Sidecar Trophy: Italienische Dominanz setzt sich fort

Zwei Rennen über die kurze Distanz von jeweils 6 Runden standen am Samstag auf dem Tagesplan der Internationalen Sidecar Trophy beim 5. Adria-Race in Rijeka/Kroatien. Nach spannenden Kämpfen ums Podium und wertvolle Meisterschaftspunkte im Mittelfeld, erklang bei der Siegerehrung zweimal die italienische Nationalhymne für die pfeilschnellen Italiener Francesco Brutti mit Francesco Ippoliti und Rocco Ozzimo mit Massimo Zannarini. Auch bei der Klasse der 600ccm-Gespanne standen in beiden Rennen Enrico Wirth und Ronny Uhlig ganz oben auf dem Treppchen.

Das WarmUp

Der Samstag begann zunächst mit dem morgendlichen WarmUp um 10:40 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen um die 24 Grad. Am Horizont brauten sich jedoch Gewitterwolken zusammen. Das Unwetter zog gnädigerweise zügig über das Automotodrom hinfort und so konnte das Programm ohne Verzögerungen vollzogen werden.

Die morgendliche Aufwärmrunde nutzten noch mal einige Gespanne um sich auf die Sprintrennen einzuschießen. Für manch einen lief die Session gleich so gut, dass noch mal eine Verbesserung von bis zu zwei Sekunden drin war. An der anhand der Qualis festgelegten Startaufstellung änderten dies jedoch recht wenig und so ging es nach der Mittagspause für 21 Gespanne in die Einführungsrunde.

Sprintrennen 1

Nachdem die rote Ampel erloschen war, zogen die Italiener im Doppelpack direkt an der Spitze davon. Dahinter nahmen Treasure/Gorrie die Verfolgungsjagd auf. Auch Gierlinger/Billich und Wirth/Uhlig versuchten an der Spitze dran zu bleiben. Es zeigte sich jedoch schnell, dass gegen Brutti/Ippoliti und Ozzimo/Zannarini kein Kraut gewachsen zu sein schien. Adam Treasure musste bereits in der zweiten Runde abreißen lassen, auch Peter Gierlinger verlor den Anschluß nach vorn. Dahinter entwickelte sich schnell ein enger Zweikampf zwischen Rogier Weekers/Remco Moes auf ihrer 1000er Windle Suzuki und dem Team Zweirad Wirth. Weekers/Moes  suchten immer wieder Möglichkeiten an dem schnellen Ascherslebener vorbeizukommen, letztlich gelang dies ihnen im ersten Sprintrennen nicht.

Auch zwischen Schwegler/Rähder und Kapeller/Mühlecker ging es in der ersten Rennhälfte eng zu. Zu den beiden F1-Gespannen gesellten sich im weiteren Rennverlauf Gasche/Werner, Axelsson/Neilands, Baert/Mahl, Van Kampen/Bouius und Knapton/Roick. Die 7 Teams bildeten ein enges Mittelfeld bei dem es regelmäßig zu engen Zweikämpfen mit Positionswechseln kam. Erst zum Rennende hin zog sich das Feld leicht auf. Tomas Axelsson schob sich an Markus Schwegler vorbei, die folgenden Kontrahenten taten es im gleich und so fanden sich die Königswarthaer zum Rennende auf Gesamtplatz 14 wieder.

An der Spitze konnten Brutti/Ippoliti indes ihre Führung behaupten und sich den Sieg im Supersprint der Trophy 1000 holen. Ihre Landsmänner kamen auf Rang 2, Adam Treasure und Brad Gorrie überquerten als Dritte die Start-Ziel-Linie. Da die Australier jedoch nicht punkteberechtigt sind, ging der letzte Podiumsplatz bei den 1000ccm an Peter Gierlinger und Markus Billich, die als Vierte das Ziel sahen.

Mit 6 Sekunden Vorsprung auf ihre Verfolger holten sich in der Trophy 600 derweil Enrico Wirth und Ronny Uhlig den ersten kroatischen Klassensieg in diesem Jahr. Weekers/Moes kamen als Sechste ins Ziel vor Axelsson/Neilands und Kapeller/Mühlecker. Das Podium der 600ccm komplettierten Ken Knapton und Enrico Roick, die sich bis zum Schluß gegen die Niederländer Van Kampen/Bouius zu wehren wussten. Robbert Van Kampen schaffte es zwar immer wieder an Ken Knapton vorbei zu gehen, letztlich reichte es für das Team Rainbow nicht ganz um gegen den amtierenden Trophy-Champion anzukommen.

Die Gebrüder Siegel hatten es indes mit den tschechischen Gespannfreunden im direkten Duell zu tun. Zur Rennmitte hin setzten auch sie sich gegen Medek/Kopecky durch und schlossen weiter zum Mittelfeld auf. Bei Zieleinlauf wurden Siegel/Siegel schließlich als Dreizehnte hinter Gasche/Werner und Baert/Mahl gewertet. Schwegler/Rähder erreichten Rang 14, gefolgt von Medek/Kopecky (15.), Heck/Manz (16.), De Haas/Segers (17.), Sedlacek/Rozenekova (18.), Gusse/Maessemann (19.) und Gloeden/Zimmermann (20.). Für Jürgen Damaschke und Jürgen Sabaschus war das Rennen indes nach gefühlten 400 Metern bereits zu Ende. Die sympathischen Norddeutschen kämpften bereits das ganze Wochenende mit technischen Problemen und beendeten den Supersprint punktelos.

Sprintrennen 2

Nach einer zweistündigen Verschnaufpause ging es am Abend in den zweiten Sprintlauf für die modernen Gespanne. Diesmal verlief der Start jedoch nicht ganz so reibungslos, denn Van Kampen/Bouius kamen nicht vom Fleck. Beifahrer Jarno hob jedoch zügig die Hand und das Duo ließ die Kontrahenten vorbeiziehen, bevor sie sich am Feld hinten anstellten.

Derweil entbrannte an der Spitze bereits von Start-Ziel weg der Kampf um die Führung. Brutti/Ippoliti versuchten erneut davon zu ziehen, gefolgt von Adam Treasure und Brad Gorrie, die kurzzeitig sogar auf Platz 1 vorfahren konnten. In der zweiten Runde sah man jedoch erneut Brutti/Ippoliti vorn, auch Ozzimo/Zannarini blieben hartnäckig und hängten sich, nach der geglückten Überholung der Australier, an ihre Landsmänner dran. Beide Pro Bike Racing-Gespanne lieferten sich erneut einen erbitterten Zweikampf um Platz 1.

Rocco Ozzimo suchte immer wieder die Lücke bei seinem Vordermann und setzte sogar an der Stelle an der, der Italiener am Vortag crashte, eine weitere Attacke gegen Brutti/Ippoliti. Diese behielten bis zur Schlussphase jedoch einen kühlen Kopf. Erst im letzten Sektor der sechsten Runde ging Ozzimo/Zannarini schließlich doch noch vorbei und holte sich mit 0,390 Sekunden Vorsprung den Sieg bei den 1000ccm. Platz 3 und 4 gingen erneut an Treasure/Gorrie und Gierlinger/Billich.

Dahinter konnte man meinen eine Dejavu zu erleben. Um Gesamtplatz 5 kämpften erneut Weekers/Moes mit Wirth/Uhlig. Während Rogier Weekers auf den Geraden mehr Power aus seiner 1000er herausholen konnte, war Enrico Wirth in den Kurven geschickter auf der Bremse und kam so immer wieder an den Niederländern vorbei. Anders als im Supersprint fand Weekers diesmal jedoch eine Möglichkeit vor dem ostdeutschen Duo zu bleiben und mit einem leichten Vorsprung Platz 5 einzufahren. Der Klassensieg bei der Trophy 600 ging dennoch erneut an Enrico Wirth und Ronny Uhlig!

Auch im Mittelfeld kämpften wieder die gleiche Mitstreitergruppe wie beim ersten Sprintrennen um die besten Punkte. Ken Knapton und Enrico Roick lieferten sich dabei ein schönes Duell mit Tomas Axelsson und Artis Neilands, aus dem letztlich die Schweden als Sieger hervorgingen. Für Knapton/Roick bedeutete dies jedoch wiederum Platz 2 in der Trophy 600! Das Podium komplett machten Miroslav Medek und Ondrej Kopecky, die vom Ausfall ihrer Kontrahenten Siegel/Siegel in der letzten Runde profitierten.

Christian und Ewald Siegel befanden sich zu dem Zeitpunkt ebenfalls in einem engen Zweikampf mit der schnellen Ducati von Markus Schwegler und Steffen Rähder. Der Kampf endete jedoch unglücklich für beide Seiten, sowohl Siegel/Siegel als auch Schwegler/Rähder gerieten dabei ins Aus und wurden bei Start-Ziel-Einlauf nicht mit Punkten gewertet.

Van Kampen/Bouius kamen letztlich noch auf Gesamtrang 13 ins Ziel und erhielten die Punkte für den vierten Platz in der Trophy 600-Wertung. Dahinter folgten De Haas/Segers (14.), Heck/Manz (15.), Sedlacek/Rozenekova (16.), Gusse/Maessemann (17.), Gloeden/Zimmermann (18.) und Damaschke/Sabaschus (19.)

Stimmen aus dem Fahrerlager

Enrico Roick (Trophy 600 – Wertung, 2 x Platz 2)
„Im ersten Rennen hatten wir einen super Start. Leider haben wir uns am Anfang leicht mit Siegels touchiert. Dennoch hatten wir direkt viel Spaß, vor allem mit unseren niederländischen Kontrahenten Van Kampen/Bouius. Wir haben uns mehrfach gegenseitig überholt. Auch in das zweite Rennen konnten wir gut starten, haben uns jedoch recht lang hinter Markus Heck aufgehalten, da wir an der Geraden schlecht vorbei kamen. Irgendwann hatten wir ihn dann und konnten auch Siegels überholen. Auch da hatten wir richtig Spaß! Es waren schöne Zweikämpfe mit allem drum und dran! Mit den Niederländern haben wir gerechnet, dass sie schnell sind. Das haben wir in Val de Vienne bereits gesehen und das ist auch gut so, denn so haben wir auch noch mehr Freude auf der Strecke.“

Ondrej Kopecky (Trophy 600 – Wertung, Platz 5 + Platz 3)
„Wir hatten Probleme mit der Temperatur und mussten am Gespann etwas ändern. Im zweiten rennen funktionierte das auch, das gab uns auch die Chance ums Podium zu kämpfen. Wir lagen jedoch das ganze Rennen auf dem vierten Platz und durch den Ausfall von Siegels haben wir den Sprung aufs Treppchen geschafft. Das war nicht ganz unser alleiniger Verdienst! Von der Strecke bin ich begeistert. Ich bin hier das erste Mal und mag diesen Kurs. Der neues Asphalt funktioniert gut. Für morgen ist unser Ziel das gleiche wie immer: immer gut ins Ziel zu kommen.“

Peter Gierlinger (Trophy 1000 Wertung, 2 x Platz 3)
„Wir waren sehr zufrieden mit dem heutigen Verlauf und dem Ergebnis sowieso, zumal wir das erste Mal in Rijeka waren. Ich kenne die Strecke nicht, auch wenn der Belag neu ist, habe ich keine Vergleichswerte vorher gehabt. Mit Markus bin ich vorher auch noch nicht zusammen gefahren. Das war für mich alles neu und für das ist es einfach sehr gut gelaufen. Gegen die Italiener ist allerdings kein Kraut gewachsen. Wir hätten eine andere Übersetzung gebraucht, die hatte ich jedoch nicht dabei. Morgen das Hauptrennen bestreiten wir nicht.“

Remy Gasche (Trophy 1000-Wertung, Platz 6 + Platz 5)
„Ich hatte heute Mühe beim Starten! Wenn ich das Problem in den Griff bekomme, kann es durchaus sein, dass wir Morgen weiter von mitfahren können. Für mich sind Schwegler/Rähder und die Schweden die effektiven Konkurrenten, mit denen ich mich künftig stärker auseinandersetzen werde auf der Strecke. Die Saison ist jedoch noch lang und abgerechnet wird immer erst am Schluß.“

Ilse De Haas (Trophy 1000 – Gaststarter IDM)
„Es ist für mich das erste Mal in Rijeka – als Gespannpilotin. Gestern ging es erstmal darum die Strecke kennenzulernen, das klappte gleich ganz gut und ich konnte meine Rundenzeiten stetig verbessern. Heute Morgen im WarmUp waren wir gleich zwei Sekunden wieder schneller als gestern. Im ersten Rennen hatten wir ein langsameres Gespann vor uns, was wir auch überholen konnten und Runde für Runde schneller wurden. Im zweiten Rennen blieb ein Gespann direkt vor uns am Start stehen, so dass wir erst unbeschadet dort vorbei gelangen mussten. Ich konnte im Anschluß noch weitere Gespanne überholen, was mich sehr glücklich macht. Wir haben unsere Rundenzeit auf 1:46 verbessert und wollen morgen noch weiter nach vorn aufschließen. Ich mag die Strecke. Für mich ist es wichtig Erfahrungen sammeln zu können und das ist hier gut für mich möglich. Wir werden daher den IDM Lauf in Schleiz auslassen und noch mal in Oschersleben bei der Sidecar Trophy an der Start gehen.“

Remco Moes (Trophy 1000 – Gaststarter IDM)
„Wir sind von Platz 7 aus ins Rennen gegangen und hatten direkt im ersten Sprint ein F2-Gespann vor uns. Wir haben das ganze Rennen mit ihm gekämpft und er hatte letztlich die Nase vorn. Im zweiten Sprint fanden wir uns erneut hinter ihnen wieder, diesmal haben wir sie jedoch gekriegt! Es war ein schöner Kampf zwischen uns. Wir konnten ihn und schließlich im letzten Sektor schnappen und dann vor ihnen bleiben und Abstand zwischen uns bringen.“

Rogier Weekers (Trophy 1000 – Gaststarter IDM)
„Ich kenne Rijeka bereits, da ich hier schon als Instruktor gewesen bin. Den neuen Asphalt habe ich jedoch erst dieses Wochenende ausprobieren können. An manchen Stellen, wie in Kurve 3 ist der Belag zwar nicht perfekt, in der Innenseite ist es wellig, aber das größte Problem was wir vorher hatten, war nicht Kurve 3 sondern die letzte Passage vor der Start-Ziel-Geraden. Dort war es sehr wellig und man hat da viel Power verloren, das ist nun perfekt! Man kommt nun viel schneller um die Kurven und man ist im Allgemeinen viel schneller nun. Der Grip ist viel besser als ich dachte, er ist unglaublich, aber die Strecke verbraucht auch Reifen. Ich nutze Dunlop, diese haben ähnliche Mischungen wie in der MotoGP, was hier gut funktioniert. In der IDM liegen wir normalerweise weiter hinten im Feld und sind oft allein im Niemandsland, da lernt man jedoch leider nichts dabei. Hier hatten wir heute eine Möglichkeit auf der Strecke zu kämpfen und so auch wieder Erfahrungen zu sammeln.“

 

Die Ergebnisse der einzelnen Rennen findet Ihr auf der Seite der Sidecar Trophy in der Übersicht.

Text und Foto: Doreen Müller-Uhlig

 

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