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Sarah Göpfert blickt zurück auf eine spannende Saison

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Es fühlt sich so an, als ob die Saison 2016 gerade erst begonnen hat, fand doch vor kurzem erst der Einführungslehrgang des ADAC Junior Cups in Magione statt. Und nun ist das Jahr schon wieder fast vorbei. Ich kann nur sagen, dass es eine einzigartige Saison war und ich danke jedem, der sie für mich unvergesslich gestaltet hat. Ich habe so viele tolle Momente erlebt, egal ob auf der Strecke oder im Fahrerlager, sodass es mir unmöglich ist, von all diesen zu berichten. Jedoch möchte ich Euch die besten und wichtigsten Erlebnisse, die meine Saison 2016 am meisten geprägt haben natürlich nicht vorenthalten. Durch den Start im Junior Cup und gleichzeitig im Deutschen Langstreckencup war mein Kalender ordentlich vollgepackt, sodass garantiert keine Langeweile auftreten konnte.


Im März reisten mein Vater und ich zunächst voller Ungewissheit und Spannung auf das bevorstehende Abenteuer nach Italien zum ersten Treffen des Junior Cups. Nachdem wir die erste Nacht vor den geschlossenen Toren der Rennstrecke verbringen durften, jagte in den folgenden drei Tagen ein Highlight das nächste. Nach den Theorieseminaren und dem einen oder anderen Fußballspiel am Sonntag, ging es für uns 20 Fahrer am Montag das erste Mal zur Strecke. Ordentlich in Zweierreihen aufgestellt, warteten wir darauf, endlich Gas geben zu dürfen.

Unter der Anleitung von Dario Giusepetti und Luca Grünwald kam jeder Fahrer in den zwei Tagen aufgrund der vielen Fahrzeit definitiv auf seine Kosten. Das Wetter beglückte uns mit jeder Situation, egal ob nass, trocken, Sonne oder Wind, wir konnten uns unter den verschiedensten Bedingungen ausprobieren und somit perfekt auf die anstehende Saison vorbereiten, welche schon zwei Wochen später im niederländischen Assen startete.

Im Rahmen der Superbike WM kam es also zum ersten Schlagabtausch zwischen den jungen Wilden- und ich mittendrin. Die gefriepunktnahen Temperaturen minderten keineswegs den Fahrspaß, denn der Kurs in Assen ist schlichtweg der hammer! Viele flüssige und schnelle Passagen halten sich dort mit einigen langsamen und technisch sehr anspruchsvollen Kurven die Waage, sodass man richtig gefordert wird. Nachdem ich im Qualifying noch einige Anlaufprobleme hatte, lief das Rennen dann ideal. Während die Jungs an der Spitze es richtig fliegen ließen, verfehlte ich die Top 10 nur um ein paar Zehntel und überquerte als 11. die Ziellinie.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es für mich weiter auf heimischen Boden, zur IDM auf den Lausitzring, wo ich bereits im letzten Jahr mit der Gladius Trophy gestartet war. Am Freitagmorgen schrieb ich schnell noch mein Mathe Abi, bevor wir uns auf den Weg in die Lausitz machten. Doch anstatt eines Vorteils, stellte sich meine Streckenkenntnis als großer Nachteil heraus, da die Linie eine ganz andere war als mit der Gladius, weshalb es mir auch schwer fiel, auf einigermaßen anständige Rundenzeiten zu kommen. Am Abend vor dem Rennen bastelten wir noch stundenlang am Fahrwerk meiner KTM herum, um eine passende Einstellung für den welligen Kurs zu finden. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an alle, die mir an dem Wochenende geholfen haben, ein gutes Setting zu finden. Mit wenig Selbstbewusstsein ging es dann in das Rennen, welches ich durch etwas Glück sogar noch als 10. beenden und damit mehr als zufrieden sein konnte.

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Die Sommerpause kam für uns schon recht früh und ich nutzte die Zeit, um Altlasten los zu werden, indem mir Marion Graef ein Mentaltraining ermöglichte. Mit neuer Angriffslust stand Mitte Juli dann mein Heimrennen im Rahmen der MotoGP auf dem Sachsenring an, welches sich gleichzeitig zu meinem Saisonhighlight entwickelte. Es ist einfach ein klasse Gefühl, mit 40 weiteren Fahrern und heulenden Motoren am Vorstart zu stehen, während 10 Meter weiter die Motorräder der GP-Fahrer warmlaufen. Diese Atmosphäre und die klasse Stimmung der Fans, welche zahlreich auch bis zu unserem Rennen am Samstagabend durchhielten, motivierten mich, um ein top Ergebnis herauszufahren. Um mich bildete sich rasch eine Gruppe aus fünf Fahrern, welche ich auch immer wieder einmal anführen konnte. Ende Start/Ziel ging es teilweise zu viert nebeneinander in die erste Kurve und manchmal wurde es so eng, dass ich einen kleinen Umweg über die Wiese nehmen musste. Doch konnte ich die dadurch verlorenen Zehntel schnell wieder gut machen, mich letztendlich durchsetzen und als zweite der Gruppe ins Ziel fahren, was einen 19. Platz von insgesamt 42 Fahrern bzw. Platz 10 in der deutschen Wertung bedeutete. Von meinen Schultern fiel eine riesen Last, da ich endlich wieder an meine Leistungen vom Saisonbeginn anknüpfen konnte und erstmals seit langem wieder riesen Spaß am Motorrad fahren hatte.


Mit neuem Elan ging es also zwei Wochen später zum zweiten WM-Rennen nach Spielberg in Österreich. Die Aussicht vom höchsten Punkt der Strecke ist schon wirklich beachtlich, doch die Streckencharakteristik schlägt das Panorama nochmals um Längen. Kurz zusammengefasst: Die Strecke besteht aus zwei endlos langen Geraden. Auf diese folgt jeweils eine sehr enge und langsame Kurve, in welcher man das Gefühl bekommt in einer Achterbahn zu sitzen, da die Bodenwellen eine ziemliche Rüttelparty veranstalten. Auf diesen Abschnitt folgt ein sehr flüssiger Teil mit vielen schnellen Kurven. Insgesamt ist es also eine super aufregende Strecke, die viele Überraschungen bereit hält. Zwischen unseren beiden Qualifyings und Rennen gab es genug Zeit, sich das ganze Areal etwas genauer anzuschauen und die Trainings und Rennen der MotoGP Klassen anzuschauen. Was wir feststellen mussten ist, dass es die Besucher von den Besucherparkplätzen ganz schön weit bis zur Strecke hatten und man somit auf jeden Fall gut zu Fuß sein sollte.


Mein erstes Rennen verlief ähnlich gut wie das am Sachsenring. Nach einem schönen Kampf in einer Vierergruppe überquerte ich als 9. die Ziellinie. Im zweiten Rennen schied ich leider schon in der zweiten Kurve der ersten Runde aufgrund einer Kollision mit zwei anderen Fahrern aus. Doch meine Stimmung verbesserte sich schlagartig, als wir am Abend in der Box des Yamaha Werksteams beim Abbau zuschauen durften und die Benzinfässer sowie ein Stück Teppich, auf welchem Valentino Rossis Motorrad stand, mitnehmen durften. Ein klasse Abschluss meines Ausfluges in das MotoGP Fahrerlager.


Meine drei letzten Rennen in Oschersleben und Hockenheim waren immer wieder von Problemen gekennzeichnet, doch tut das meinem positiven Fazit der Saison keinen Abbruch. Mit dem Langstreckenteam, der YOUng Rider Foundation, konnte ich neben meinen Einsätzen im Junior Cup wichtige Erfahrungen auf einem 600ccm Motorrad sammeln und lernen, über lange Distanzen mit den vorhandenen Kräften zu haushalten. Wir hatten bei jedem Rennen jede Menge Spaß und haben jedes noch so große Problem super gemeistert. Vielen Dank für diese geniale Erfahrung!


Es war wieder einmal ein unvergessliches Jahr und ich danke jedem Einzelnen, der die Saison so einzigartig gestaltet hat! Vielen Dank auch an all meine Sponsoren, ohne die ich den besten Sport der Welt nicht ausüben könnte!
Jetzt geht heißt es erst einmal die Motoren ruhen lassen und neue Kräfte für 2017 sammeln. Ich hoffe man sieht sich!

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Text: Sarah Göpfert

Foto: Dominik Lack

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