MotoGP Sepang Test 2: Mein Fazit

Der zweite Shootout dieses Jahr ist für die MotoGP gestern in Sepang zu Ende gegangen. Was lässt sich nach den drei Testtagen zusammenfassen?


1. Marquez ist und bleibt derjenige, den es zu schlagen gilt. Es war zwar zu erwarten, dass er stark sein würde, doch insgeheim hatten wohl viele eine Yamaha-Bestzeit erwartet.

2. Yamaha hat Fortschritte gemacht. Die neue Version des Seamless-Getriebes hat Lorenzo und Rossi einen Schritt näher an die Hondas geführt. Dennoch fehlt weiterhin ein letztes Quäntchen. Letztes Jahr war Yamaha in Qatar gut unterwegs. Ich denke aber, dass die zusätzlichen Testtage dort Marquez die Gelegenheit geben werden, einen etwaigen Rückstand bis zum GP wett zu machen.

3. Ducati zeigt sich sehr stark auf der neuen GP15. Auch kristallisiert sich immer mehr die Stärke von Andrea Iannone heraus, der ja auch schon im letzten Jahr einige Akzente setzen konnte (unvergessen etwa sein Duell gegen Marc Marquez in Brünn). Mit ein bisschen Glück könnte er das ein oder andere Mal auf dem Podium landen. Vorausgesetzt, die Ducatisti können die Leistung über die Distanz halten, was ich zurzeit noch nicht so ganz sehe.

4. Suzuki hat mich sehr überrascht! Nach den ersten Tests schienen sie grade gut genug, um um die letzten Punkteplätze zu kämpfen (was im ersten Jahr auch schon ein Erfolg wäre). Doch was Aleix Espargaro vor allem an Tag eins gezeigt hat, war phänomenal. Wenn die Entwicklung im Hause Suzuki bis zum nächsten Test Mitte März so weiter geht, sehe ich Top 5-Potenzial. Auch die Leistung von Rookie Vinales ist sehr hoch einzuordnen. Die Herausforderung ein MotoGP-Bike zu fahren und dieses quasi neu zu entwickeln, ist enorm, er geht damit aber ziemlich locker und erfolgreich um.

5. Stefan Bradl scheint sich gut einzuleben bei Forward. Zwar konnte er diesmal nicht so weit vorn landen, wie Anfang Februar, doch ich sehe ihn dennoch weiterhin in der Lage, bester Open-Fahrer zu sein. Auch Top 10-Plätze dürften machbar sein. Ulkigerweise entspräche das in etwa dem Niveau, auf dem er sich über weite Teile der letzten Saison auf Honda bewegt hat.

6. Aprilia ist das Sorgenkind der MotoGP-Vorsaison. Man kam bei keinem Test auf einen grünen Zweig. Sicherlich bedarf es viel Zeit, um ein Motorrad aus dem Boden zu stampfen, dass konkurrenzfähig ist. Vielleicht hat man aber auch bei der Fahrerpaarung einen Fehler gemacht. Alvaro Bautista sehe ich auch nach seinen fünf Saisons in der Königsklasse als Heißsporn an, der durch Kampfgeist die Maschinen ans Limit führt. Auch traue ich ihm zu, Teile kritisch auszusortieren, was er besonders in Sachen Rahmen auch getan hat.

Marco Melandri ist aber meiner Meinung nach kein Entwicklungsfahrer, wie man schon 2003 sehen konnte, als er als amtierender 250er Weltmeister in die MotoGP kam und auf der Yamaha fast nur hinterher fuhr. Seine letzten Plätze beim Test (der Fairness halber muss dazu gesagt werden, dass es auch technische Probleme gab) deuten an, dass er in dieser Saison für Aprilia nicht viele Punkte einfahren wird. Das ist sehr schade, weil er in der Superbike WM und auch früher auf der Gresini-Honda ein Siegkandidat war.

7. Cal Crutchlow ist zurück. 2013 hat man an den strecken noch “Dear God, please give Cal a factory bike”-Schriftzüge gelesen, doch nach dem Ducati-Jahr schüttelten viele über den Briten nur noch mitleidig den Kopf. Zwar hat er etwas gebraucht, um sich an die Honda zu gewöhnen, schlussendlich ist es aber schön, wieder einen fröhlicheren Cal Crutchlow zu sehen, der offenbar zur alten Stärke zurück gefunden hat. Ich bin sicher, er wird einige Male auf dem Podest zu sehen sein.

Fazit:
Wir haben an der Spitze den gleichen Zweikampf der Marken, auch wenn die “Roten” näher rücken. In der zweiten Reihe geht es jedoch hoch her und auch deutsche Beteiligung ist dort möglich. Wir dürfen gespannt sein, wie die Balance zwischen den Herstellern ab 14.März aussieht, wenn die Boxentore sich in Qatar zu Abschlusstest öffnen.


Foto: LCR Honda

Tags:,

Trackback von deiner Website.

Kommentieren