• RTN
  • TOP
  • Kolumne: Wenn ein Machtkampf über die Zukunft des deutschen Motorradrennsports entscheidet oder – ein Appell an die Vernunft

Kolumne: Wenn ein Machtkampf über die Zukunft des deutschen Motorradrennsports entscheidet oder – ein Appell an die Vernunft

…. “und täglich grüßt das Murmeltier”. So oder so ähnlich müssen sich die Fans des Sachsenrings seit Wochen, Monaten und Jahren fühlen, denn das Ringen um den deutschen WM-Lauf in Hohenstein-Ernstthal scheint kein Ende zu nehmen. Seit seiner Wiedereröffnung in den 90ern ist der Sachsenring die Kultstrecke schlechthin. Seinem Ruf ist er bis heute gerecht geworden, jedoch stand noch keine andere Strecke im WM-Kalender so häufig vor dem Aus oder in der Kritik. Doch wer sind eigentlich die Giganten, zwischen denen es aktuell ein hin und her gibt?

Nachdem in den vergangenen Jahren der Lizenzgeber selbst, die Dorna ein Mitreden hatte, wenn es um die Sicherheit auf dem Sachsenring ging und Aufgaben gestellt wurden, die es zu erfüllen galt, damit auch im Folgejahr die GP-Maschinen hier fahren dürfen, hat die Dorna diesmal wenig mit den Verhandlungen der Vertragsparteien zu tun. Denn dort sind die Rollen klar verteilt. Ein Vertrag zwischen Dorna und ADAC München regelt den Rechtebesitz für den GP-Lauf für die nächsten Jahre. Wie bekannt ist, sieht dieser jedoch keinen spezifischen Austragungsort vor.

So scheint es einzig und allein am ADAC München zu liegen, ob es in Ostdeutschland weiter geht. 

Eine Verschwiegensheitsklausel regelt jedoch, wie in vielen Branchen üblich, dass keine Partei etwas ausplaudert und verrät, worum es im Detail wirklich bei den Verhandlungen geht. Soweit auch verständlich, jedoch ist dies nicht nur schwer für die Verhandlungspartner, die so Mutmaßungen von außen über sich ergehen lassen müssen. Auch bei den “Kunden” des stattfindenden Grandprix – den Besuchern, Sponsoren, Unterstützern, Firmen etc. rund um den GP-Lauf – sorgt diese Verschwiegenheit für großen Unmut und große Unklarheit, sie wissen nicht, was wirklich los ist.

So bedient sich vor allem der ADAC München jüngst in seiner öffentlichen Stellungnahme eher diffuser Andeutungen und scheint damit seinem Verhandlungspartner SRM den schwarzen Peter zu zuschieben, warum ein Vertrag nicht erneut zu Stande käme. Schon an diesem Punkt fragten wir uns, was denn genau Bestandteil des Angebotes des ADAC München war und was genau darin die Bestandteile sind, die derzeit schwer erfüllt werden können? Eine Frage, die wir nicht beantworten können.

Auch wir können daher nur Mutmaßungen anstellen. Denn wie unschwer bekannt ist, gilt die aktuelle Bürgschaft nur für den diesjährigen Grand Prix auf dem Sachsenring. 2019 steht völlig offen.

Doch ist es hier wie eigentlich bei jedem anderen Bankgeschäft auch: mit laufender Bürgschaft ohne Ergebnis wie man das aktuelle Geschäftsjahr abschließt, erhält man schwerlich eine neue Bürgschaft für das folgende Jahr. Eine verzwickte Lage für den Ausrichter. Die eine Seite besteht somit auf etwas, was die andere Seite derzeit nicht liefern kann, selbst wenn sie es wollten.

Der ADAC München ist kein einfacher Verhandlungspartner und die Prioritäten sind nicht gerade im Motorsport angesiedelt, wie sich in der Vergangenheit oft zeigt. Auch die jetzigen Verhandlungswege sind eher untransparent und antiquiert, scheinen jedoch beim Automobilclub in München üblich zu sein, wie ein kürzlich aufgetauchtes Schriftstück zeigt. Dort stellte sich dar, dass es zwischen beiden Gesprächsparteien eine Art Einigung hätte geben können, dass seitens des jetzigen Veranstalters ein klares Angebot gemacht wurde, welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen um auch 2019 einen Grandprix zu veranstalten, dieses Angebot jedoch final nicht von den zur Verhandlung berufenen Personen, sondern von einem höheren Organ abgelehnt wurde und diese Ablehnung als Gesamtergebnis der SRM schließlich mitgeteilt wurde. Gleichzeitig ohne eine Reaktion der SRM abzuwarten oder eine Möglichkeit zu geben, ging bereits die Meldung an die Öffentlichkeit heraus, dass das Angebot seitens SRM nicht angenommen wurde und so kein GP zustande käme. So scheint es wohl gelaufen zu sein, wurde aber offensichtlich anders dargestellt.

Nun könnte man meinen, dass auch dies in der Geschäftswelt üblich ist Dass die letzte Entscheidung final ein anderer trifft. Aber sollten bei so einer wichtigen Verhandlung nicht alle, die etwas zu sagen haben auch an einem Tisch sitzen? 

Es scheint so, als seien sich die Damen und Herren in München nicht bewusst um was es hier letztlich geht. Mit der Ausrichtung eines WM-Laufes in Deutschland geht es nicht darum zu beweisen, wer mächtiger ist und wer am längeren Hebel sitzt. Es geht um das Bestehen einer Sportart in Deutschland, die sich ohnehin schon auf einem rückwärtigen Weg befindet und die es ohnehin schon schwer hat in diesem Kulturkreis zu bestehen. Dort geht es nicht nur um den Sachsenring und irgendein Motorradrennen. Es geht um das Fortbestehen einer langjährigen sportlichen Tradition und Geschichte, die Deutschland einst stark mitbegründet hat. Sollte einem diese Tradition und Geschichte nicht mehr wert sein als wochenlanges Ringen und sich beweisen wollen? 

Die Geschichte erinnert etwas an die berühmte Legende von David gegen Goliath: der Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e.V., Europas größten Verkehrsclub gegen die Sachsenring-Rennstrecken- Management GmbH. Wenn es jedoch das Ziel ist, in Deutschland auch ab 2019 einen Motorrad-Weltmeisterschaftslauf zu veranstalten, dann sollten sich vielleicht alle Verhandlungspartner weitere Male an den Tisch setzen, ihre Interessen und Planungen offen darlegen und an einer Lösung arbeiten.

Wenn dies dann noch transparent für Außenstehende und an der WM-Interessierte, wie Fans, Gönner, Sponsoren, Teams geschieht, hat der Motorradrennsport auch weiterhin eine Chance in Deutschland zu bestehen.

So bleibt uns nur abschließend zu appellieren:

Nehmen Sie die Verhandlungen wieder auf im Sinne der langjährigen sportlichen Tradition, die den deutschen Motorsport eins in der Welt bekannt machte. Nehmen Sie die Motorsport-Fans ernst, die auch im kommenden Jahr ihre Idole auf dem Sachsenring und in Deutschland sehen wollen und machen Sie dem jährlichen Gerangel um ein Kultsymbol ein Ende.

 

Text und Foto: Doreen Müller-Uhlig

 

Ihr habt Anmerkungen, Kritik, Lob oder Ähnliches und wollt dies uns mitteilen? Dann nutzt die Kommentar-Funktion oder schickt uns eine Mail.

Tags:,

Trackback von deiner Website.

Kommentare (1)

  • Avatar

    Roko

    |

    Ich glaube, dass die Situation etwas komplizierter ist als oft dargestellt. Dass diese Veranstaltung nicht ohne Unterstützung von außen zu finanzieren ist, steht außer Frage. Alle Aufwendungen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Dies geht aber jedem Land der Welt so und es gibt keinen eigen-finanzierten Motorrad Grand Prix. Dazu muss man wissen, dass die 20-25 Mio. Umsätze, die der Grand Prix in der Region auslöst, über alle Wege ca. 4-5 Mio. Steuereinnahmen nach Sachsen zurück spülen (Umsatzsteuer über Länderfinanzausgleich, Gewerbesteuer, Lohnsteuer, …..) Wenn man also den Grand Prix verliert, würde Sachsen 4-5 Mio. jährlich verlieren. Da sollte es möglich sein, 1-2 Mio. jährlich zur Unterstützung der Veranstaltung, unabhängig von Streckenumbauten, bei zu steuern. Dies dem Freistaat zu sagen, ist aber seit Jahren Aufgabe der SRM. Das hat sie noch nie geschafft, so dass es die Politiker verstehen. Nun zum ADAC München, dem ist es relativ egal, wenn er sein Geld, welches an die Dorna zu zahlen ist, bekommt UND nicht von dr SRM ständig kritisiert wird. Tomczik ist ein Egomane, so muss er aber auch behandelt werden. Ihm muss man leider den Hof machen. Und zu guter Letzt zum ADAC Sachsen, der wird leider immer mit in einem Satz genannt. – Viele wissen gar nicht, dass die Hauptlast der Arbeit vom ADAC Sachsen durch geführt wird. Die sportliche Ausrichtung sowie Streckenposten und Logistik am Ring liegen auf deren Tisch und sind von der SRM noch nie durchgeführt worden. Für die Leute, die sagen, „wer braucht denn den ADAC“. Jetzt kann sich jeder noch einmal seine Meinung dazu bilden und gerne diskutieren.

    Reply

Kommentieren