„Mr. Hayabusa“ Elmar Geulen blickt auf seine Fishtown-Anfänge

 

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Elmar Geulen gehört seit Jahren zum festen Teilnehmerfeld des Fischereihafenrennens. Der Geschwindigkeitsweltrekordhalter für straßenzugelassene Motorräder ohne Verkleidung (295,5 km/h Stand: 2015)  und mit Verkleidung (330,43 km/h) hat mit seinen ikonischen Maschinen mittlerweile fast soviel Kultstatus wie das Rennen selbst. Viele Jahre Rennerfahrung zeichnen Geulen aus, der dreimal in Fishtown gewinnen konnte. Wir haben mit dem Euskirchener, der bei allen als „Mr.Hayabusa“ bekannt ist, gesprochen.

Du bist jetDSC_9231zt schon sehr lange hier dabei…wie lange genau?

Ich hab hier 1983 meinen ersten Start gehabt. Bis dahin bin ich nur Motocross gefahren und es war mein erstes Solo-Straßenrennen. Da bin ich mit dem 500er Vierzylinder-Zweitakter Suzuki RGB gestartet und habe den Dritten überrundet. Das war die ehemalige DM-Maschine von Reinhold Roth. Die hatte ich kurz übersetzt und man konnte damit Wheelies im sechsten Gang fahren. Damals hat man nach dem Zeittraining eine Fahrerbesprechung einberufen und gesagt, dass jeder, der im Rennen Wheelies fährt, die schwarze Flagge kriegt. Von der 10. bis zur 25. Runde habe ich geführt und weil es mein allererstes Straßenrennen war, habe ich mir gesagt „Ihr könnt mich mal“ und meine Wheelies weitergemacht. Von den Zuschauern habe ich dann 480 DM gespendet bekommen. Das war unglaublich. 

Wenn man eine richtige Renndistanz von 25 Runden fährt, ist das dann eine noch größere Herausforderung auch vom Kopf her?

Naja, wir hatten ja ohnehin noch eine andere Herausforderung, weil die Strecke eine andere war. Es gab noch Kopfsteinpflaster und die Zuschauer saßen in Güterwagons. Das war eine andere Zeit. Aber alle waren begeistert. Mittlerweile hat das Rennen eine so große Historie. Wir sind jetzt beim 59. Fischereihafenrennen. Ich werde jetzt auch 59 und beim 60. FHR soll dann auch mein letzter Start sein. Mr. Hayabusa wird auch älter (lacht). Speziell nach dem dreifachen Genickbruch vor zwei Jahren ist es schwierig. Ich muss Schmerzmittel nehmen und kann den Kopf nicht mehr drehen. Es versteift sich immer mehr. Es wird Zeit, ade zu sagen. Jammern gilt nicht, wer mit Kegeln will, muss auch aufsetzen. 

Was ist denn nach all der Zeit Deine Motivation und Dein Antrieb, hier zu fahren?DSC_0320

Ich sage es mal so: Wenn hier kleine Kinder ankommen, denen die Eltern T-Shirts gemacht haben mit „Mr. Hayabusa – Elmar Geulen“ und mir das zum Unterschreiben bringen, dann bin ich stolz. Mr. Hayabusa kennt hier jeder im Fischereihafen und mit der Hayabusa habe ich hier auch zweimal die Open, also die größte Klasse gewonnen. Da zollen sie mir jetzt noch Respekt.

Das ist ja schon ein Traum von Motorrad, das ich hier bewege. Inzwischen ist die Maschine 16 Jahre alt. Ich habe keine Traction Control, kein ABS und kann keine Mappings auflegen. Aber das habe ich mir ja auch so ausgesucht. 

Du kennst Deine Maschinen in und auswendig. Was wird noch so am Motorrad gearbeitet?DSC_9228

Meine Motorräder werden von LKM – das ist die deutsche Antwort auf Yoshimura – vorbereitet. Hennes Löhr ist mein Tuner. Er hat über 6000 Motoren getunt und über 50 Titel geholt. Man kann davon nur träumen, wie die Maschine in kaltem Zustand am Gas hängt. Das ist schon etwas Besonderes. Aber muss sagen, dass mittlerweile jede BMW 200PS hat und 30-40 Kg weniger wiegt. Das macht es schwierig.

 

Guckst Du bei der starken Konkurrenz an Motorrädern und auch jungen wilden Fahrern vielleicht eher auf den Spaßfaktor oder stehen doch die Ergebnisse im Vordergrund?

Spaßfaktor habe ich beim Fernsehgucken. Leider Gottes hat es diesmal nicht so geklappt, aber ich war sonst immer unter den ersten zehn. Ganz nach vorne konnte es von so weit hinten auch nicht gehen. Man muss einfach wie schon erwähnt der Gesundheit Tribut zollen. DSC_0351

Überholen ist ja auch schwierig, oder?

Ja, Du hängst hinten dran und das Risiko bin ich dann im Grenzbereich vielleicht auch nicht mehr bereit einzugehen.

Was fährst Du außerdem noch dieses Jahr?

Ich mache weiterhin meine Speed-Weltrekorde, bin beim Quartermile-Rennen und auch bei einigen anderen Events. Man wird schon noch von mir hören (lacht).

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Text: Dominik Lack

Fotos:Kevin Ullmann

 

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Kommentare (2)

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    Michael Niedzulka

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    Wir werden unseren Elmar nächstes Jahr mit schweren Herzens und die eine oder andere Träne wird wohl fließen in Bremerhaven verabschieden. Man konnte immer bei ihm vorbei kommen und ein kleinen Schnack halten.
    Diese Lücke wird keiner schließen können

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    Kurt Busenius

    |

    Einige Leute lächeln ,wenn sie an der Zeltstadt von Elmar vorbei gehen , aber spätestens wenn man seine Laufbahn im Rennsport gelesen hat, kann man nur wie (Nikki Lauda) die Kappe vor Ihm ziehen.

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