Luca Marini – Ein Interview, das mich beschäftigt hat

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Interviewtermine laufen meist gleich ab. Man macht mit dem Pressesprecher des Teams oder des Fahrers einen Termin aus, geht Donnerstag vor dem Rennen in die Teamhospitality und stellt seine Fragen. Normalerweise geht man von so einem Termin gestresst weg, denn jetzt heißt es Arbeit. Die Antworten, die man bekommen hat, hat man manchmal schon gar nicht mehr im Kopf, weil eh alles aufgenommen ist und man alles in Ruhe aufarbeiten kann, wenn es denn mal Ruhe gibt.

Am Donnerstag vor dem Sachsenring hatte ich aber ein Interview, das mich anders zurückgelassen hat, als in dem „Arbeitstierzustand“. Ein Interview, dass mich veranlasst, einmal einen etwas anderen Einleitungstext zu schreiben, als das normale Interviewformat. Getroffen habe ich mich mit Luca Marini, dem Halbbruder von Valentino Rossi.

Die Erwartungen tendierten zwischen „hoffentlich spricht er so gut englisch, dass überhaupt brauchbare Antworten herauskommen“ und „hab ich die Fragen so ausgesucht, dass nicht nur die 08/15-Antworten im Rossi-Style kommen? So á la: „Wir müssen uns noch verbessern, aber ich fühle mich gut mit Bike…“. Dann aber stand mir ein lockerer, patenter junger Mann gegenüber, der sich zuerst einmal höflich vorstellte. 

„Machen wir das Interview auf Englisch?“ fragte mich Luca. Ich zuckte mit den Schultern und meinte, er könne gern auf italienisch antworten, wenn ihm das leichter falle. Er lehnte vehement ab und sagte: „Nein nein wir machen englisch! Das muss ich üben. Die VR46 Academy macht ja auch Englischstunden. Bisher hatte ich dafür nur keine Zeit, weil ich Schule hatte und die Stunden am morgen stattfinden!“

Du siehst ein bisschen entspannter aus als noch in Assen…

Nun bin ich natürlich sehr relaxt. Der GP in Assen war sehr schwierig, weil ich auch den Stress von der Schule hatte. Ich hatte Donnerstag, Mittwoch und den Montag danach Klausuren. Das ging vor. Jetzt bin ich aber hier und kann mich voll und ganz auf das Rennfahren konzentrieren.

Und wie lief es?

Ich habe eine gute Note bekommen! In Italien läuft das notentechnisch so, dass man 100 Punkte erreichen kann. Ich habe 80 geschafft, was im Grunde auch mein Ziel war. 

Und worüber hast Du geschrieben? 

Ich habe eine Arbeit über Geschwindigkeit geschrieben und diesen Aspekt mit verschiedenen Fächern wie Physik, Italienisch, Kunst, Latein und Literatur verknüpft. Das war sehr interessant.

Warst Du vor den Klausuren nervöser als vor einem Rennen?

Vor einem Moto2-Rennen bin ich nervöser. Das ist schwieriger. Bei einer Klausur kriege ich „nur“ eine Note und das ist einfach ein anderer Druck. 

War es generell schwierig, die Schule neben dem professionellen Rennsport zu organisieren?

Es war schwierig, die Balance zwischen diesen beiden Sachen zu halten, besonders in den letzten zwei Monaten. Ich musste lernen, aber nebenbei auch trainieren und mich vorbereiten. Aber es ging irgendwie und jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist.

Wie zufrieden bist Du mit der ersten Saisonhälfte?

Ich denke, dass die Rennergebnisse nicht so sind, wie wir das erwartet hatten. In Katar habe ich ein gutes Resultat eingefahren, was niemand vorher gedacht hätte. Danach hätte ich gerne so weiter gemacht, vor allem in Mugello und Barcelona. Aus verschiedenen Gründen war es aber schwierig. Aber ich gehe dennoch ohne Druck an die Rennen heran, weil es ja mein erstes Jahr ist.

Es gibt viele Strecken – zu denen der Sachsenring auch gehört – die Du nicht kennst. Wie gehst Du an diese heran?

Ich trainiere zuhause mit der Playstation, schaue mir aber auch Videos von den Rennen und Qualifyings aus dem letzten Jahr an. Außerdem spreche ich viel mit Lorenzo (Baldassarri), Franco (Morbidelli), aber auch mit meinem Bruder. 

Aber es kommen ja auch einige Strecken, die Du schon kennst…

Ja genau. Ich kenne Aragon, Valencia und Misano. Das ist aber genauso schwierig. Gut, vielleicht setzt man sich dort etwas andere Ziele, weil ich die Strecken kenne. Die anderen Fahrer kennen sie eben auch und sogar besser als ich.

Wie ist Dein Gefühl auf dem Bike?

Ich habe mich das ganze Jahr bisher gut gefühlt. Manchmal hat sich das Feeling mit dem Bike während eines Rennens geändert, was aber einfach an den Bedingungen lag. Ich denke, dass diese Rennen, in denen man den schwindenden Grip genau gespürt hat, meine Performance gesteigert haben. Meiner Meinung nach muss ich mich selbst verbessern. Andere Fahrer haben mit weniger Grip am Hinterrad mehr Erfahrung und sie können mit diesen Situationen noch besser umgehen als ich. 

Was genau macht Ihr in der Academy und warum macht Dir das Spaß?

Die Academy macht einige tolle Sachen. Zum Beispiel können wir auf der Ranch zusammen trainieren. Das hat immer einen schönen wettbewerbscharakter. Jeden Samstag geben wir 100% um die anderen Fahrer zu schlagen. Allerdings ist das nicht immer leicht. Balda ist zum Beispiel einer von den schnelleren (lacht verlegen). Aber auch ich verbessere mich und werde schneller. Manchmal kämpfe ich um das Podium oder den Sieg. Ein anderes Feld der Academy ist die Möglichkeit, in Misano mit Yamaha R6s zu fahren. Das ist immer sehr interessant. Klar ist das nicht die Moto2, aber wir bleiben einfach auf dem Bike und spulen Runden ab.

Danach unterhielten wir uns noch etwas über Musik und andere persönlichere Dinge (die in einem extra-Beitrag veröffentlicht werden). Hinter unserem Tisch allerdings hatten sich während des Interviews tatsächlich Lorenzo Baldassarri und Franco Morbidelli niedergelassen, die sich an Valentino Rossi-The Game ausprobierten. Gefahren wurde natürlich ein Moto2-Rennen auf dem Sachsenring.

Bevor wir noch ein PaaLuca Marinir Fotos zusammen machten, stellte Luca sich hinter die beiden und es wurde erstmal über die Strecke gefachsimpelt. Die Atmosphäre war dabei eine ganz besondere. Man spürte, dass hier drei Piloten der Motorrad-WM zusammentrafen, die zwar auf der Strecke erbitterte Rivalen sind, aber eben auch zusammen trainieren, an sich arbeiten und dabei immer Kumpels bleiben. Diesen Eindruck werde ich von diesem Interview mitnehmen, denn er spiegelt deutlich die Atmosphäre wider, die schon von vielen Seiten über die VR46-Academy berichtet wurde.

 

 

Text: Dominik Lack

Fotos: Dominik Lack

 

 

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