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Nachwuchs: Exklusivinterview Dirk Reißmann „Hoffe für den Nachwuchs der Sachsenring bleibt!“

Das sächsische Leistungszentrum des ADAC bringt einige junge Talente hervor. Neben Joshua Bauer und Nicolas Czyba zählen so auch drei weitere schnelle Youngster aus Sachsen zur regionalen Rennsportelite. Freddie Heinrich (12 Jahre) aus Berthelsdorf startet in der Spanischen Meisterschaft / CEV – während Marvin Siebdraht (13 Jahre) aus Wildenfels und Paul Fröde (14 Jahre) aus Hohenstein-Ernstthal im Rahmen des neuen Nachwuchs-Projektes „Racing Academy Sachsen“ im ADAC Northern Europe Cup um sportliche Erfolge kämpfen. Anlässlich des bevorstehenden Motorrad Grand Prixs am Sachsenring wollten wir daher von Dirk Reißmann, als Teammanager und Chef des Leistungszentrums wissen, was es denn mit dem deutschen Nachwuchs auf sich hat.

Erkläre uns doch bitte zunächst welches Potenzial ein junger Rennsportler braucht um auf internationaler Ebene bestehen zu können?
„Bei den Nachwuchsfahrern, die z.B. in Spanien sind, sieht man, dass eine unglaubliche Grundschnelligkeit vorhanden ist. Andere hingegen brauchen ein paar Jahre länger um dorthin zu kommen. Es gibt einfach Kinder die eine gehörige Portion Talent im Blut haben, das gibt es in jeder Sportart! Im Rennsport sind natürlich die motorischen Fähigkeiten sehr gut ausgeprägt, Reaktionsfähigkeit muss da sein, sowie Gefühl und Interesse für die Technik und das passende Elternhaus, was den Aufwand mit trägt, denn Talent allein reicht nicht aus!“

Welche Rolle spielt dabei der Sachsenring für die fahrerische Entwicklung?
„So wie es bei mir auch der Fall war! Man wächst hier mit dem Motorsport auf. Zudem ist in unserer Region die Medienpräsenz höher, was dazu beiträgt, dass das Interesse der Eltern für den Sport geweckt wird. So fängt es in der Regel an. Ob es jedoch bei jedem in die Richtung gehen wird, wie es bei unseren Fahrern der Fall ist, die in Spanien fahren, muss man abwarten, denn manchmal verliert sich das Interesse bei den Kindern auch.

Sind sich die Eltern denn der Anforderungen, die der Motorradrennsport mit sich bringt bewusst?
„Die Eltern müssen viel Zeit investieren, damit es final wird. Die höheren Kategorien zählen zum Leistungssport und dieser Bereich ist mit extrem viel Zeitaufwand verbunden. Wenn man jedoch merkt, dass man diese Zeit nicht hat, muss man sich rechtzeitig mit den Eltern zusammen setzen damit sie sich finanziell nicht übernehmen.“

Welcher finanzielle Aufwand kommt denn auf die Eltern zu, wenn sie sich dafür entscheiden ihrem Kind den Rennsport in höheren Klassen ermöglichen zu wollen?
„In erster Linie geht es dabei um die Mitfinanzierungskosten in den Teams. Die Klassen, die nach dem Minibike- oder Juniorcup kommen, wie die wo Marvin Siebdrath und Paul Fröde mitfahren, dort fängt es an richtig teuer zu werden. Deswegen versuchen wir schon im Minibikecup den Eltern das nötige Handwerkzeug mitzugeben. Zusätzlich haben wir ein Auge auf die Talente, die sich von den Ergebnissen her durchsetzen. Dennoch ist es ein zerriger Weg bis ganz nach oben!“

Mit Marvin Siebdrath und Paul Fröde fahrt Ihr im ADAC Northern Europe Cup, unterstützt werdet Ihr dabei von dem Moto2-Team Intact GP. Joshua Bauer ist in Spanien unter der Ägide von Estrellas Galicia unterwegs, auch Nicolas Czyba und Freddie Heinrich versuchen ihren Weg in Spanien. Welche Idee steckt dahinter?
„Meine Intention ist es mit Grandprixteams zusammen zu arbeiten was unsere Elitesportler angeht. Mit Ihnen gemeinsam haben wir die Möglichkeit die Jungs aufzubauen. Es ist schwer Sponsoren zu finden. Wenn man jedoch an ein WM-Team angedockt ist, sind die Chancen ganz andere. Wir versuchen Brücken für den deutschen Nachwuchs zu bauen und Möglichkeiten zu schaffen den finanziellen Aufwand stemmen zu können. Zusätzlich braucht es die charakterliche Reife der Kids. In Sachsen sind wir mit ADAC Leistungszentrum Vorreiter damit dass wir sehr früh mit dem Nachwuchs in die harten spanischen Meisterschaften gehen. Ich denke es ist der einzige Weg die Kinder auf das Niveau der Konkurrenz zu bringen.“

Du bist selbst im Straßenrennsport aktiv gewesen. Kannst Du Dich noch an Deine Anfänge erinnern? Was hat sich seit dem in der Nachwuchsförderung verändert?
„Es hat sich in den letzten Jahren in dem Bereich viel entwickelt und wen man in den jungen Jahren nicht anfängt, dann ist es schon aussichtslos, dass die Talente in der WM landen. Dies ist ein ganz großer Unterschied zu meiner Zeit, denn ich habe erst mit 17 Jahren angefangen zu fahren und war somit Späteinsteiger. Doch es gab auch nicht die Möglichkeiten wie heute. 1999 war ich der erste gesamtdeutsche Meister in der 125er Klasse, da ist viel Zeit seit der Wende vergangen und die Systeme heute sind vollkommen unterschiedlich.“

War zu Deiner Zeit die Rennsportbegeisterung in Deinem Umfeld größer und es einfacher Sponsoren oder Unterstützer zu finden, wie heute?
„Nein, auch zu meiner Zeit war es schwer Unterstützung zu finden. Damals gab es jedoch nicht so viele die diesen Sport betrieben haben. Besonders in unserer Region haben wir heute viel Nachwuchs der Motorradstraßenrennsport betreibt, worüber ich sehr froh bin. Dadurch haben wir die Möglichkeit auch durch die gute Arbeit des AMC im Pocket- und Minibikecup in den nächsten Jahren eine gute Basis aufzubauen.“

Entsprang aus Eurer Arbeit der Gedanke das Projekt „Racing Academy Sachsen“ zu gründen?
„Am Sachsenring wurde eine gute Basis geschaffen und wir haben mittlerweile auch technische Material, mit dem die Kinder fahren können. Ich hoffe hier auch auf die Motorsportarena in Mülsen, dass wir dort bald trainieren können, denn dies wird man letztendlich auch an der Qualität der Fahrer sehen. Bereits jetzt arbeitet der Nachwuchs schon ganz anders als noch vor 5 Jahren, was man ansatzweise vielleicht mit dem Weg von Jonas Folger vergleichen kann, der in den ersten Jahren vom Minibike über Spanien seinen Weg in die WM gefunden hat. Es gibt nicht viele Talente in Deutschland aber die, die wir haben müssen wir gut fördern, um eine Chance zu haben es bis an die Spitze zu schaffen!“

Was wäre diesbezüglich Dein Wunsch mit Blick in Richtung Zukunft?
„Ich kann nur an die Vereine und Institutionen appellieren gemeinsam einen Weg zu finden, Strukturen zu entwickeln, um die Elite voran zu bringen. Das werden vielleicht nicht zwanzig Mann sein, aber zwei, drei und diese müssen wir fördern. Ich hoffe, dass der Sachsenring weiter das Zugpferd der Motorradsport-WM in Deutschland sein wird und genügend Zuschauer kommen, dass wir den GP in unserer Region behalten.“

Text: Doreen Müller

Foto: Dirk Reißmann

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