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Ricarda Neubauer Im Interview: “Habe in dieser Saison viel gelernt und hoffe auch 2016 wieder Superstock zu fahren”


Ricarda Neubauer begeisterte sich bereits in jungen Jahren für den Motorradrennsport. Ihre Karriere begann die 21-jährige 2012 im ADAC Junior Cup auf einer Aprilia RS 125. Bereits zwei Jahre später wechselte Ricarda auf eine Suzuki GSX-R750 und belegte in ihrer ersten Saison im Suzuki GSX -R750 Cup gesamt den 10. Rang. In der diesjährigen Saison geht die Bayerin für das Team Go Eleven in der FIM Europe Superstock 600 Championship an den Start und sammelt weitere Erfahrungen, um ihrem Traum – die erste Frau in der Moto GP zu werden – wieder ein Stück näher zu kommen. Gemeinsam mit weiteren Rennsportlerin unterstützt Ricarda Neubauer das Patenschaftsprogramm „Profi trifft Youngster“ und gibt so ihre wertvollen Erfahrungen an unseren jüngsten Rennsportnachwuchs weiter. Mit Racetrack News sprach „Rica“ über ihre bisherige Saison in der EM und ihre weiteren Zukunftspläne.

Gegenüber der Presse äußertest Du bereits, dass diese Saison in der Superstock 600 EM für Dich wie ein Lehrjahr ist. Wir befinden uns mittlerweile fast am Ende der Saison. Für Dich und Dein Team stehen noch die beiden Rennen in Jerez und in Magny-Cours an. Was ziehst Du für Dich für ein Fazit bisher?

Bereits im ersten Rennen (in Aragon/Spanien) habe ich soviel gelernt, soviel hätte ich, wahrscheinlich in dem ganzen Jahr in meiner alten Rennsportklasse nicht gelernt. Das Niveau in der Superstock 600 Europameisterschaft schätze ich als sehr hoch ein und ich habe viele Erfahrungen mitnehmen können. Dies sieht man auf jeden Fall an meinem jetzigen Fahrstil und auch beim Fahren auf einem anderen Motorrad, wie hier bei meinem Gaststart in Oschersleben.

Du sagtest gerade, du fährst hier wieder ein anderes Motorrad. In der Superstock EM bist Du auf einer Kawasaki ZX-6R unterwegs und hier bei der Speedweek gehst Du mit einer Suzuki an den Start. Spürst Du für Dich große Unterschiede zwischen den Bikes?

Ich merke schon einen großen Unterschied, als ich wieder die Suzuki gefahren bin. Für die Speedweek fahre ich die Suzuki von meinem Bruder und die bin ich zuvor noch nicht gefahren. Das schlimmste war für mich am Anfang das ich auf fast jedem Kerb innen drüber gefahren bin, weil die Suzuki eine stärkere Motorbremse hat und das hat meine Kawasaki gar nicht. Die ZX-6R hat fast keine Motorbremse und da hab ich im ersten Turn ganz schön gekämpft damit.

Es gibt nun auch kritische Stimmen, die sagten, dass Du mit Deinem Wechsel in die Superstock EM eine Klasse übersprungen hättest und dass das nicht gut wäre. Hast du viele selbst negative Rückmeldungen erhalten?

Ja es gab viele negative Stimmen, die gesagt haben ich werde in der Superstock 600 untergehen und bin dort fehl am Platz. Aber mittlerweile haben viele von ihnen ihre Meinung geändert als sie mich in den ersten Rennen gesehen haben und gesehen haben wie ich mich gesteigert habe. Jedoch anfangs waren schon einige Personen, gerade auch Fahrer kritisch mir gegenüber eingestellt. Auch anonym Meldungen habe ich bekommen, die sich nicht so positiv dazu geäußert haben.


Oftmals spricht man, wenn Frauen im Motorradrennsport aktiv unterwegs sind vom dem geflügelten Wort „Frauenbonus“. Auch Du hast dies sicherlich schon oft zu hören bekommen, oder?

Das Einzige was wirklich einen „Frauenbonus“ bringt ist das man als Frau Aufmerksamkeit bekommt und dadurch vielleicht andere Chancen hat ein Team kennen zu lernen, da Frauen im Rennsport einfach nicht so oft vertreten sind. Ansonsten bekommt man beim Fahren gar keinen Bonus. Es ist sogar eher das Gegenteil der Fall, denn die Meisten nehmen dich gar nicht ernst beim Fahren als Frau. Auch bei der Sponsorensuche ist das manchmal eher negativ, weil es da schon viele gibt die das nicht verstehen warum Frauen Motorsport betreiben.

Mit Go Eleven hast Du ein Team gefunden, was dass jedoch versteht und Dich unterstützt. Wie ist an sich die Atmosphäre bei Euch im Team?

Ich komme super in meinem Team zurecht. Es ist alles sehr familiär gehalten und auch aus der Supersportklasse sind Rennsportler dabei und helfen mir ganz viel. Wie beispielsweise Dominic Schmitter. Dominic geht mit mir oftmals am Abend zuvor die Strecke ab und erklärt mir worauf ich bei den einzelnen Abschnitten achten muss, welche Gänge ich am besten nehme usw., da ich die Strecken noch nicht alle kenne. Das hilft mir sehr bei meinen Vorbereitungen.

Fahrt ihr vorher auch Tests auf den Strecken oder ist es eher mehr dass Du Dich nur durch das Abgehen darauf vorbereiten kannst?


Ich bereite mich mehr durch das Abgehen der Strecke auf ein Rennen vor, denn für die Tests fehlt mir leider das Geld.

In der Vergangenheit hast Du oft von Problemen mit Deiner Maschine berichtet, besonders im Suzuki Cup war das Fahrwerk nicht optimal auf Dich abgestimmt. Wie kommst Du mit Deiner Kawasaki und deren Einstellungen zurecht?

Wir haben jetzt direkt einen Fahrwerksmann, der sich damit auskennt und wenn ich da Probleme habe, kann ich das mit ihm besprechen und er kann dann Änderungen vornehmen. Letztes Jahr bin ich damit ziemlich allein gewesen und es haben unterschiedliche Personen an der Maschine geschraubt, so dass es nicht immer gut gepasst hat. Mit einem Spezialisten an der Seite ist es deutlich besser. Aber ich habe auch viel Probleme mit dem Vorderrad. Wenn man jedoch neu auf eine Strecke kommt und das Motorrad noch nicht richtig eingestellt hat, die Strecke nicht kennt und muss selbst noch viel dazu lernen, dann ist es natürlich schwer auch noch das Fahrwerk von Anfang an perfekt einzustellen.

Und beim Fahren. Wo siehst Du dort Deine eigenen Schwächen und Stärken?

Also meine größte Schwäche war eigentlich immer das Bremsen und inzwischen wird auch das besser. Es ist nicht auf dem Niveau, dass Außenstehende dies extrem bemerken, aber ich merke für mich Unterschiede. Natürlich ist es schon ärgerlich wenn man schlecht auf der Bremse ist, denn dann haben die anderen Fahrer die Chance einen zu überholen und wenn man in der Kurve langsam ist hat man das gleiche Problem. Momentan ist es so, dass einige im Feld schneller sind als ich. Wenn ich raus fahre, versuche ich mich an andere Fahrer dran zu hängen, schon allein um eine gute Linie zu fahren. Die meiste Zeit im Rennen konzentriere ich mich jedoch auf mich selber. Es hilft aber schon ungemein, wenn man jemanden vor sich hat an dem man sich orientieren kann.

Was war für Dich Dein bestes Rennen in diesem Jahr und welche Erfahrung Deine schlechteste?

Mein bestes Rennen war in Portimäo Portugal, vielleicht nicht von den Ergebnissen, aber die Strecke ist wahnsinnig schön und hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte auch hier wieder die Möglichkeit viel zu lernen. Die Strecke ist schon recht anspruchsvoll, hat viele blinde Passagen und ist sehr wellig. Mein unschönstes Erlebnis war glaub ich das Rennen in Imola. Imola ist auch eine sehr schöne Strecke, die mir an sich Spaß gemacht hat. Aber dann gab es dort zwei Schikanen die mir gar nicht gefallen haben und die ich nicht fahren konnte. Ich habe viel Zeit nur in den Schikanen verloren und das war natürlich nicht so schön.

Momentan ist ja Pause zwischen den Rennen. Erst Mitte September geht es mit Jerez weiter. Wie gestaltest Du Deine Pausen?


Ja normal müsste ich eigentlich fahren und wie die Anderen auch trainieren damit man im Rhythmus bleibt, aber die Chance hatte ich leider nicht weil mir das Geld gefehlt hat. Durch Sponsoren habe ich dieses Wochenende die Möglichkeit den Gaststart hier in Oschersleben zu machen und bin da sehr froh drüber. In zwei Wochen werde ich nochmal an einem Langstreckenrennen teilnehmen und bis dahin, wie auch zuvor etwas Cross zu fahren, weil das immer noch besser ist als überhaupt nicht zu fahren. Auch beim Motocross kann man viel für den Straßenrennsport lernen und ich kann mich dadurch fit halten.

Konntest Du die Pause auch nutzen um Dich mit Lucy Michel, Deinem „Patenkind“ bei Profi trifft Youngster, zu treffen?


Ich war bisher bei zwei Rennen von Lucy dabei gewesen und konnte sie da etwas unterstützen. Privat konnten wir uns auch zum Grand Prix am Sachsenring treffen, wo wir nicht gefahren sind und dort konnten wir gemeinsam umher laufen und zu den verschiedenen Fahrern schauen. Es ist ein schönes Gefühl Lucy zu unterstützen und zu erleben wie sie sich freut. Heute hat Lucy selbst auch ein Rennen und heute Abend werde ich mich bei ihr melden und nachfragen wie es bei ihr gelaufen ist und dann tauschen wir uns aus.

Ausblick für Dich für die letzten beiden Rennen und für das nächste Jahr. Wie geht es weiter?

Die nächsten zwei Rennen werden nochmal sehr schwer für mich werden, denn es kommen zwei Strecken die ich gar nicht kenne. Und natürlich hatte ich eine lange Pause, wo die anderen Fahrer trainiert haben und da ist es schwer wieder einen Rhythmus zu finden und mein eigenes Motorrad zu fahren. Aber ich hoffe das ich nächste Saison nochmal fahren kann und dann habe ich schon mal den Vorteil, dass ich die Strecken schon kennengelernt habe und die Einstellungen am Fahrwerk passen. Man fängt dann mit einem ganz anderen Level wieder an und kann ganz anders weiterarbeiten und ich möchte mich weiter steigern. Auch privat stehen noch Pläne an. Ich möchte gern Sportmanagement studieren und natürlich weiterhin als Patin Lucy unterstützen.

Foto: JK Sportsfoto



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