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Sachsenring Boxen-Talk: Luca Grünwald über Strategien, Erwartungen und seine Zukunft in der Moto3

Mit Startplatz 26 und 1,7 Sekunden Rückstand zur Spitze beendete Wildcard Pilot Luca Gründwald heute das Qualifying in der Moto3. Nach einer kurzen Verschnaufpause, einer erfrischen Dusche und stärkenden Häppchen für den sympathischen Deutschen haben wir den 23-Jährigen zum Gespräch gebeten und fanden uns zur Tagesauswertung in der Freudenberg-Box ein.

Luca, berichte uns wie es für Dich lief. Gestern hast Du uns erklärt, Du wolltest Dir in den Sessions heute noch etwas bei den anderen Fahrern abschauen. Hat das funktioniert?
“Auf jeden Fall hat es das! In den Zeiten habe ich erneut eine Verbesserung erreicht, wenn auch im Qualifying vergleichweise kleiner als von gestern auf heute. Wir kommen immer noch ein bisschen vorwärts und ich habe zum Ende der Session eine gute Runde hingebracht. Es ist schwieriger in so einem Qualifying, dass das Timing stimmt. Wenn man nicht alles rausholt was der Reifen in den ersten drei Runden hergibt, dann ist die Konkurrenz so weit weg, weil die Klasse so unglaublich eng beieinander liegt! 0,5 Sekunden sind hier 12 Plätze. Ich bin glücklich mit der Zeit, dass ich so weit hinten bin, bedingt auch die Härte der Klasse. Es ist unglaublich eng in diesem Jahr!”

Zusätzlich ist die Moto3 auch zahlenmäßig ein sehr stark besetztes Feld. Hattest Du damit Probleme auf der Strecke?
“Das ist immer ein Zwiespalt. Auf der einen Seite hilft es mir mehr wenn ich Jemanden sehe, da ich das Bike noch nicht gewohnt bin und noch nicht zu 100 Prozent weiß, was es kann! Wenn ich hinter einem anderen Fahrer herfahre, kann ich lernen warum er sich wann, wie bewegt und die adaptieren. Dies gehört als Wildcard-Fahrer dazu, denn sonst fährt man nicht auf diesem Level. Ich hab wieder etwas gelernt. Wir haben sogar ein paar Leute hinter uns gelassen.”

Hast Du Jemand spezielles vor Dir gehabt von dem Du lernen konntest?
“Ich habe immer wieder die gleichen getroffen und die waren anschließend hinter mir, was nicht so gut war. Ich konnte mich am Ende an einen japanischen Fahrer hängen, das hat gut gepasst und da konnte ich auch meine beste Zeit fahren. Philipp hat mich auch ab und an überholt und ich konnte gut sehen was er macht. Anfangs gelang es mir an ihm dran zu bleiben, das war gut. Aber es ist ganz logisch, dass Philipp hier besser sein muss als ich.”

Welche Strategie hast Du für Morgen?
“Ich habe nichts zu verlieren, dass ist gut beim Start, denn da kann ich voll mit rein halten. Ich muss natürlich keine verrückten Sachen anstellen, will aber von Anfang an powern, sonst hast Du in der Klasse keine Chance! Die ersten vier Runden werden extrem wichtig, man muss sofort voll da sein. Ich hoffe dass ich da gleich mit kann. Es wird ein sehr, sehr langes Rennen und wir müssen schauen, dass wir mit den Reifen gut durchkommen und hoffe dass ich an einer Gruppe dranbleiben kann.”

Im letzten Jahr warst Du u.a. als Instruktor beim ADAC Junior Cup im Einsatz – die jungen Nachwuchstalente sind dieses Wochenende ja auch mit am Sachsenring dabei. Hast Du Dich mit Deinen ehemaligen Schützlingen getroffen?
“Die Fahrer sind alle ganz gut drauf und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten, natürlich haben wir uns hier auch unterhalten und ausgetauscht.”

Wie ist die Resonanz allgemein an diesem Wochenende?
“Ich war in der Moto3-WM nie vorn dabei, aber trotzdem fahren wir hier eine gute Wildcard. Die Leute kennen einen und freuen sich, dass noch ein deutscher Pilot mitfährt. Es hat sich leider niemand anderes beworben für eine Wildcard, dass verstehe ich nicht so ganz, denn für einen jungen Fahrer ist das eine wichtige Lernmöglichkeit, auch wenn es ein hartes Pflaster ist. In meiner Situation ist es nochmal anders, da ich normalerweise nicht mit dem Bike fahre. Aber selbst wenn ich mich so steigern kann über das Wochenende, wäre das auch für andere möglich. Das ist schon schön am Sachsenring…..”

Hast Du vielleicht auch den ein oder anderen Gedanken daran heute gehabt, dass es interessant wäre herauszufinden wie weit Du Dich noch steigern könntest, wenn Du länger dabei wärst?
“Natürlich! Jeder glaube ich, der hier mitfährt und merkt, dass man Fortschritte macht, würde gern wieder mitfahren. Ich auch! Es ist jedoch auch ein großer finanzielle Aufwand, der hinter so einem Wildcard-Einsatz steckt und das ist mit unserem Budget leider nicht möglich. Auf der anderen Seite wird keiner kommen und sagen, du kannst bei mir eine ganze Moto3-Saison fahren, denn die kostet soviel wie ein ganzes Einfamilienhaus! Es ist aber dennoch eine schöne Geschichte für mich!”

Text: Doreen Müller-Uhlig

Fotos: motogp.com (Titel + No.2), Steffen Ullmann (No.3)

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