MotoGP: Die Tops und Flops der ersten Saisonhälfte

Die MotoGP befindet sich derzeit in ihrer Sommerpause, auch wenn man bei einer rennfreien Zeit von drei Wochen eigentlich nicht von einer “Pause” sprechen kann. 9 von 19 Rennen sind bereits absolviert. Wollen wir die Zeit nutzen und einmal auf die Tops und Flops der ersten Saisonhälfte der MotoGP 2018 schauen.

Tops:

Konnte zwei Ducati-Siege feiern: Jorge Lorenzo (© Ducati Media House)

Wen sollte man hier nennen wenn nicht Marc Marquez! Der Weltmeister hat der ersten Saisonhälfte klar seinen Stempel aufgedrückt. Seine Art zu siegen erinnert sehr an die besten Zeiten von Valentino Rossi: Mit den Gegnern fighten und in den letzten Runden den wahren Speed zeigen. Gleichzeitig wirkte es bei den letzten GPs als hätte Marquez seine Lektion aus dem Skandalrennen von Argentinien gelernt. Er scheint zwar nicht unbedingt vorsichtiger, aber zumindest  mit mehr Köpfchen zu Werke zu gehen wenn es ums Überholen geht. Die WM-Führung mit 46 Punkten Vorsprung, 5 Siege in neun Rennen und einige taktische Meisterleistungen machen ihn zu Recht zum absoluten Titelfavoriten. 

Auf Platz zwei der Top-Piloten möchte ich Jorge Lorenzo nennen. Nach sechs Punkten in den ersten vier Saisonrennen und einem fünften Platz in Le Mans kam der Spanier mit zwei ultrastarken Siegen in Mugello und Barcelona zurück. Damit war nicht wirklich zu rechnen, zumal er damit zeigen konnte, dass er mit der Ducati nicht nur am Rennbeginn schnell sein kann. Leider ist er in das Muster bei den letzten zwei GPs zurück verfallen. Ohne Zweifel sorgte Lorenzo mit einer starken Performance für einiges an Würze in der ersten Saisonhälfte. Vielleicht ist es auch die “Ich habe hier eh nichts mehr zu verlieren”-Attitüde, aber eben dadurch entwickelt er sich wieder zu dem Topfahrer, den man noch aus den erfolgreichen Yamaha-Zeiten kennt. Von ihm werden wir in den letzten zehn Ducati-Rennen noch einiges zu sehen bekommen.

Top-Fahrer Nummer drei ist das Konstanzwunder Valentino Rossi. Man mag jetzt anmerken, dass Vale diese Saison noch kein Rennen gewonnen hat und dafür auch meist die letzten Zehntelchen gefehlt haben. Schaut man aber auf die Rennergebnisse, so steht dort nur ein einziger Nuller beim Argentinien-Grand Prix. Ansonsten war “The Doctor” nie schlechter als Platz fünf und stand fünfmal auf dem Treppchen. Insofern muss man sagen, dass WM-Rang zwei zur Saisonhälfte – in Anbetracht der eher mäßigen Performance der Yamaha M1 – vollkommen akzeptabel ist. Gleiches gilt für Maverick Viñales, der zwar etwas schlechter unterwegs war, aber dafür immer gepunktet hat.

 

Flops:

Die Flop-Könige sind in meinen Augen alle restlichen Honda-Fahrer – es wäre nicht fair, nur den von Verletzungen gebeutelten Dani Pedrosa zu nennen, auch wenn dieser noch keinen Podestplatz zu verzeichnen hat. Honda hat es nicht geschafft, den Piloten in der ersten Saisonhälfte ein fahrbares Motorrad bereitzustellen, mit dem man um das Podium kämpfen kann. Große Hoffnungen lagen auf Cal Crutchlow, der nach seinem Sieg in Argentinien und starken Quali-Ergebnissen genauso schnell wieder nachgelassen hat. Drei Nuller, ein Podestplatz und WM-Rang acht sollte eigentlich nicht den Ansprüchen von HRC genügen, die in der Vergangenheit den inoffiziellen Titel des “besten Motorrades im MotoGP-Feld” trugen. Wer Crutchlow kennt, weiß, dass es ihm selbst nicht anders geht. Sollten die Suzukis in der zweiten Saisonhälfte etwas konstanter ins Ziel kommen, könnten sie auch ihm den Rang ablaufen.

Kein richtiger Flop sondern eher eine nach unten führende Formkuve erlebten wir bei Johann Zarco. Der Franzose wurde vor der Saison als Titelfavorit gehandelt und wurde dem auch im ersten Viertel gerecht. Nach dem misslungenen Heimspiel von Le Mans, wo er seine Tech3-Yamaha tragischerweise ins Aus beförderte, wurde es jedoch ziemlich still um Zarco. Durch die Positionen 9, 5, 13 und 9 in den letzten vier Rennen holte er zwar stetig Punkte und liegt auch auf Rang fünf der Meisterschaft (punktgleich mit Vizeweltmeister Andrea Dovizioso), aber der Speed stimmt momentan überhaupt nicht. 

Ließ nach Platz neun in Jerez nach: Franco Morbidelli
(© Marc VDS)

Unter “Ferner liefen” findet man die Rookies dieses Jahr. In einem derart starken MotoGP-Feld nach der ersten Saisonhälfte von Flops zu sprechen wäre zwar hart, aber kein Pilot hat bisher einen wirklichen Schritt nach vorn gemacht. Gut, am erfolgreichsten was die Einzelergebnisse angeht war Franco Morbidelli, der in Jerez mit Platz neun einen Ausnahmeerfolg feiern konnte. Aber auch bei ihm stagnierten danach die Ergebnisse. Zuletzt kam beim Italiener auch noch eine Verletzung dazu. Dass er und Hafizh Syahrin momentan als schnellste Rookies (WM-Rang 17 und 16) beide Aprilias sowie Bradley Smith hinter sich lassen klingt auf dem papier erstmal ordentlich. Auf der Strecke jedoch zeigt es allerdings nur, wie schlecht es momentan um Smith, Aleix Espargaró und Scott Redding bestellt ist. 

 

Fazit nach der ersten Saisonhälfte:

Marc Marquez ist klar der Schnellste und dieses Jahr ist ihm nicht einmal Andrea Dovizioso ebenbürtig. Bleibt zu hoffen, dass bei Movistar Yamaha der Sachsenring-GP richtungsweisend war. Dort gab es mit dem Doppelpodium das beste Teamergebnis seit Phillip Island 2017. Ansonsten sind Marquez´Gegner auf Fehler des Weltmeisters angewiesen, wenn sie noch realistische Titelchancen haben wollen. Das gilt auch für Ducati. Dort darf man sich Fehler wie von Dovizioso in Le Mans oder Barcelona nicht mehr leisten.

 

Die WM-Stände zur Saisonhälfte können hier eingesehen werden. 

 

Text: Dominik Lack

Foto: Michelin (Titel)

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