• RTN
  • Nachwuchs
  • Profi trifft Youngster: Zwei Schmiermaxe mit einem Herz für Gespanne und Nutella

Profi trifft Youngster: Zwei Schmiermaxe mit einem Herz für Gespanne und Nutella

Seinen 16. Geburtstag im Juli nächsten Jahres kann Luca Schmidt kaum erwarten, denn dann darf er das tun, wovon er schon seit fünf Jahren träumt: Luca möchte Beifahrer werden! Genauso wie sein sportliches Vorbild Jens Lehnertz, der in einem 600er Kawasaki-Gespann mit Peter Kimeswenger in der FIM Sidecar World Championship auf Punktejagd geht.

Doch erst mit 16 ist hier zu Lande der Einstieg in den Gespannsport als Beifahrer möglich. Umso passender, dass sein Idol nun die Patenschaft des jungen Gespannsportnachwuchses übernommen hat, um ihm in den nächsten Monaten und Jahren die Richtung zu weisen. Dabei kannten sich der 1,92 m große Schmiermaxe und sein Schützling schon seit fünf Jahren!

Beide teilten von Anfang an die Liebe für den BVB, machen gern Blödsinn, stecken den Fotografen auf den Bildern gerne ihre Zungen entgegen und haben eine nicht zu unterschätzende Lust am Essen – vor allem Nutella hat es dem Duo angetan. Heute teilen beide weitaus mehr – die Liebe am Gespannsport und den Wunsch die deutsche Fahne in der Seitenwagen WM hochzuhalten!

Dabei war Luca anfangs gar nicht so wild auf die Seitenwagen. „Das erste Mal habe ich sie damals mit meiner Mutti auf dem Lausitzring gesehen und ich hatte eigentlich gar keinen Bock mitzukommen“, erinnert er sich heute.

Doch dann fielen dem 15-Jährigen diese Boliden mit drei Rädern ins Auge und er war infiziert. „Sie sind schon ziemlich auffällig! Es ist nicht wie der normale Rennsport. Die Teamarbeit ist sehr wichtig, das gefällt mir, “ so Luca weiter.

Auch sein Pate Jens Lehnertz kam zum Gespannsport eher wie die Jungfrau zum Kinde. „Ich bin damals – 2008 – wohl einfach im falschen Moment zu cool gewesen und habe meine Klappe zu unbedacht aufgerissen,“ berichtet der Dreiradakrobat schmunzelnd von seinem Erstkontakt mit der Gespannszene und auch bei ihm ist eine echte Liebesgeschichte daraus geworden, für die er sich tagtäglich auch neben der Strecke ins Zeug legt.

„In meiner Anfangszeit fand ich es einfach nur geil, es war anders und ich brauchte nach 15 Jahren Fußball einfach eine neue Herausforderung. Mittlerweile ist es viel mehr geworden. Ich sehe die Begeisterung der Menschen, die uns auf der Strecke bewundern. Die ganzen Autogrammsammler, die teilweise mit Bildern kommen aus meiner Anfangszeit. Ich liebe den familiären Umgang in der gesamten Szene. Ich bewundere mit wie viel Herzblut die Mechaniker und alle, die dazu gehören, sich immer und immer wieder reinhängen, egal wie es läuft. Ein Rennwochenende ist trotz der hohen Belastung für mich Urlaub, “ erklärt Jens Lehnertz uns seine Faszination.

Seit 2008 hat der heutige WM-Beifahrer viel erlebt. 2011 seine erste Chance mit Jakob Rutz im Rahmen der deutschen Motorrad-WM auf dem Sachsenring in der Seitenwagen WM an den Start zu gehen, zwei Jahre später mit Andre Kretzer als jüngster Beifahrer bis dato, der seinen ersten Laufsieg sowie im selbigen Jahr den Meistertitel in der IDM holte, bis heute wo er im Boot von Peter Kimeswenger in der Seitenwagen WM auf Punktejagd geht. Eine Laufbahn, die sich auch sein Zögling Luca vorstellen kann. „Ich hatte noch keinen Renneinsatz, denn das geht ja erst mit 16“, erklärt uns Luca wehmütig.

„Ich war aber bisher zwei oder dreimal beim Opstaptag (Anm.d.Redaktion: Der Opstaptag ist ein alljährlich stattfindender „Schnupper- und Ausprobiertag“ der Dutch Sidecar Racing Association in Holland für alle Interessenten, die Fahrer oder Beifahrer werden möchten) und einmal im Val de Vienne und werde auch dieses Jahr wieder den Opstaptag nutzen, um mitfahren zu können und mehr Erfahrungen zu sammeln. Nächstes Jahr in Val de Vienne kann ich dann endlich meine Lizenz machen!“

Bis dahin verbringt der Youngster viel Zeit mit der Kamera an und neben der Strecke, ist regelmäßig bei den Rennen der IDM oder Seitenwagen-WM dabei, schaut in der Box den Mechanikern über die Schulter oder beobachtet von der Tribüne aus, was seine Vorbild Jens Lehnertz im Renneinsatz abliefert. Viel Zeit haben die beiden Gespannfreunde so schon miteinander verbracht, eine Verbindung, die somit schon vor der offiziellen Bekanntgabe im Rahmen von Profi trifft Youngster bestand. „Die Unterstützung besteht bereits seit langem“, bestätigt Jens Lehnertz.

„Ich versuche Luca ständig das kleine 1×1 des Beifahrens einzutrichtern. Er soll gleich am Anfang seiner Laufbahn wissen worauf es ankommt und was er zu beachten hat, damit er möglichst unfallfrei durch kommt und Spaß hat. Ich teile mit ihm mein Wissen, was ich mir angeeignet habe und versuche ihm gleich mit auf den Weg zu geben, weshalb er was macht und welche Auswirkungen es hat. Er soll an seinem ersten Rennwochenende bestmöglich vorbereitet sein.“ Jens Lehnertz kommt dabei nicht umhin selbst sich an seine Anfangszeit zu erinnern und an eine ganz besondere Person, die ihm damals selbst  zur Seite stand.

„Ohne meinen Freund und Mentor Enrico Becker wäre ich vielleicht nicht da wo ich heute bin. Es rührt mich jedes Jahr am 12. Juli zu sehen wie viele Menschen an ihn gedenken. Ich möchte, dass Luca auch in mir so einen Mentor findet. Ich habe schon öfters gesehen das andere „Kinder der Rennstrecke“ sich dort engagiert haben und als Monja mir davon erzählt hat war ich gleich dabei. Ich würde selbst heute nicht in der WM fahren, wenn mich Enrico Becker nicht ständig motiviert hätte und mir mit hilfreichen Tipps zu Seite gestanden hätte. Es sollte für alle Sportler nicht die Frage sein „Wieso bzw. warum man sich in der Nachwuchsarbeit engagiert“. Alle, die dies nicht machen, sollten sich mal an die eigene Nase fassen und fragen, warum sie nichts für ihr geliebtes Hobby und dessen Erhaltung tun!“

Damit Luca Schmidt gleich von der Pieke alles richtig lernt, hat sich noch ein weiterer Unterstützer aus der Gespannszene angekündigt: der ebenso erfahrene Sidecar-Pilot und IDM Champion 2010 Markus Schlosser aus Schönbühl in der Schweiz, welcher ihm die technischen Details und Fahrerdinge näher bringt. Ein gemeinsames Ziel haben letztlich alle drei: mehr Nachwuchs in die Seitenwagenszene zu bringen! Und vielleicht auch einmal im Leben bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man mitzufahren, das wäre schon so ein kleiner Traum von Luca Schmidt. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der im nächsten Jahr in Val de Vienne seinen Anfang findet.

 

STECKBRIEF YOUNGSTER: 
Luca Schmidt 
Geboren am: 02.07.2003
Wohnort: Triebes / Thüringen
Serie: aktuell ohne Serie
 
 
STECKBRIEF PROFI:
Jens Lehnertz
Geboren am: 31.10.1989
Wohnort: Neuerburg / Rheinland-Pfalz
Serie:  FIM Sidecar World Championship 
Lieblingsstrecke: Magny Cours

 

 

 

Text: Doreen Müller-Uhlig

Foto: Privatarchiv Luca Schmidt,
Fahraufnahmen Doreen Müller-Uhlig

 

Tags:, ,

Trackback von deiner Website.

Kommentieren