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Kolumne: Was war denn los in der SUPERBIKE*IDM?!

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Am Wochenende gab es erneut eine Premiere. Eher mal wieder eine meinerseits. Man mag es kaum glauben, aber auf den Lausitzring hatte es mich zur IDM auch noch nie in der Vergangenheit verschlagen. Doch wo steht die IDM und wo stehe ich, journalistisch gesehen, mit ihr? Na zumindest mal nicht auf Kriegsfuß. Denn allen Unkenrufen zum Trotz, die da sagen die IDM ist tot, geht die SUPERBIKE*IDM International German Championship, wie die Meisterschaft heute heißt, nun mittlerweile in ihr 85. Jahr. Die erste Austragung erfolgte 1924 als Deutsche Motorrad-Strassenmeisterschaft, in der dazumal nur deutsche Fahrer Punkte erringen konnten.

Viel habe ich im Vorfeld schon über den Lausitzring gehört, wo vom 29. April bis 01. Mai der erste Lauf der SUPERBIKE*IDM stattfand. Ob ein Lauf wie die MotoGP jemals in der Lausitz heimisch werden könnte oder hierhin gehört, da enthalte ich mich an dieser Stelle meiner eigenen journalistischen Meinung. Obwohl vom Aufbau her mich die „Arena“ EuroSpeedway schon ein wenig an den spanischen Circuit in Valencia erinnert. Ähnliche Anmutungen haben die Tribünen, die sich um die 4,534 km lange Anlage erstrecken und die im Rahmen der SUPERBIKE*IDM am vergangenen Wochenende mit nur einzelnen Zuschauern gefüllt waren. Jedes größere Maifeuer hatte am 1. Mai-Wochenende sicher mehr Zuschauer angelockt als der erste Lauf der Deutschen Meisterschaft, so Stimmen aus dem Fahrerlager. Enttäuscht darüber bin ich eigentlich dennoch nicht.

Ich erlebte ein angenehmes Fahrerlager, eine nette, freundliche und hilfsbereite Mediateam-Crew, eine tolle Versorgung mit Speisen und Getränken für uns Pressevertreter, die es bei größeren internationalen Events so nicht gibt. Auch die große Anzahl von deutschen Piloten in den verschiedenen Serien, so zusammengewürfelt diese Klassen auch für den Betrachter erscheinen mögen, sehe ich eher positiv. Oder ist es nicht positiv, wenn man in einer Deutschen Meisterschaft so viele deutsche Fahrer findet? Oder wenn man Max Neukirchner mit Mathieu Gines und Florian Alt ums Podium fighten sieht, ein Deutsch-Schweizer Gespann vor den amtierenden Weltmeistern aus den Niederlanden siegt oder der Deutsche Rennsportnachwuchs aufs Podium fährt?

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Unspannend, dass kann ich nicht behaupten, dass es das gewesen wäre. Und nein, ich möchte mich nicht darüber verlieren, warum jener oder welcher Motorradrennsportler in der IDM fährt und warum dieser da wenig oder gar nichts zu suchen hätte oder generell gar nicht auf einem Bike sitzen sollte. Entschuldigt meine Direktheit, aber solche Worte können wirklich nur von jemand stammen, der noch nie auf einem Motorrad gesessen hat oder sich selbst für den größten Rennfahrer hält, aber bei einem Aug-in-Aug-Duell so was von versägt werden würde (um es banal auszudrücken).

Natürlich gibt es hier und da was zu mäkeln und zu meckern. Wo gibt es da nicht. Man könnte jetzt bei der Strecke an sich anfangen. Schwierige Asphaltbedingungen. Zumindest für die Seitenwagen ist der Lausitzer Kurs sehr huppelig und nicht angenehm zu fahren. Als Programmpunkt wieder einmal ganz ans letzte Ende geschoben, gingen hier auch Weltmeister mit auf Podiumsjagd. Dies sei nur rein informativ für den Leser erwähnt, der bisher nicht wusste welche Spitzenfahrer da am Wochenende mit am Start waren und diese sich trotz technischer Defekte oder persönlicher gesundheitlicher Befindlichkeiten ein Bein ausrissen um den wenigen Zuschauern dennoch eine gute Show zu bieten. Dass die Seitenwagen wenig Beachtung finden ist allerdings keine Krankheit der SUPERBIKE*IDM, sondern ein allgemeines Übel im Motorradrennsport, zu dem ich noch mal eine ganz eigene Geschichte schreiben könnte.

Von der Strecke könnten wir weiter zu den technischen Problemen gehen, die nicht der ein oder andere mit seinem Motorrad sondern mit der technischen Kontrolle im Nachhinein hatte. Oder warum fällt es erst nach der Quali-Session auf dass der Reifensticker fehlt? Warum kann das Bike denn nicht vorher kontrolliert werden, um dem Fahrer, der sich im Quali um einen guten Startplatz bemüht hat, nicht komplett sein Resultat zu vermiesen oder seinen Sieg im Nachgang abzuerkennen. Schließlich riskiert ja jeder auf der Strecke auch Leib und Leben. Rennsport ist gefährlich wie es so schön auf jeder Eintrittskarte steht. Warum lass ich dann jemand erst das Risiko eingehen wenn vorn vornherein das Bike nicht der Bestimmung entspricht um Starten zu dürfen? Aber auch das ist denk ich kein allgemeines IDM Problem, wie sich so manche darüber aufgeregt haben dürften.

Wo es sicherlich auch noch Verbesserungspotenzial gibt, ist in der Übertragung der Läufe an der Strecke. Als Pressevertreter tut man es sich schon schwer vor Ort über ein Rennen einen Bericht zu verfassen, von dem man bis auf Livetiming und das eigene Rennsportfeeling an der Strecke leider keine zeitnahen bewegten Bilder hat. Zumindest regt dies die eigene Kreativität an, um an Informationen zu kommen und man bewegt sich sicherlich mehr durchs Fahrerlager, als seine Informationen nur faul aus dem Internet zu beziehen. Okay somit hat es auch positive Aspekte. Aber wie soll ich sonst darüber berichten, wenn ich denn einmal nicht vor Ort bin. Livestreaming im Internet an und zack los geht’s. So simple wie es einem da in der MotoGP oder WSBK gemacht wird, auch wenn man dafür blechen muss, so simple ist es in der IDM nicht.Wie gesagt es gibt vieles worüber man meckern könnte und anderseits wird es schwer sein es erstmal selbst besser zu machen.

Der IDM fehlt die mediale Aufmerksamkeit und mediale Aktualität. Vielleicht wird sich allgemein tot gespart. Vielleicht ist dies einer der Gründe warum die Tribünen am Wochenende so leer waren, vielleicht liegen sie aber einfach auch ganz woanders. Vielleicht, vielleicht. Die Saison hat erst angefangen und es stehen noch einige schöne Strecken auf dem Timer. Und vielleicht, vielleicht werden die Tribünen dann gefüllter sein und sich mehr interessierte Zuschauer und Fans an den Strecken einfinden. Zu wünschen wäre es den teilnehmenden Piloten allemal, denn es kämpft sich doch viel schöner und besser vor einer jubelnden Menge als vor beinah leeren Tribünen.

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Text und Fotos: Doreen Müller

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Kommentare (1)

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    AFriedrich

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    Auf den Punkt gebracht, super geschrieben 😉

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