MotoGP: Stefan Bradls Jahre bei LCR

Stefan Bradls Zeit im Lucio Cecchinello Racing Team ist vorbei. Der Bayer hatte zu lange kein konkretes Angebot von seinem derzeitigen Arbeitgeber und unterzeichnete vor Indy beim Forward Racing Team.

Für Stefan ist die Open-Yamaha eine gute Möglichkeit, sich und seine Fähigkeiten neu zu sortieren, scheint es doch, als sei bei der Verbindung Bradl-LCR etwas die Luft raus. Teamchef Cecchinello stellte sich trotz aller Tiefen in den drei Jahren stets hinter ihn und war überzeugt von seinem Talent. Zwar lief Stefan dieses mehr als einmal aufblitzen, doch 2014 läuft es bisher nicht. Sein selbst gestecktes Ziel, häufiger auf dem Podium zu landen ist momentan fast unerreichbar.
Dass sein Bike für 2015 nicht die schlechteste Wahl ist, zeigt die Performance von Aleix Espargaro, der sogar in Assen auf der Pole stand.

Wir haben Stefan Bradls Zeit im LCR Honda Team noch einmal zusammengefasst:

2012: Rookie of the year
Stefan kommt als amtierender Moto2-Weltmeister in die MotoGP-Klasse. Die deutschen Medien scheinen sich zu überschlagen. Gespannt schaut alles nach Katar, wo am 08.04. die Saison beginnt. Stefan bekommt von allen den Rat nichts zu überstürzen und vor allem das Rennen zu genießen. Das tut er auch, startet von Position 9 aus gut und kann sich lange Zeit auf Platz 6 hinter den beiden Tech 3-Fahrern Dovizioso und Crutchlow halten. Gegen Rennende muss er jedoch die Gruppe um Hayden und Bautista hinter sich passieren lassen und wird Achter. 

In Jerez dann läuft es noch besser und Stefan überholt in der letzten Kurve sogar Altmeister Nicky Hayden. Er wird Siebter. Die erste Saisonhälfte fährt er konstant in die Top 10, exakt die Performance, die alle erwarten. Highlights setzt Stefan unter anderem mit Platz 5 im Regen von LeMans oder im Qualifying zum Assen-GP, wo er nur knapp die erste Startreihe verpasst. Nach dem Sturz im Rennen ist ihm beim darauffolgenden Heimgrandprix das Glück hold. In der vorletzten Kurve des Sachsenring-GPs stürzt Casey Stoner und die gelben Flaggen sichern Stefan Platz 5. Dabei lässt er einige Fahrer von Rang und Namen hinter sich.

Sein stärkstes Rennen im Rookie-Jahr folgt in Mugello am 15.07. Stefan hat einen guten Start, setzt sich hinter Hayden auf 5 und fordert den Ducati-Piloten früh heraus. Lange kann er den Führenden Jorge Lorenzo sehen und geht schließlich an Dovizioso vorbei auf den dritten Rang. Der Podestkampf bleibt allerdings kein Zweikampf und so muss sich Stefan in der letzten Runde noch der Attacken von Hayden erwehren. Am Ende wird der Deutsche Vierter mit knapp 0,05 Sekunden Rückstand. Den Rest der Saison beendet er meist in den Top 6 und hat – wie etwa beim Saisonfinale in Valencia – sogar Podestchancen. Er wird klarer “Rookie of the Year”.

2013: Das Podium im Visier
Die Schonfrist des Debütjahres ist nun beendet und Bradl muss Leistung zeigen. Er selbst nimmt das Podium ins Visier. Beim ersten Rennen in Doha kämpft er gegen Altmeister Rossi und rutscht über´s Vorderrad aus. Ebenso passiert es ihm in Jerez – ein denkbar schlechter Start in die zweite Saison. In Le Mans läuft es besser, doch auch hier geht der Deutsche zu Boden. Im Regen wird er trotzdem Zehnter.

In Mugello revanchiert sich Bradl für das Duell im letzten Jahr bei Andrea Dovizioso und wird vor dem Italiener Vierter. Der sich abzeichnende Aufwärtstrend verdichtet sich, auch bei den nächsten beiden Rennen in Barcelona und Assen ist die RC213V mit der Startnummer 6 beste Privathonda. In Holland macht Bradl zusätzlich Werbung für den bevorstehenden Heimgrandprix: Er fährt in Startreihe 1.

Es folgen die beiden großartigsten Rennen in der MotoGP-Karriere des Stefan Bradl. Am Sachsenring stürmt er nach dem Start auf Platz 2 und bringt 85.667 Zuschauer an der Strecke zum toben, als er sich in Turn 12 auf Position 1 bremst. Auch wenn er im Rennverlauf auf Platz vier durchgereicht wird, hilft ihm diese Performance für die Vertragsverhandlungen 2014. Nach dem Rennen in Laguna Seca, wo Lucio Cecchinello vor Freude die Tränen kamen, unterschreibt er erneut bei LCR. Beim US-Grandprix war Bradl zuvor ein zweiter Platz nahezu auf Augenhöhe mit Marc Marquez gelungen.

Nach dieser Leistung und der Sommerpause geht es nicht mehr so richtig nach vorn für Bradl. Er kämpft zwar munter mit Alvaro Bautista oder Cal Crutchlow um die besten Privatfahrerplatzierungen, doch mehr als ein Platz 5 in Aragon, Misano oder Motegi ist nicht drin. Zudem verletzt er sich im Training zum Sepang-GP den Knöchel zu unglücklich, dass er zwei Rennen aussetzen muss. Alles in allem nicht unbedingt eine ideale zweite Saisonhälfte.


2014: …und dann kommt auch noch Pech dazu
Nach einem nicht unproblematischen Winter ist der Start in die Saison ein Abbild des letzten Jahres. Bradl mischt in Katar stark vorn mit, führt einige Kilometer das Rennen an, stürzt dann allerdings über das Vorderrad. In Austin kommt dann der vorerst letzte Kampf um ein Podest – Wie kann es auch anders sein: Mit Andrea Dovizioso. Auch in Argentinien scheint es längere Zeit so, als könne Bradl auf das Podium fahren. Am Ende wird es Platz 5. Zehnter und Siebter wird er in Jerez und LeMans. Mugello gehört zu den schwärzesten Wochenenden des Zalingers.

Er stürzt mehrmals, u.a. im Warm Up und wird im Rennen von der umhertrudelnden Ducati Cal Crutchlows abgeschossen. Sein Rennen ist beendet. In Barcelona kommt mit Platz 5 die Versöhnung: Bradl kann zumindest die Top 4 in Sichtweite halten. Im Chaosrennen von Assen geht dann wieder gar nichts und die Anzeichen verdichten sich, dass die Hondaoffiziellen ungeduldig werden. Erfolg muss her und das weiß Stefan Bradl auch. Jedoch macht ihm das Gefühl auf dem Bike auch beim Heim Grandprix Sorgen. Auf Nachfrage wie es denn läuft nimmt er nach dem Training kein Blatt vor den Mund: “Es läuft Scheiße, aber das war auch zu erwarten.”.

Die Ergebnisse sprechen dennoch eine andere Sprache, Bradl kann sich in den Top 5 halten. Beim Qualifying gibt er alles und erobert die erste Startreihe. Dort nimmt er dann am Sonntag vollkommen allein Aufstellung, haben sich doch die anderen Spitzenpiloten vom Wetter irritieren lassen. Bradl ist auf Slicks unterwegs, hat jedoch den Rest des Bikes – wie etwa die Federung – noch auf das Regensetup eingestellt. So kann er seine frühe Führung nicht lange halten und landet am Ende nur auf Position 16.


Text: Dominik Lack

Foto: LCR (2014)

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