Sidecar Trophy: Regen bringt Segen in Schleiz

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Nach sommerlichen Temperaturen in Kroatien zog der Tross der Internationale Sidecar Trophy an diesem Wochenende weiter zum traditionellen Schleizer Dreieck. 24 Teams hatten sich angemeldet um sich im Rahmen der Klassik- Veranstaltung vom 01. bis 03. Juli auf dem 3805 Meter langen Rundkurs zu messen. Darunter Gaststarter wie Joseph Sattler mit Uwe Neubert und Christian Ruppert und Ueli Waefler, die den Lauf nutzen wollen um sich weiter fit zu machen für die Internationale Deutsche Meisterschaft. Auch die WM-Starter Günther Bachmaier und Manfred „Yeti“ Wechselberger sind an diesem Wochenende wie mit von der Partie. Bereits am Freitag erhielten die Gespanne die Möglichkeiten erste Runden in Schleiz zu drehen und die Strecke bei trockenen und warmen Wetterbedingungen auszutesten.

Pünktlich zum ersten offiziellen freien Training am Samstagmorgen änderte sich die Meinung des Wettergottes jedoch deutlich. Dunkle Wolken zogen über dem Buchhübel auf. Mit Start in die 15 minütige Session verwandelte sich die Strecke rasch in einen rutschigen Kurs, auf dem so einige Fahrer ihre Probleme hatten.

Vor allem die Meisterschaftsführenden Kees Endeveld und Jeroen Remme kamen mit den nassen Bedingungen nicht gut zurecht. „Wir sind das erste Mal im Regen mit diesem Gespann gefahren und waren zudem auf Slicks draußen und das war das Schnellste was möglich war. Ich wollte nicht soviel Risiko eingehen. Wir mussten schließlich ja wieder ankommen, “ so Kees Endeveld. „Es sind diesmal auch neue Leute dabei, die schneller fahren als wir, das ist gar nicht so gut und wir müssen heute Nachmittag noch mal probieren. Ich hoffe auf trocken, sollte es nass werden, werden wir auch noch mal etwas ändern. Aber das müssen wir auch lernen, denn wenn du Weltmeister werden willst, musst du auch im Regen fahren können. Wir sind überrascht das auch die F2-Gespanne wie Knapton/Roick so schnell sind, aber das ist super und schön zu sehen, dass sie die F1-Gespanne hinter sich lassen.“ Mit 11,934 Sekunden Rückstand auf die Trainingsschnellsten Spendal/Portijk rangierten die Kroatien-Sieger auf Platz 16. Über das Wetter freuen konnten sich bei den F2-Gespann Ken Knapton und Enrico Roick, dem Engländer lagen die nassen Bedingungen und er fuhr die Gesamtzweitschnellste Rundenzeit (1:57.781 sec.) am Morgen. „Es war schön im Regen“, erklärte Beifahrer Enrico Roick. „Das war das erste Mal dass wir mit Slicks im Regen gefahren sind, mit dem kleinen Moped. Es hat Spaß gemacht, denn in jeder Runde war es anders. Erst war es etwas trockener, dann wieder nasser. In der letzten Runde hatten wir Sektorbestzeit. Ich fahre gern im Regen mit Ken, denn das kann er richtig gut, “ so Roick abschließend. 1,4 Sekunden hinter dem Englisch-Deutschen Duo folgten die IDM-Starter Sattler/Neubert vor Ruppert/Waefler und Chris Baert mit Beifahrerin Ronja Mahl.

Mit einer 2:03.828 im Zeitenranking folgte das Team Zweirad Wirth auf Platz 6 im Gesamtranking und war somit das zweitschnellste Gespann in der 600er Wertung. 1,1 Sekunden dahinter sorgten Markus Heck und Andre Hummel für eine kleine Überraschung. Das deutsche Duo mit einem Shelbourne Suzuki Gespann kann bisher auf wenige Erfahrungen im Seitenwagenrennsport zurückblicken. Fahrer Markus Heck selbst drehte beim Training zum ersten Mal seine Runden auf dem Schleizer Kurs und war nicht nur von seiner zeit überrascht, sondern auch von dem Streckenlayout sofort angetan. „Ich bin selbst überrascht, dass wir Drittschnellster bei den F2 waren. Mir macht auch die Strecke Spaß. Ich denke aber wir sind einfach eine glückliche Runde gefahren, “ erklärte Markus Heck die gute Rundenzeit. „Wir konnten teilweise auch hinterherfahren und ich konnte so wieder mehr lernen von den Anderen, wie man fährt und das ist wichtig für mich. Ich mag das sogar im Regen zu fahren, es macht mir einfach mehr Spaß und ich bin der Meinung, wenn es etwas rutschig ist, kann ich besser lernen das Gespann zu beherrschen.“

Mit 8,7 Sekunden Rückstand zur Spitze platzierten sich die Gebrüder Siegel hinter dem Team Heart Attack, gefolgt von den Schweden Lundberg/Anderson auf 9 und Nijland/Steenbergen auf 10. Ebenso wie die Meisterschaftsführenden hatte auch Günther Bachmaier seine Mühe im ersten freien Training und fuhr die elftschnellste Zeit mit 2:06.414 sec.

Alle Hoffnungen lagen somit auf das Qualifying am Nachmittag, doch auch gegen15:00 Uhr änderten sich die Wetterbedingungen kaum. Es blieb nass in Schleiz, doch diesmal waren die Teams auf den Regen eingestellt und hatten ihre Gespanne vorbereitet. Mit einer 1:49.250 sicherten sich diesmal Sattler/Neubert die schnellste Rundenzeit und somit die Pole Position. Dahinter folgten mit knapp 4 Sekunden Rückstand Milan Spendal und Arjien Portijk auf LCR Suzuki. Den Regen für sich nutzen konnten auch Enrico Wirth und Ronny Uhlig. In der letzten fliegende Runde zauberten das Duo eine 1:54.961 auf den Asphalt und war somit das schnellste F2 Gespann des Qualifyings und ließ sogar die F1-Konkurrenz stehen. Mit Startplatz 3 werden Wirth/Uhlig somit am Sonntag zum ersten Mal aus der ersten Reihe ins Rennen starten. Dennoch keine einfache Aufgabe für das 600er Gespann, denn auf Startplatz 4 und 5 lauert die Konkurrenz aus dem 1000er Teilnehmerfeld mit Ruppert/Waefler und Endeveld/Remme.

Ob der starken Konkurrenz im Nacken wirkte Fahrer Enrico Wirth dennoch recht gelassen. „Zum Einrollen haben wir gestern das Freie Training in der Klassik genutzt“, so der Ascherslebener. „Heute früh waren schwierige Bedingungen. Wir sind heute Morgen wie alle mit Slicks raus gefahren, es war sehr rutschig auf der Strecke und da Vertrauen zu fassen ist schwierig. Demzufolge war ich etwas verhaltener, das Ergebnis war trotzdem mit 6 Platz Gesamt wäre auch gut gewesen. Im zweiten Zeitentraining heute Nachmittag hat es Gott sei Dank rechtzeitig angefangen mit regnen, so dass klare Wetterbedingungen waren und wir auf Regenreifen wechseln konnten. Es wurde von Runde zu Runde besser und nach zwanzig Minuten haben wir noch mal einen rausgeknallt und sind das erste Mal überhaupt in der Sidecar Trophy  in der ersten Startreihe. Das macht uns sehr stolz und ist natürlich auch durch den neuen Beifahrer Ronny erst möglich, der seine Arbeit sehr gut macht  und sich auf jede Bedingungen einstellen kann.“ Hauptkonkurrent und Meisterschafstführender Ken Knapton ist jedoch nicht soweit weg und wird auch von Startplatz 6 aus versuchen an Wirth/Uhlig zu Beginn vorbeizuziehen.

Mit 1: 57.429 sec gelang dem Engländer nur eine kleine Steigerung zum Vormittag. Gründe hierfür waren diesmal jedoch technische Bedingungen anderer Natur. „Die Entscheidung fällt im Rennen“, so Enrico Roick zuversichtlich. „Vor uns hatte jemand Öl verloren und unsere Visiere waren verschmiert und wir haben dadurch nicht mehr viel gesehen. Bergab waren wir zwar schneller aber wenn man nichts sieht, macht es sich mit dem Überholen schlecht.“ Eine klare Strategie hat das Englisch-Deutsche Duo nicht, möchte aber wie gewohnt alles geben und sich die Führung in der Meisterschaft nicht so leicht nehmen lassen. Bachmaier/Wechselberger, die noch am Vormittag ihre Probleme hatten und nur auf Rang 11 kamen , gelang ebenfalls eine deutliche Steigerung und beendeten die Session als siebtschnellste mit 1:57. 648 sec. Dahinter die Schweden Lundberg/Andersson mit knapp 0,5 Sekunden Rückstand. Damaschke/Sabaschus und Nijland/Steenbergen komplettieren die Top Ten in der Startaufstellung.

Die am Vormittag siebtplatzierten Markus Heck mit Beifahrer Andre Hummel sicherten sich den dreizehnten Startplatz. Chris Baert mit Beifahrerin Ronja Mahl geht von Platz 14 aus ins Rennen, dahinter die Gespanne Siegel/Siegel und Pickl/Pickl auf 15 und 16. Auch Remy Gasche und Katrin „Hexe“ Meyer wirkten mit ihrem Ergebnis und Startplatz 17 durchaus zufrieden. Nach dem Ausscheiden in Most und dem verletzungsbedingten Aussetzen beim zweiten lauf in Kroatien zeigte sich das schweizerisch-deutsche Duo in Schleiz erstmals wieder gemeinsam im Renngeschehen und fühlte sich trotz gesundheitlicher Einschränkungen wohl auf der Strecke. Ebenfalls zurück Rennsport meldete sich das Team RCS Racing mit Rainer und Tanja Crome. Nach dem schweren Unfall und langem Aussetzen von Beifahrerin Tanja stellt der Sidecar Trophy Lauf in Schleiz Tanja Cromes Comeback dar. Allen Widrigkeiten und Einschränkungen zum trotz fühlte sich die Rennsportenthusiastin sofort wieder wohl im Gespann. Von Startplatz 18 wird das Duo somit ebenfalls versuchen ins Geschehen einzugreifen. Platz 19 belegten Medeck/Kopecky, Meister/Seib folgten auf 20, Bereuter/Marklin auf 21, Maier/Messing auf 22, Gloeden/Crome auf 22 und Sczepanski/Frey auf Startplatz 24.

 

Text und Foto: Doreen Müller

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