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Racetrack-History: Chris Baert “Rennen fahren war damals etwas anderes”

Im Jahr 1967 begann Chris Baert seinen Weg im Motorrad-Rennsport. 51 Jahre sind seit dem vergangen, in der der Belgier auf zahlreiche Erlebnisse aus der WM 50ccm, 80ccm, 125ccm, 250ccm, 350ccm, 500ccm, Superbike oder den 24 Stundenrennen in Spa Franchorchamps zurückblicken kann. Eine Reise, auf die uns der heute 70–Jährige mitnehmen möchte.

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„Rennen fahren war damals noch etwas anderes als heute“, gab Chris Baert uns dabei direkt zu verstehen.  „Es gab viel mehr Rennen als heute: Mittwochabend, Samstag, Sonntag wurde gefahren und es gab früher noch Geld für die Rennerei! Wenn du viele Rennen gewonnen hattest, brauchtest du fast kein Essen einkaufen, denn es gab super Preise, von denen du leben konntest.“ Sein Weg führte Chris Baert schließlich bis in die Weltmeisterschaft: Ein Leben zwischen der Arbeit als Polizist und Wochenenden auf Rennstrecken in ganz Europa. Um es allerdings erstmal bis in die WM zu schaffen, galt es schon damals viel Einsatzbereitschaft zu zeigen, um einen begehrten Platz auf der Grading-Liste zu erhalten. „Das erste Mal bin ich nach Finnland gegangen, habe keinen Start bekommen und die Woche drauf in Schweden auch nicht. Ich war schwer enttäuscht, denn ich hatte viel Zeit und Geld investiert. Wochen später in Madrid erhielt ich schließlich die Chance im Training zu fahren und qualifizierte mich mit meiner Honda 125 für den 11 Platz!“ Baert konnte sich mit seinem Straßenmotorrad sogar gegen Werksmaschinen durchsetzen und beeindruckte damit die Förderation in Brüssel. 

Chris Baert wird auch heute noch erkannt (© Doreen Müller-Uhlig)

Damit war der Weg frei für die weitere Rennsportlaufbahn. Baert wurde als Werksfahrer für eine große Firma aus Deutschland entdeckt und erhielt einen Platz im Team Römer Helme Neu-Ulm, mit dem bereits Fahrer wie Reinhold Roth, Rolf Biland und Kurt Waltisperg an den Start gingen. Dass dies damals nicht jedem Deutschen schmeckte, bekam der smarte Ordnungshüter schnell zu spüren. „Ich weiß noch, dass viele Jungs aus Deutschland großes Theater gemacht haben, weil sie einen Ausländer nahmen und keinen Deutschen, “ erinnert er sich an seine Anfänge. „Für mich war es das erste Mal Europameisterschaft in Brünn 80ccm. Die Maschine war ein komplett eigen zusammengebautes Ding. Ich hab den dritten Platz gemacht, erhielt daraufhin ein Telegramm von Römer, eine Prämie und eine Einladung, Werksfahrer zu werden.“ Was Chris Baert hingegen nicht bereut, sondern als seine schönsten Errungenschaften bis heute bezeichnet sind die Freundschaften, die über die Jahre entstanden sind. Darunter zählen Menschen wie Wilco Zeelenberg, der damals mit Chris Baert seine Runden drehte. „Es war in Italien und Wilco fuhr damals auch 80ccm. Bei ihm war ein Zündungsstück kaputt, als er zu mir kam und mich nach einer Reserve fragte. In Assen erhielt ich schließlich eine neue Zündung von ihm zurück und wurde später sein Werksfahrer für die 125er.“ 

Die Liebe zu den Seitenwagen entdeckte Chris Baert Anfang der 80er Jahre auf dem Hockenheimring, als Derek Jones „Crazy Horse“ in ihm seinen Ersatzbeifahrer fand. „Ich bin in das Ding reingeklettert, habe gestrahlt und wusste, dass will ich später machen.“ Seitdem ist der Rennsportallrounder am Schrauben und Rennen fahren bis heute – 50 Jahre lang! Mit dabei Frau Rosine, die ihrem Chris nicht nur mit farblichen Konzepten am Gespann unterstützt. „Ich habe alles erreicht was ich je wollte. Ich bin 105 Rennen in der WM gemeinsam mit Fahrern wie Angel Nieto, Alex Barros und Jorge Martinez gefahren und froh, diese Zeiten miterlebt zu haben! In Jugoslawien habe ich mal drei Runden ein WM-Rennen vor Nieto, Dörflinger und Waibel geführt. Eine kaputte Kupplung warf mich zwar weit zurück, aber ich war dennoch glücklich. Jahre später traf ich Nieto am Sachsenring wieder, als die Seitenwagen im Rahmen der WM fuhren. Man hat eben immer wieder Berührungspunkte und wird auch heute noch erkannt. Ich habe somit eigentlich alles erreicht, bis auf einen Sieg in der Sidecar Trophy. Da möchte ich noch mal ein Rennen gewinnen, träumen darf man ja heute noch!“

 

 

Text: Doreen Müller-Uhlig

Fotos: Privat (Titel), Doreen Müller-Uhlig

 

 

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