Sarah Göpferts Saisonrückblick 2017

Sarah Göpfert wurde in diesem Jahr Achte im ADAC Junior Cup powered by KTM. In diesem Bericht lässt die Sächsin ihre Saison Revue passieren.

 

Meine Saison 2017… ich könnte, wie wahrscheinlich jeder Rennfahrer, von Höhen und Tiefen berichten, von Euphorie und Freude, von Tränen und Enttäuschung. Und doch könnte ich nicht ansatzweise das beschreiben, was ich in den vergangenen acht Monaten erleben und erfahren durfte. Ich möchte euch nicht nur auf eine Reise durch die nackten Ergebnisse und Zahlen meines Jahres nehmen, sondern auch die Arbeit, die Emotionen und vor allen Dingen all die wunderbaren Menschen dahinter zeigen.

Wie jedes Jahr fing auch dieses Jahr die Saisonvorbereitung bereits im Winter an. Am Motorrad wurden die Wunden der vergangenen Saison geflickt, sodass es pünktlich, noch bevor der letzte Schnee geschmolzen war, im neuen Kleid erstrahlte. Da eine Maschine ohne den Menschen nur bedingt funktioniert, bereitete ich mich ebenfalls physisch auf die anstehenden Rennen vor. Nicht selten fehlte die Motivation dazu, im kalten Keller auf dem Rollentrainer stundenlang Rad zu Fahren, doch letztendlich konnte ich mich immer wieder dazu aufraffen und zog das Training durch, denn Erfolg oder Niederlage sollten nicht von der fehlenden Fitness abhängen.

Endlich waren die grauen Tage gezählt und wir fuhren zum ersten Roll Out auf den Spreewaldring, um ein wenig den Rost aus den Knochen zu fahren. Nur wenige Wochen später starteten wir in Richtung Misano. Und damit in das große Abenteuer – ADAC Junior Cup 2017.

Nach 11 Stunden Fahrt erreichten wir endlich die an der Adria gelegene Strecke und bauten gleich, zusammen mit meinem Cup Kollegen und Freund Nick Filler unsere kleine Zeltstadt auf, welche wir künftig bei jedem Rennen zusammen errichteten. Nach einem Tag theoretischer Grundlagen durften wir endlich auf die Strecke und in den kommenden drei Tagen hatten wir ausreichend Zeit den wundervollen Misano World Circuit Marco Simoncelli und die ihn umgebenden Kiesbetten ausgiebig zu testen. Zum Glück blieben alle Fahrer unverletzt und wir hatten alle jede Menge Spaß, sowohl auf, als auch neben der Strecke. Mit vielen Informationen im Gepäck sowie der Erkenntnis, dass Nicks und meine Tischkicker-Künste noch ausbaufähig sind, reisten wir wieder in die kalte Heimat.

Doch viel Zeit zum Verschnaufen blieb uns nicht, denn schon zwei Wochen später machten wir uns erneut auf die Reise, diesmal Richtung Niederlande zum ersten Rennen des Jahres. „Assen im Nassen“ heißt es ja so schön, doch davon wurde ich an diesem Wochenende zum Glück verschont! Bis zum Rennen verlief mein Wochenende dennoch nicht sehr gut, sodass ich von Platz 12 (JC Wertung) starten musste. Bereits nach dem ersten Qualifying der Saison kamen schon wieder Zweifel in mir hoch, welche ich jedoch erfolgreich verdrängen konnte und optimistisch auf das Rennen blickte. Dieses verlief auch deutlich besser, denn ich konnte mir am Ende den 7. Platz sichern.

Wenn mir jemand zu Beginn des Jahres gesagt hätte, dass die Rennen in Oschersleben, mit die besten der Saison werden würden, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht, da ich die Strecke mit Abstand am wenigsten mag. Doch nach diesem Rennwochenende hatte ich mich endlich mit ihr versöhnt.

Schon im ersten Qualifying erlebte ich mit Platz 4 ein Highlight, mit welchem ich nicht gerechnet hatte. Nach getaner Arbeit belohnten Nick, Dominik und ich uns mit einer kleinen Wasserschlacht, welche bei den hohen Temperaturen eine echte Wohltat war. Unser erstes Rennen fand am Sonntag recht zeitig statt, sodass es noch etwas kühl war, was und jedoch wenig interessierte, denn wir waren alle heiß auf das Rennen. In diesem konnte ich mich in den ersten Runden gut nach vorn arbeiten, sodass ich zwischenzeitlich sogar um Platz 3 kämpfte, durch einige kleine Fehler letztendlich als 5. über den Zielstrich fuhr. Total happy und mit dem Wissen, was ich im zweiten Rennen anders machen würde, wartete ich auf den Start des zweiten Rennens. Leider endete dieses für mich nach nur wenigen Runden im Kiesbett, da ich es am Ende der Start/ Ziel Geraden ein wenig übertrieb. Trotz des Sturzes war es für mich ein klasse Wochenende, da ich den Rückstand auf die Spitze verkürzen konnte.

Selten reiste ich mit so viel Selbstbewusstsein zu einem Rennen wie zu meinem Heim Grand Prix am Sachsenring. Dank PZ Motorsport konnte ich zuvor ausreichend trainieren und ein gutes Setting finden. Am Donnerstag wurde in unserer kleinen Zeltstadt jedoch noch fleißig geschraubt, denn sowohl Nicks als auch mein Motor mussten erst einmal ihren Weg zurück in das Motorrad finden. Alles verlief super und ich konnte entspannt die GP-Atmosphäre genießen. Unsere Zeittrainings fanden erst am Freitagabend statt, sodass wir tagsüber genug Zeit hatten uns das Paddock der Großen einmal genauer anzuschauen und unseren Idolen ganz nah zu sein.
Am Abend war es dann endlich soweit. Vor dem ersten Qualifying war ich mächtig aufgeregt, da ich vor all meinen Freunden natürlich ein gutes Resultat herausfahren wollte. Leider wurden diese Pläne schon in Runde drei Ausgang Omega durch eine optimistische Aktion eines niederländischen Fahrers zerschlagen. Ich hatte eine Menge Wut im Bauch. Nicht nur dass mein neuer Helm eine große Schramme hatte, hatte ich doch bis dahin auch noch keine brauchbare Rundenzeit zustande gebracht. Im 2. Qualifying gab ich noch einmal alles und konnte mir tatsächlich den 3. Startplatz im Junior Cup sichern. Das bedeutete auch, das erste Mal ein Statement für Maria (Pressesprecherin des Junior Cups) abzugeben, was für mich ein weiteres Highlight markierte. 


Zum Rennen am nächsten Tag trat dann das Worst Case Szenario ein, denn eine Stunde vor Rennbeginn fing es an zu regnen und bis dahin waren meine Fahrkünste im Regen eher mäßig ausgefallen. Ich wollte mir die gute Ausgangssituation aber nicht von ein bisschen Wasser auf der Strecke zerstören lassen und nahm all meinen Mut zusammen, was letztendlich mit dem vierten Platz belohnt wurde. Mein bestes Saisonergebnis, auch wenn es nicht ganz für einen Platz auf dem Treppchen gereicht hat.

Die zweite Saisonhälfte gestaltete sich leider weniger prächtig als die erste. Mit der Strecke in Brünn hatte ich große Differenzen auszutragen, auch wenn Ronny alles mögliche versuchte, um die richtigen Fahrwerkseinstellungen für mich zu finden. Die tschechische Strecke und ich wollten einfach keine Freunde werden. Immerhin erhaschten wir am Freitag Abend im Fahrerlager noch einen telefonierenden Sandro Cortese, der einsam am Straßenrand saß.
Der Frühsport fand diesmal in einer etwas außergewöhnlichen Umgebung statt, denn nach dem Warmlaufen absolvierten wir die Übungen auf einem Schießplatz, welcher sich direkt an der Strecke befindet. Nach vielen aufbauenden und motivierenden Worten von Ronny und Doreen, schöpfte ich wieder etwas Mut für die anstehende Herausforderung.
Das Rennen gestaltete sich für mich besser als erwartet. Ich konnte in einer großen Gruppe kämpfen, unter anderem mit Nick, der ein super starkes Wochenende ablieferte!
Doch auch das bis dahin gute Rennen wurde für mich zwei Runden vor Schluss abrupt beendet, als mir ein niederländischer Fahrer in das Heck fuhr und ich mich im Kiesbett wieder fand. Ein frustrierender Ausgang, da ich das gesamte Wochenende über hart gekämpft hatte, um überhaupt den Anschluss halten zu können. Letztendlich wurde diese Arbeit nicht belohnt.

Mit einigen Blessuren reisten wir schon am darauffolgenden Wochenende nach Österreich an den Red Bull Ring, auf dem mich vom ersten Training an eine Pechsträhne zu verfolgen schien, denn immer wieder hatten wir mit technischen Problemen zu kämpfen und meine Knochen merkte ich vom Sturz in Brünn auch noch ordentlich. Robert Wilhelmer tat an diesem Wochenende alles was möglich war, damit ich nicht aufgab. Er fuhr sogar mit meiner Gabel in seine Werkstatt um über Nacht einen Check Up durchzuführen. Hut ab und danke für diese Wahnsinns Leistung! Danke auch an Anka und Melanie, dass ihr so verrückt wart und meine Gabel sowie mein Vorderrad durch das gesamte MotoGP Fahrerlager getragen habt!
Die Zeittraining gestalteten sich als völlige Katastrophe, weshalb ich allen Mut verlor und daran zweifelte, ob das Ganze überhaupt noch Sinn mache. Doch dank der besten Freunde und Familie gab ich nicht auf und fuhr mit gemischten Gefühlen in die Startaufstellung. Aber auch in Spielberg sollte sich unser ganzes Engagement nicht auszahlen, in der ersten Kurve ereignete sich direkt vor mir ein Unfall, welchem ich nur mit Mühe ausweichen konnte, sodass ich dem Feld hinterher eilen musste. Am Ende wurde ich noch als 9. gewertet, was ich unter Schadensbegrenzung verbuchte. Einziger Erfolg an dem Tag war zum Abschluss jeweils ein Foto mit den beiden Stefans: Stefan Bradl und Stefan Nebel.

Nach zwei kräftezehrenden und mental anstrengenden Wochenende hatte ich erst einmal einige Wochen Zeit, um meine Wunden zu lecken und neue Energie zu tanken, bevor es zu den finalen zwei Rennen erneut nach Assen ging.

Das Wochenende war für mich fast schon vorbei, bevor es überhaupt begonnen hatte. Am Donnerstag stürzte ich mit dem Fahrrad und zog mir dabei einige Schürfwunden zu. Achim, der Physiotherapeut vom Junior Cup, verarztete mich aber so super, dass ich auf dem Motorrad kaum Schmerzen hatte. Mit einem Regen- und einem Trockenrennen, welche ich beide auf dem 7. Platz beenden konnte, endete meine Saison 2017.

Es war eine Saison voller Glücksmomente, aber auch voller Momente, in denen in kurz vor dem Aufgeben war. Doch haben mich all die Menschen um mich herum immer wieder ermutigt aufzustehen und weiter zu machen. Zusammen haben wir auch dieses Jahr wieder Einzigartiges erleben dürfen und dafür möchte ich allen danken, die mein Jahr 2017 zu einem Jahr gemacht haben, welches ich so schnell nicht vergessen werde!

Danke auch an all meine Sponsoren, welche mir die gesamte Saison über Ihr Vertrauen geschenkt haben.

 

Text: Sarah Göpfert

Fotos: Dominik Lack

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Kommentare (1)

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    Gerd Vogel

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    Sehr schöner Saison gehabt.Niederlagen gehören auch dazu.Ich wünsche Dir und Deiner Fam.ein schönes Weihnachtsfest viel Gesundheit und eine noch bessere Saison 2018.Da kannst Du dich 2018 noch steigern. Mit freundlichen Grüßen Gerd Vogel von Moto Italia Krumbach. Bemerkung :2017 eigentlich alles richtig gemacht.👍👍👍

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