne einen Beifahrer da. Dies ist eine ähnliche Situation für mich wie bereits vor einem Jahr. Bevor ich mit Andreas Klotz gefahren bin hatte ich immer langjährige Beifahrer. Wie u.a. Frank Reinel aus dem Erzgebirge, mit dem ich vier Jahre zusammen gefahren bin und mit dem mich auch heute noch eine tolle Freundschaft verbindet. Im Anschluss folgte Gerd Görlich. Doch unsere Wege trennten sich nach drei Jahren wieder. Somit stand ich 2014 schon einmal ohne Beifahrer da. Die Seitenwagenszene ist nicht so groß und es gibt nur begrenzt Personen, die in Frage kommen. Daher habe ich versucht über die Sozialen Medien einen neuen Beifahrer zu finden oder meine Kontakte zu nutzen. Doch bis jetzt habe ich keine Zusage für das kommende Jahr.

Im Straßenrennsport gibt es ja an und für sich einzelne Nachwuchsprojekte und unterschiedliche Serien und Klassen über die Nachwuchs nachrückt. Wie sieht es hiermit im Seitenwagenrennsport aus?


Die Förderung des Nachwuchses geht ja schon oft im Kindesalter los, so war es auch bei mir. Die Eltern führen ihre Kinder an den Sport heran oder sind selber auch verrückt, so dass die Kinder rein wachsen und dies bis ins Erwachsenenalter mit(er)leben. Das ist im Seitenwagenrennsport eher schwierig. Es gibt keine Nachwuchsserie in dem Sinne, die auch für Beifahrer geeignet ist. Ein Beifahrer darf auch erst mit 16 Jahren anfangen, so dass das schon mal eine Voraussetzung ist,um in den Sport einsteigen zu können.

Mit 16 Jahren im Seitenwagenbereich als Beifahrer einzusteigen, klingt ja dennoch jung.


Ja das stimmt, aber nicht allein altersbedingt ist es für 16 jährige Rennsportbegeisterte schwierig. An und für sich ist es schon schwer einen Beifahrer zu finden, der in der unmittelbaren Nähe wohnt und der sich einfach so an das bestehende Team mit ranhängen kann. Oftmals wohnt man weit auseinander. Ein Jugendlicher mit 16 Jahren hat nicht so die Möglichkeit quer durch Europa zu reisen und braucht auch die Erlaubnis der Eltern als Minderjähriger. Es ist nicht unmöglich, aber er/sie sollte schon auf eigenen Füßen stehen und die Anreise selbst bewältigen können.

Ist es im Seitenwagenrennsport notwendig Vorerfahrungen zum Beispiel aus dem Solobereich mitzubringen?


Vorerfahrungen in einer anderen Rennsportklasse müssen nicht unbedingt sein, aber sie sind von Vorteil. Die Motorsportbegeisterung hingegen ist Voraussetzung aber er muss nicht selber der Top-Rennfahrer gewesen sein, denn das sehe ich als meinen Job an. Wenn Du Beifahrer in einem Gespann werden möchtest, dann sollte ein gewisses Grundgefühl vorhanden sein, denn es gibt auch Personen die Jahre lang dabei sind und es trotzdem nicht lernen, da ihnen dieses Gespür fehlt.

Was meinst Du genau mit Gefühl bzw. Gespür?


Damit meine ich, dass man ein Gefühl für den Bewegungsablauf benötigt: was habe ich, wann, wo zu tun und es braucht schon eine Weile um mit dem Fahrer und dem Gespann zu verschmelzen, damit es eine Einheit wird. Das benötigt meistens auch eine längere Zeit. Ein gewisses Gefühl „im Arsch“ muss man haben und das bekommt man meist in die Wiege gelegt und kann man auch nicht sich aneignen. Man kann viele Dinge, besonders die Feinheiten erlernen aber nicht das Grundgefühl und das ist ja auch als Fahrer das Gleiche.

Was sollte man neben der eigenen Selbstständigkeit, der Motorsportbegeisterung und dem Feeling noch für Eigenschaften haben um geeignet zu sein?


Jedes Team und jeder Fahrer hat da seine eigenen Vorstellungen, was das betrifft. Mein Vorteil ist das ich Beides schon gemacht habe, sowohl als Solofahrer als auch als Beifahrer und jetzt Gespannfahrer viel Erfahrungen mitbringe und diese auch weitergeben kann. Ich schätze es so ein, das eine gewisse Grundfitness und Sportlichkeit sehr wichtig in diesem Sport ist. Die Person muss ein fitter Typ sein und sollte auch bereit sein etwas dafür zu tun, dass heißt ein Fitnesstraining zu absolvieren, denn es ist schon eine Herausforderung als Beifahrer es bei einem gewissen Tempo zu packen und über die volle Renndistanz durchzuhalten. Es braucht natürlich auch Mut und Zutrauen. Auf dem Level wo wir uns als Team bewegen ist es schon sehr anspruchsvoll. Zwei drei mal die Woche braucht man daher schon Trainings. Der Fahrer braucht mehr Kraft und der Beifahrer muss sehr flink und sportlich sein und daher ist für ihn dann eher Ausdauertraining z.B. Schwimmen oder Laufen notwendig. Natürlich braucht auch der Beifahrer eine gewisse Kraft um sich zu halten, aber mit Hilfe der Technik und der Fliehkräfte kann man da Einiges noch rausholen. 




Der Seitenwagenrennsport ist wie jede Motorsportart auch eine Kostenfrage, ob dies die eigene Ausrüstung, das Gespann oder die Nenngelder betrifft. Worauf muss sich der Beifahrer hier einstellen?

Das Paket als solches liefern wir als Team für die Saison und steht somit grundsätzlich. Der Beifahrer sollte aber schon in der Lage sein zu den Veranstaltungen eigenständig anzureisen und natürlich wird es auch begrüßt, wenn er sich finanziell einbringt oder Sponsoren gewinnen kann, dies ist aber kein Muss.

Wenn der Kandidat sich melden würde, wie geht es dann weiter. Was sind Eure nächsten Schritte?


Im Vorfeld sollten wir uns schon ein zwei mal Treffen um einfach auch organisatorische Dinge absprechen zu können und uns kennen zu lernen. Und natürlich müsste er oder sie dann sofort mit seinem Fitnesstraining beginnen und wir versuchen zwei drei Möglichkeiten des Trainings auf der Strecke zu nutzen, bevor es überhaupt in ein Rennen geht. Aber genau das ist in unserem Bereich sehr schwierig. Das ist zum Beispiel im Motocross viel einfacher, denn dort gibt es genug Strecken auf denen man trainieren kann, was jedoch im Straßenrennbereich fast nicht möglich ist. Die gesamte Szene fährt daher im März eine Woche nach Val di Vienne in Frankreich in ein Trainingslager. Unser Ziel als Team ist es die komplette Saison in der Internationalen Sidecar Trophy zu bestreiten, die sich europaweit mit Starts in Österreich, Kroatien und Tschechien bewegt. Für jedes Rennwochenende sind mindestens drei freie Tage einzuplanen und es wichtig das man gemeinsam das Wochenende gestaltet, von Aufbau bis Abbau.

Du hast gerade die Möglichkeiten des Trainings angesprochen. Wird das in Deutschland eher unterstützt und gefördert oder wie sind da die Voraussetzungen für Euch?


Es wird leider nicht wirklich unterstützt und man muss selber die Initiative ergreifen und viele Aufwendungen auf sich nehmen. Wie zum Beispiel von meinem Wohnort aus gesehen 1300 km nach Frankreich fahren, um dort ein paar Trainingsrunden absolvieren zu können. Es gibt in Deutschland keine vergleichbare Alternative zu Val di Viene. Es wäre schon sehr vom Vorteil für die Seitenwagenszene wenn es in Deutschland im Frühjahr ein oder zwei Trainingstage geben würde, aber leider gibt es das nicht. Es werden einem leider mehr Steine in den Weg gelegt als die Szene gefördert, was schade für den Sport ist. Das Interesse an dem Seitenwagenrennsport sollte daher auch kein Strohfeuer sein sondern richtiges Interesse an dem Sport.

Für jemanden der die Seitenwagen noch nicht erlebt hat, noch nicht mitgefahren ist und sich überlegt in den Motorradrennsport einzusteigen. Warum sollten es die Seitenwagen sein und nicht der Solobereich?


Der Seitenwagenrennsport ist etwas ganz eigenes und hat seine ganz eigene Faszination. Wenn man mit dem Zusammenspiel der drei Komponenten Fahrer, Beifahrer und Gespann ziemlich nah an der Perfektion ist, dass macht einfach einen unheimlichen Spaß und auch für mich als Fahrer ist das nach wie vor beeindruckend. Ich bin vorher schon 18 Jahre im Motocross aktiv gewesen und habe eine neue Herausforderung gesucht und diese bei den Gespannen gefunden. Nun hoffe ich natürlich das mit einem neuen Beifahrer noch viele erfolgreiche Jahren hinzukommen.


Interessenten können sich direkt bei Enrico Wirth oder
auch bei Racetrack News melden!

Emailadresse Enrico Wirth: info@zweirad-wirth




Interview von Doreen Müller


Fotos: Team Zweirad Wirth und Doreen Müller

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