MotoGP Assen: Exklusivinterview mit Loris Baz

Loris Baz gibt dieses Jahr in der MotoGP sein Debüt. Der Franzose liegt nach ein Paar starken Rennen auf Position 16 der Gesamttabelle und auf Rang zwei der internen Open-Wertung. Vor dem Assen-GP hat er sich mit Racetrack-News zum Interview getroffen.




Hast Du Dir am Anfang des Jahres erträumt, zur Saisonmitte um den Open-Titel zu kämpfen?

Nein so früh habe ich damit nicht gerechnet. Aber schon am Anfang lief es sehr gut. Als wir nach und nach herausgefunden hatten, wie man das Bike einstellen muss, kam ich immer besser zurecht. Das ist schon cool. Wir müssen jetzt aber auch so weitermachen. Im letzten Rennen sah es so aus, als ob Stefan (Bradl) ziemlich schnell ist, während wir viele Probleme hatten. Natürlich würde ich gerne jedes Wochenende so schnell sein wie in Argentinien oder Mugello. Leider arbeiten wir immer wieder mal in die falsche Richtung. Das liegt aber daran, dass wir das Bike noch nicht perfekt kennen und wissen, welchen Fahrstil ich brauche. Außerdem habe ich ein Paar Fehler gemacht. Das muss ich reduzieren.

Wer wird Deiner Meinung nach Dein Hauptgegner in der zweiten Saisonhälfte?

Stefan ist wohl der Schnellste in der Open-Klasse, auch wenn er am Saisonbeginn Probleme hatte. Er ist der Hauptgegner und wird sicher in den kommenden Rennen noch stärker werden. Aber auch Hector (Barbera) macht mit der Ducati einen guten Job und auch Nicky (Hayden).

Ist Eure Yamaha denn auch das schnellste Open-Bike?

Ich denke, dass die Bikes alle dicht beisammen sind. Alle sind sehr schnell, ob es Ducati, Honda oder Yamaha ist. Wir aber haben meiner Meinung nach keinen wirklichen Schwachpunkt. Das ist der Hauptvorteil.

Kannst Du uns sagen, wie sich die Open-Yamaha fahren lässt?

Der Unterschied zwischen der MotoGP und den Superbikes ist ja, dass man hier mit mehr Kurvengeschwindigkeit fährt. Du kannst mit dem Bike nicht aktiv aggressiv sein und endlos hart bremsen. Normalerweise bremse ich recht hart. Ich musste mich da aber ein bisschen zurücknehmen, sanft auf die Bremse gehen. Auf manchen Strecken wie Mugello oder Argentinien hat das gut funktioniert. Auf Stop-and–Go-Strecken war das nicht so einfach, weil ich in meine alte Gewohnheit zurückgefallen bin. Alles in allem musst Du also sehr sanft sein und das ist auch das, was zum Beispiel Lorenzo so gut kann.

Was sind die Unterschiede zwischen dem Superbike- und dem MotoGP-Paddock?

Ich hatte erwartet, dass die Atmosphäre hier schlimm ist. Ich glaube vor ein Paar Jahren war das Ambiente auch echt Mist. Es gab viele Unstimmigkeiten zwischen den Fahrern. Mittlerweile kann jeder gut mit jedem und man spricht viel miteinander. Auch als ich das erste Mal in Sepang beim Test war, hat sofort jeder mit mir gesprochen. Ich kann mich da über nichts beklagen. Natürlich war ich in der Superbike-WM quasi bei meiner zweiten Familie. Ich habe dafür aber hier neue Freunde gefunden.

Hast Du noch viel Kontakt zu den Jungs aus der Superbike-WM?

Viele Fahrer dort kenne ich seit meiner Kindheit. Von meinem alten Kawasaki-Team waren auch ein Paar in Barcelona und sind sogar bis zum Test am Montag geblieben. Ich habe auch immer versucht, mal wieder zu einem ihrer Rennen zu gehen, aber ich bin fast an allen Wochenenden zwischen den GPs beschäftigt. Ich hoffe ich schaffe es in Magny-Cours mal wieder.

Lass uns über Assen reden. Die Strecke kennst Du ziemlich gut und hast letztes Jahr hier auch auf der Superbike-Pole Position gestanden. Magst Du die Strecke?

Ich mag Assen sehr gerne. Gestern hab ich mit Stefan gesprochen, der die Strecke nicht so mag, aber ich fahre gerne hier. Ich wäre gerne auch auf der alten Assen-Strecke gefahren, weil das sicher Spaß gemacht hätte. Vor allem der letzte Abschnitt mit der schnellen Links-Kurve gefällt mir. Ich freue mich schon darauf, dort mit dem MotoGP-Bike reinzuhalten.

In den letzten zehn Jahren gab es nicht viele französische Fahrer an der Spitze der Motorrad-WM. Dieses Jahr haben wir in jeder Klasse einen französischen Top-Piloten. Wie entwickelt sich Deiner Meinung nach der GP-Sport in Frankreich?

Ich denke, dass es voran geht. Aber der Motorradrennsport war in Frankreich schon immer groß. Der LeMans-GP war jahrelang sehr gut besucht und berühmt. Wir hatten zwar immer wieder mal schnelle französische Fahrer, aber nicht genug einheimische Geldgeber. Aber man tut mittlerweile sehr viel, um die schnellen Fahrer zu fördern. Ich selbst bin ja auch dank der Hilfe der Französischen Föderation hier. Wie gesagt, wir brauchen mehr große Firmen, die unseren Job honorieren und publik machen. Wir sind aber auf einem guten Weg, wie man daran sieht, dass wir in jeder Weltmeisterschaftsklasse einen Franzosen vorn dabei haben. Auch bei den Supersportlern oder der Superbike-WM.




Text, Interview und Foto: Dominik Lack

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