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Markus Reiterberger im Exklusiv Interview: So ist mein Leben als Rennsportprofi.


Der 21-jährige Markus Reiterberger startet in diesem Jahr zum dritten Mal mit dem Van Zon Remeha Team auf einer BMW S 1000 RR in der IDM Superbike. Mit Katrin und Doreen sprach der sympathische Bayer über seinen Einstieg in den Motorradrennsport, seine Karriere und seine Zukunftspläne.

Seit Anfang des Jahres bist Du Rennsportprofi. Was hat sich seitdem für Dich verändert?

Ich habe mein Hobby zum Beruf machen können und gehe dadurch nicht mehr Vollzeit als Motorradmechaniker arbeiten. Trotzdem ist der Rennsport auch ein Fulltimejob für mich, denn ich bin ständig unterwegs und fahre zusätzlich in der Langstreckenweltmeisterschaft und in der Superbike WM ein paar Rennen mit.



In diesem Jahr startete Markus für das Team BMW Motorrad France Penz13.com bei den „24 Stunden von Le Mans“, nahm im Juni bei der FIM Superbike Weltmeisterschaft in Misano teil und bestritt außerdem erstmalig den zweiten Saisonlauf der Endurance-WM für die „8 Stunden von Suzuka“. Von Suzuka aus ging es direkt nach Schleiz. Gibt es denn für Dich einen geregelten Tagesablauf?



Nein den gibt es für mich nicht, da ich die meiste Zeit sowieso nicht da bin. Ich bin viel unterwegs und reise in der ganzen Welt umher zu meinen Rennen. Dennoch habe ich, wenn ich zu Hause bin einiges zu tun mit meinem Onlineshop und den Fanartikeln. Auch viel Büroarbeit gehört für mich dazu, unter anderem betreue ich mit einem Freund zusammen meine Homepage und mein Facebookprofil.




Bleibt dabei auch Zeit für Fitnesstraining?



Ja natürlich. Deswegen haben wir das hauptsächlich so gestaltet, dass ich mal mehr trainieren kann. Weil die letzten Jahre bin ich ja nur arbeiten gegangen oder Rennen gefahren und jetzt habe ich einen richtigen Trainingsplan gemacht und muss auch ziemlich viel Trainieren.

Was hat Dich persönlich in Deiner Karriere am meisten vorangebracht?



Es gibt viel Momente und viele Personen, die mir da besonders geholfen haben über die ganzen Jahre. Am Meisten geholfen hat mir mein Vater, der auch heute noch bei jedem Rennen dabei ist. Aber auch verschiedene Rennfahrer, wie Markus Ober oder Ralf Waldmann, Adi Stadler. Jeder hat mir geholfen auch die ganzen ehrenamtlichen Mechaniker. Es gibt schon viele Sachen, die unterstützend waren. Besonders in den letzten Jahren zum Profi hat viel mein jetziger Manager Werner Daemen dazu beigetragen meine Karriere ins Rollen zu bringen.



Ich stelle mir vor, gerade wenn man viel auf Rennen ist, dass es in der Schule schwierig war. Wie hast Du Schule und später Deinen Beruf mit dem Rennsport unter einen Hut gebracht?

Von der Schule habe ich immer frei bekommen, wenn ich gute Noten gehabt habe. Ich habe mich viel reinhängen müssen und war natürlich auch ein Streber, aber dadurch hatte ich mit der Schule keine Probleme und konnte immer zu meinen Rennen fahren. Und auch später mit meiner Arbeit war es ähnlich. Um genug Urlaub zu haben, habe ich immer bis Samstag rein gearbeitet und wurde auch dort voll unterstützt.



In einem Interview antwortete Stefan Bradl kürzlich, dass er sich gut vorstellen kann, dass Du perspektivisch auch in der Weltmeisterschaft mithalten kannst. Wie denkst Du darüber?

Ja das gefällt mir schon. Aber wir müssen schauen wie es weitergeht, denn wir wissen es noch nicht genau. Nach aktuellem Stand sieht es gut aus für die Superbike WM, dass wir da was einfädeln können und ich denke, dass wir da auch einen guten Job machen können.



Für Dich heißt das Ziel in die Superbike WM zu wechseln?



Ja auf jeden Fall. Mein nächster Schritt ist die Superbike WM. Die 600er Klasse oder Moto2, das ist für mich eigentlich nix mehr. Geht nix vorwärts.



Kannst Du Dir auch vorstellen in der Moto GP zu fahren?



In der Moto GP zu fahren, wäre glaube ich für jeden das Höchste und da würde ich auch gern mal fahren aber man muss auch realistisch bleiben. Realistisch ist die Superbike WM und ich glaube da können wir gut mitfahren. Und was danach kommt da müssen wir schauen. Aber erst mal den Schritt schaffen und dann geht es weiter.



Was den deutschen Nachwuchs betrifft werden derzeit viele Kritikstimmen laut, er würde nicht genügend gefördert werden und es gibt kaum deutschen Nachwuchstalente. Wie bewertest du die Situation?



Es gibt schon einige deutsche Talente. Besonders in der Superbike-Klasse der IDM ist das Level meiner Meinung nach sehr hoch. Auch in der Superstock 1000 sind sehr viele schnelle Fahrer unterwegs. Ich denke schon, dass in der nächsten Zeit Talente nachkommen werden. Es ist bloß schade, dass es immer weniger werden.



Was denkst Du braucht der Nachwuchs in Deutschland um im Rennsport Fuß fassen zu können?

Ich denke die meisten scheitern immer am Geld. Man braucht Geld für den Rennsport.



Wie lief dass denn bei Dir?



Wir haben auch nie wirklich Geld gehabt. Aber wir haben das Glück gehabt, dass mein Vater und die Motorradmechaniker gewusst haben wie es läuft, da sie selber vorher lange Rennsport betrieben haben. Wir haben alles selber gemacht und so nicht alles kaufen müssen. Irgendwie hat das dann funktioniert und wir sind unseren Weg gegangen. Glücklicherweise haben wir viele regionale Sponsoren. Der Rennsport ist bei uns weit verbreitet und so haben wir auch durch mehrere kleine Spenden irgendwie alles zusammengebracht.



Und Deine Eltern haben dass immer mitgemacht, ist ja doch ein zeit- und kostenaufwendiges Hobby, wie Du selbst sagst?



Ja die Familie muss da schon mitmachen und du musst auch als junger Rennfahrer anfangen. Am besten fängt man so mit 7–8 Jahren an, so wie wir es gemacht haben. Da brauchst du schon verrückte Eltern, dass die das machen.



Zur Unterstützung des Nachwuchses wurden verschiedene Projekte gegründet, welche zum Beispiel durch deine Mitstreiterin Lucy Glöckner (Patin bei Projekt 64 Grad) Zuspruch erfahren. Kennst Du selbst solche Projekte?



Ja die kenne ich. Ich wurde auch schon gefragt ob ich mitmache. Leider schaffe ich das momentan zeitlich nicht. Außerdem muss ich selbst erst einmal genügend Erfahrungen haben, um ein solches Projekt zu 100% unterstützen zu können. Später kann ich mir schon vorstellen den Nachwuchs mitzufördern. Zunächst muss ich aber erst mal schauen, dass ich meine eigene Karriere weiter voran treiben kann.






Während des Interviews erlebten wir einen sehr sympathischen, jungen und vor allem bodenständigen Rennsportler, der es noch weit bringen kann. Wir drücken Markus für die weitere Saison unsere Daumen und bedanken uns für das angenehme Interview. 

Text und Fotos: Doreen und Katrin

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