Reportage: Zimmerservice für die MotoGP-Stars – Dainese-Story Teil 1

Sicherheit hat auf der Rennstrecke allerhöchste Priorität. Besonders hoch ist der Aufwand an WM-Wochenenden für die Hersteller von Helmen und Lederkombis. Wir haben beim MotoGP-Rennen auf dem Sachsenring einen Blick in den Dainese-Truck geworfen, wo wir einen alten Bekannten wieder getroffen haben. In einer zweiteiligen Reportage möchten wir zeigen, was alles dazu gehört, wenn man die Schutzkleidung für die besten Motorradrennfahrer der Welt bereitstellt.

 

Wir treffen Martin Ley, Geschäftsführer des Dainese Store Hannover am Samstagmorgen. Während auf der Strecke die Moto3-Fahrer zum dritten freien Training ausrücken, ist es noch verhältnismäßig ruhig im Dainese-Truck. Die Crew wirkt entspannt und auch Martin ist gut drauf, auch wenn die Nacht für ihn nicht ohne Turbulenzen verlaufen war. Auf die Frage, womit denn so ein Tag beim Dainese-Service im MotoGP-Fahrerlager beginnt, meint er schmunzelnd: „Auf jeden Fall erstmal mit einem Kaffee.“

Dann erklärt er uns seine Aufgabenbereiche für das Wochenende: „Meine Arbeit besteht darin, dass ich Leute, die zum Beispiel bei unserem Gewinnspiel mitgemacht haben, hier hereinhole, ihnen den Truck und das Paddock zeige und im Prinzip eine Art Tourguide bin. Ich erkläre ihnen die Airbags und Lederkombis und zeige, dass wir die einzigen sind, die wirklich das Material, dass in der MotoGP zum Einsatz kommt, eins zu eins  auch an den Endkunden verkaufen. Dadurch, dass wir viele verschiedene Fahrer haben, kennen wir überall Leute und man kann vieles zeigen.“

Doch auch einer Mission in eigener Sache geht Martin nach. Er möchte Präsenz zeigen und seinem Arbeitgeber Dainese an dem Wochenende demonstrieren, dass er in der Lage ist, Airbags auszuwechseln. Martins Ziel ist es, dass auch die Kunden in Deutschland ihre Airbags direkt im Laden auswechseln lassen können, ohne die Lederkombis ins Werk nach Italien schicken zu müssen. „Das wäre dann vielleicht auch eine interessante Sache für die IDM“ fährt er begeistert fort.

Ohne Zweifel könnte die Internationale Deutsche Motorrad-Meisterschaft von einem Service, wie ihn Dainese und die anderen Hersteller im WM-Rahmen an der Strecke bieten, nur profitieren. Besonders hoch ist der logistische Aufwand, der hier betrieben wird: Am Vorabend, so Martin, habe der Postmann geklingelt und neue Lederkombis aus Italien gebracht. Normalerweise würden die alten Kombis nach dem Rennwochenende eingeschickt werden, doch aufgrund des Back-to-back-Rennens Assen-Sachsenring sei man dazu nicht gekommen. Die neuen Kombis würden direkt zu den Strecken geliefert. 

Wie konkret die Arbeit der Kollegen an der Strecke aussieht, berichtet Martin ebenfalls: „Die Kombis werden im Prinzip jeden Morgen und dann auch nach jeder Session, in der sie getragen wurden ausgelesen. Dazu werden sie an den Rechner angeschlossen und die Daten übertragen. Anschließend wird alles wieder auf null gesetzt. 

Nachdem eine Sturzkombi ausgelesen wurde, wird sie repariert. Ein gutes Beispiel ist die Rossi-Kombi, die hier hängt. Die ist aus dem letzten Jahr. Weil er sein Dekor kaum geändert hat, konnten wir die weiter benutzen. Das heißt, auch er hat nicht immer komplett neue Kombis. Momentan sollen wohl 16 Stück von ihm im Umlauf sein. Zum Teil könnte man selbstverständlich die Kombis auch ohne Reparatur wiederverwenden, aber das sieht für die Sponsoren optisch einfach nicht so schön aus.

Früher hatten wir immer eine Schneiderin mit vor Ort. Die hatte natürlich wirklich gut zu tun. Abends sind teilweise sogar andere Fahrer gekommen und haben fremde Produkte abgegeben. Das haben wir aber eingestellt, weil es letztlich im Werk schneller geht.“ 

Dass Valentino Rossi für Dainese eine besonders wichtige Referenz ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Während unseres Gesprächs mit Martin kommt neben einigen Teammitarbeitern aus der Moto2 auch Rossis Betreuer Max vorbei und holt das Leder ab, das der Superstar gleich im FP3 tragen wird. Zu Rossi hat Martin eine besondere Geschichte zu berichten:

„Valentino wollte unbedingt seine Siegerkombi aus Assen tragen. Nach der Pressekonferenz in Holland kam sein Betreuer mit der Kombi an, hat sie bei uns auf den Tisch gelegt und gesagt, Valentino wolle damit Sonntag fahren. Jetzt war aber am Hintern wegen der Berührung mit Zarco der Schriftzug weggeschliffen. Ich habe dann also die Kombi eingepackt und mit dem Auto zu UPS nach Hannover gebracht. Am nächsten Morgen war die Kombi in Italien und kam Freitag wieder. Das alles nur, damit er mit der Siegerkombi fährt.“

Für die Entwicklung neuer Modelle sei dies natürlich problematisch, fährt Martin fort. Anfangs hätten seine Kollegen und er sich gefragt, was denn an den neuen Kombis auszusetzen sei, dass Rossi sie nicht anziehen möchte. Doch der Italiener versicherte ihnen: „Mit der neuen Kombi ist alles in Ordnung. Ich möchte eben nur meine alte tragen“.

Fortsetzung folgt…

Text: Dominik Lack

Foto: Dominik Lack

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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