Menschen im GP-Fahrerlager: Karina Homilius von Intact GP

Termas de Rio Hondo_Beitrag Karina (2)Einmal in der MotoGP arbeiten und mit Rossi & Co. zu den Traumstrecken der Welt reisen… Nur wenige Menschen schaffen diesen Weg und etablieren sich in der Motorradweltmeisterschaft,  in einem der unterschiedlichen Arbeitsfelder, die es in einem Team oder im Fahrerlager gibt. Der Name Karina Homilius ist vielen ein Begriff, auch wenn einzelne sie zunächst mit ihren familiären Wurzeln in Verbindung bringen. Denn auch ihr Vater ist als ehemaliger Bürgermeister Hohenstein-Ernstthals oft beim Deutschen Grandprix anwesend und begeisterter Rennsport-Fan.

Doch auf diese familiären Bande muss die sympathische Sächsin nicht zurückgreifen. Schon längst hat sich Karina Homilius in der Welt der Zweiräder ihre Sporen verdient. Seit Gründung des Teams im Jahre 2013 ist die 38-Jährige bei Dynavolt Intact GP dabei und versorgt die Welt mit allen Informationen rund um das deutsche Moto2-Team. Im Gespräch mit Racetrack News haben wir Karina gebeten uns einmal einen kleinen Einblick hinter die Kulissen zu geben und von diesem „Traumjob“ zu erzählen.

Karina, Du bist bei Intact GP für die Pressearbeit im Team zuständig. Warum braucht es dafür Jemanden, der sich um die ganzen Pressedinge kümmert?
Es ist wichtig für unsere Sponsoren und auch unsere Fans, dass alle Informationen veröffentlicht werden. Ich sehe mich somit selbst als Verbindungsstück zwischen den Medien und all dem was in unserem Team passiert. Besonders für die Sponsoren ist dies ein wichtiger Part, dass sie sichtbar sind und man sowohl im Internet als auch Fernsehen und den Zeitungen überall Fotos von ihnen mit sieht, denn es ist ihre Werbung.

Wie würdest Du jemandem Außenstehenden Dein Arbeitsfeld beschreiben?
Es gehört u.a. der Pressebericht zu meinen Aufgaben, quasi ein Report was an dem Tag so passiert ist, wie die Ergebnisse waren, mit den Kommentaren von unseren Fahrern, dem Teamchef oder den Cheftechnikern. Dann gehört auch unsere Webseite und die ganzen Social Media-Sachen dazu, wo wir die aktuellsten Fotos und Videos hochladen.

Gibt es einen typischen Ablauf für Dich an so einem Rennwochenende?
Für mich geht es immer Mittwoch los, dort komme ich an der Strecke an. An diesem Tag gibt es immer viele organisatorische Dinge zu regeln, die ich gemeinsam mit meinem Chef koordiniere. Dazu gehört die ganze Reisekoordination. An der Rennstrecke vor Ort bin ich die Kontaktperson zwischen der Teamvereinigung und dem Team. Auch der Donnerstag ist oft für solche Tätigkeiten vorbehalten, aber es ist auch der Tag wo unsere Fahrer ankommen und wir schon unsere ersten Interviews haben und uns auf Freitag vorbereiten, wo die ersten Trainings losgehen. Die Tage danach sind gut organisiert mit den Trainings, den ersten Social Mediaveröffentlichungen, Mittag mit dem Team, 1-2 Interviewterminen mit den Fahrern und dem Bericht des Tages und dann ist der Tag auch schon vorbei.

Viel Luft hat man somit eher weniger um mal zu entspannen oder zu relaxen, wie schaut dies bei Dir zwischen den Rennen und nach der Saison aus? 
Es sind so viele einzelne Sachen zu tun, zwischen den Rennen oder auch nach der Saison,… klar versucht man sich Ruhepausen zu gönnen. Im Winter ist es schon so, dass wir die nächste Saison schon vorbereiten müssen. Im November geht es direkt los mit den neuen Tests, Dezember ist etwas Zeit für Urlaub und ab Januar ist wieder volles Programm: Vorbereitungen mit der IRTA, Reisevorbereitungen, die Tests ab Februar,…

  • Hinter den Kulissen- überall mit dabei

    Hinter den Kulissen- überall mit dabei

  • Voller Einsatz auch auf dem Starting Grid

    Voller Einsatz auch auf dem Starting Grid

  • Pitlane Walk beim Heim-GP gemeinsam mit Kollegin Heike Zimmermann

    Pitlane Walk beim Heim-GP gemeinsam mit Kollegin Heike Zimmermann

  • Stimmen einsammeln von Sandro & Jonas nach jeder Session

    Stimmen einsammeln von Sandro & Jonas nach jeder Session

  • In der ersten Reihe bei der Podiums-Pressekonferenz

    In der ersten Reihe bei der Podiums-Pressekonferenz



    Wie bist Du selbst zu dem Ganzen gekommen?
    Ich habe schon immer versucht im Rennsport zu arbeiten. Ich habe am Sachsenring schon verschiedene Aufgaben übernommen, angefangen vom Media Center, war dann 1-2 Jahre Assistentin der Pressechefin und habe u.a. auch die Pressearbeit für Dirk Heidolf übernommen, wo er noch gefahren ist und auch im Racing Team Germany die Tätigkeit wie jetzt, nur im kleineren Rahmen, übernommen. Danach habe ich 2011 bei der Dorna angefangen zu arbeiten und den ganzen Content von der deutschen Webseite betreut.

    Was war für Dich bisher das beste Erlebnis mit Deinem Team.
    Das ist schwierig zu sagen,… aber ich denke das war als Sandro das erste Mal aufs Podest gefahren ist, dass war eigentlich sehr einschneidend. Auch das zweite Mal in Japan letztes Jahr. Wir standen in der Box und konnten es nicht glauben. Man hat so hart dafür gearbeitet und dann passiert das, da fällt einem ein Stein vom Herzen, denn die ganze Arbeit hat sich in dem Moment gelohnt.

    Hast Du eine bestimmte Aufgabe wenn es nicht so gut läuft für beide Fahrer?
    Das ist eigentlich nicht meine Aufgabe, natürlich freundschaftlich bin ich da, aber meist machen dies beide mit sich aus. Es ist auch eine schwierige Situation. Auf der einen Seite möchte man etwas Gutes schreiben, man muss einen Mittelweg finden und darf auch nicht zu negativ schreiben, aber es muss andererseits auch der Realität entsprechen. Das ist dann meine Aufgabe,… einen klaren Kopf zu behalten.

    Privat lebst Du schon viele Jahre in Barcelona. Wieso gerade diese Stadt? Hat das was mit Deinem jetzigen Job zu tun?
    Ich wollte schon immer im Ausland leben und unbedingt spanisch lernen. Allerdings wusste ich auch nicht ob ich in der MotoGP so professionell weiter arbeiten kann und hab mich schon immer der Fotografie als meine grosse Leidenschaft verschrieben. Daher bin ich nach Barcelona um dort an der Hochschule Modefotografie und Portrait zu studieren, das habe ich zwei Jahre gemacht bis dann das Angebot der Dorna kam. 

    Wie erlebst Du die Spanier im Bezug auf den Motorradrennsport und ist es für Dich nach vollziehbar, dass der Nachwuchs in Spanien sein Glück versucht?
    Die Spanier, egal wo man hinkommt, kennen sich ziemlich gut aus. Sie sind alle Fans von der MotoGP und jeden den man anspricht, der weiss sofort Bescheid was das ist, was in Deutschland, wenn man von der Rennstrecke weiter weg kommt, nicht so passiert. Die Förderung in Spanien ist auch in manchen Punkten besser, sie haben viel mehr Möglichkeiten und die Chancen in die WM zu kommen sind höher. In Deutschland gibt es auch die Möglichkeiten durch den Junior Cup und Northern Europe Cup aber in Spanien ist es dennoch anders. Die Konkurrenz ist auch härter und das Wetter ist besser zum Trainieren.

    Was macht die private Karina,…
    (lacht) … Privat, dass schaffe ich gar nicht mehr,… Aber wenn dann versuche ich zu fotografieren, treffe meine Freunde, wir gehen an den Strand oder wenn ich zuhause bin bei meinen Eltern gehe ich raus in die Natur, reite mein Pferd …  aber soviel mehr ist bei dem Job nicht möglich.

    Vielen Dank Karina für das Gespräch!

    Text: Doreen Müller

    Fotos: Intact GP – Fritz Glänzel, Doreen Müller

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