Kolumne: Warum der Grandprix in Frankreich enttäuschte

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Der französische Grand Prix ist Geschichte, Lauf 5 von insgesamt 18 Rennen in der Motorrad Weltmeisterschaft vorbei und dennoch hat er wieder für Gesprächsstoff gesorgt.

Seit vielen Jahren verfolge ich die Großen und Kleinen in den unterschiedlichen Rennsportklassen, fiebere mit ihnen mit, beobachte, analysiere, fotografiere, interviewe und berichte. Immer wieder gibt es Momente wo auch mit mir die Emotionen durch gehen. Wie kann es das auch nicht, wenn man die Möglichkeit hat live das Geschehen an der Strecke zu verfolgen. So ein Live-Event ist mit dem was man auf dem Bildschirm zu sehen bekommt nur wenig zu vergleichen. Man ist einfach deutlich näher dran am Geschehen und spürt die Stimmung vor Ort hautnah. Was sich heute in Le Mans erneut abspielte, ist für mich allerdings nicht nachvollziehbar und wiederholt sich unabhängig auf vielen Strecken dieser Welt.

Es werden heiße Rennen gefahren, jedes Team gibt sein bestes, versuchen Zehntelsekunden aus ihren Maschinen herauszuholen, versuchen ein optimales Bike als Arbeitsgerät ihren Fahrern in die Box zu stellen. In mehreren Trainingssessions geht sie dann los, die Jagd nach dem besten Startplatz. Auch hier kommt es zu Stürzen, technischen Problemen, Reifenärger und es wird bis tief in die Nacht in vielen Teams gewerkelt und getüfelt um für den Rennsonntag optimal vorbereitet zu sein… Es ist eine Arbeit am Limit, auch kräftetechnisch für die gesamte Crew. Denn dies sollte man nicht vergessen, dass zu so einem Fahrer IMMER eine Crew, ein TEAM gehört, die da ihren Job macht. Mal mehr oder weniger gut, das steht außer Frage. Nicht immer harmoniert es in einem Team 100%.

Auf dem Starting Grid (auf einer mehr oder weniger guten Position) stehen sie dann – wie „Krieger“ in einer Arena, umringt von Blitzlichtgewitter, Mechanikern die hier und da noch etwas prüfen, Ratgebern, Gridgirls die in die Kamera lächeln… Um sich konzentrieren zu können, packt sich der ein oder andere Musik ins Ohr, schaltet ab oder geht vor seinem Bike in die Knie um eins zu werden mit ihm… Dann verlässt die Meute den Grid. Die Piloten sind allein auf dem Schlachtfeld, auf sich gestellt und warten nach der Aufwärmrunde bis die roten Lichter ausgehen und sie starten können. Zum Zerreißen gespannt sind die Nerven, alle sind hochkonzentriert auf die vor ihnen liegenden 28 Runden. Fokussiert!

Das Rennen startet, die ersten Plätze werden gut gemacht, man kommt gut und vor allem heil durch die ersten Kurven, in der JEDER vorn sein möchte. Man setzt sich gegen seine Gegner durch, ein zweimal im Rennen oder fällt zurück und kämpft sich wieder vor. Kämpft mit technischen Tücken oder schwierige Passagen der Strecke. Man leistet Präzisionsarbeit in jeder Kurve und versucht Meter gut zu machen um den Verfolgern keine Chance zu lassen. Dabei achtet man auf jedes Geräusch und jedes Zucken seines Bikes. Hält die Technik durch? Machen die Reifen mit? Haben wir genug Sprit einkalkuliert. Kommt man gut durch? Erfüllt man die Erwartungen? Solche Gedanken und noch mehr, die sich in so einem Racer-Gehirn abspielen. Halte den Fokus, das ist deine Hauptaufgabe! Verliere das Ziel nicht aus den Augen! Und wen man alles richtig gemacht hat, dann hat man es geschafft, dann überquert man als erster die Ziellinie. Dann steht man ganz oben auf dem Siegertreppchen. Ganz egal wer hinter einem ausgefallen ist, man steht da oben, weil man bei diesem Rennen einfach der beste war. Kein wenn und aber – man war dieses Mal einfach besser/schneller oder schlauer… Was auch immer. Und was passiert dann?

Gegnerische Fans buhen den Sieger aus… Buhen ihn aus für seine Leistung? Für das Risiko, was er wie jeder andere Rennfahrer auf der Strecke, in jedem Rennen eingeht. Sie sagen damit irgendwie auch dass man da nicht hingehört, den Platz da oben nicht verdient hat. Kann man nicht auch dem Gegner seinen Sieg einmal zugestehen, gehört das nicht ebenso zur Sportlichkeit dazu?

Für Fahrer, die vielleicht zum ersten Mal in ihrer Karriere auf dem Podium stehen, ist dies sicherlich auch kein schönes Erlebnis, denn dieses Ausbuhen zerstört einfach die komplette Stimmung für jeden auf dem Treppchen. Und was erwarten die Buher als Reaktion? Soll man schimpfen, weinen oder darf man einfach das Pokerface aufsetzen und die Situation weglächeln? Welche Reaktion ist erlaubt? Geht es da noch um den Sport?

Und genau das ist es was den Beobachter traurig macht. Was ist aus diesem schönen Sport geworden. Verstehen das Konkurrenten ausgebuht werden, das muss man nicht. Das hat nichts mit „Fan-sein“- zu tun. „Fan-sein“ hat viele Gesichter und Facetten, aber braucht es auch diese? Die Fähigkeit zur Diskussion und Meinungsäußerung ohne herablassend, beleidigend oder laut zu werden, ist wahrscheinlich nicht jedem gegeben, aber sicher könnte man es doch versuchen? Vielleicht erwartet man da zuviel von der schönen Rennsportwelt.

Die Stimmung ist gespalten, die Risse, die entstanden sind, sind nicht gekittet, die Wunden nicht geheilt. Irgendwie lebt der MotoGP-Zirkus damit. Schön ist es nicht. Vielleicht hilft in so einem Fall dann nur eines: Just keeping the Focus and wearing earplugs!

Text: Doreen Müller

Foto: motogp.com

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Kommentare (12)

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    Jochen

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    Liebe Doreen.
    Du hast 100%tig Recht.
    Auch Fans müssen verlieren können, wenn aus ihren Augen der „falsche“ gewinnt!!!!
    Dennoch sollte man dem Sieger wenigstens Respekt zollen.

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    Hubert

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    Also die buh-Rufe sind schon wohl nachvollziehbar! Nach der lachnummer im letzten Rennen letztes Jahr auch nur angebracht. Ok, vielleicht nicht nach dem Rennen eher nach den Interviews! Der Fan lässt sich halt nicht gerne verarschen! Und wer dies tut muss mit den Spott leben können. So einfach.

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    Tobias

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    Im letzten Absatz steht die Antwort: Die Wunden sind nicht geheilt. Ich finde die Situation auch nicht gut! ABER!! Ich wehre mich vehement dagegen dem Fan (also uns) die Schuld zu geben! Was Lorenzo und Marquez 2015 abgezogen ist milde ausgerückt schädigend für den Sport. So lange diese Herren so tun, als wäre nichts gewesen, so lange werden wir ECHTE FANS auch nicht vergessen! Ich war immer offen für Jeden der gewinnt, habe für MM93 gejubelt und für JL99 applaudiert. Aber wie kann ich das jetzt noch tun? Sie haben den Sport den wir alle lieben mit Füßen getreten und kommen damit durch! Auch wenn ich das ausbuhen nicht gut finde, so kann ich es aus tiefstem Herzen verstehen… Wir Fans sollen einfach vergessen? NEIN! Die Schuldigen sollen endlich ihre Fehler zugeben und für den Mist gerade stehen, den sie verzapft haben! DANN, aber NUR DANN kann ich vergessen und ihen den Respekt zollen, den sie zweifelsohne wegen ihrer sportlichen Leistungen verdienen! Aber so lange das nicht passiert, so lange sie heile Welt spielen und sich selbst als Opfer sehen und nicht verstehen könne warum jeder sauer ist, so lange kann ich es auch billigen, dass gebuht wird, weil sie streng genommen nichts Anderes verdient haben. Ich kann nur jemandem Verzeihen, der Reue zeigt. Die MotoGP hat einen Knacks erlitten, daran sind aber nicht diejenigen Schuld die buhen, sondern die, die uns Fans für dumm verkaufen! Und genau DAS sollten wir nicht vergessen!

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      ValeRos

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      Tobias, Du hast zu 100% Recht, ich habe mich auch für MM und Lorenzo gefreut, wenn die Gewonnen haben, Vale auch, der hat z. B. MM ganz nah an sich und seine Ranch eingebunden, bis dieser offenbar nichtmehr akzeptieren konnte, das der „alte“ Mann ihn schlagen kann, aus meiner Sicht war das ein Versuch der Spanier Vale zu demotivieren, damit er platz für die jungen Helden macht! Gott sei Dank, das er zurückgekehrt ist ohne Ende! Ich hoffe nur, das Michelin endlich vernünftig seine Arbeit macht, die ganzen Stürze und durchdrehenden Räder sind beschämend! Und beobachtet man die Rennen der letzten Saison, dann sollte so viel Sachverstand da sein um zu erkennen wer diese Situationen gestartet aber nie gestraft wurde!

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        Reto

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        Auch ich kann Tobias nur zustimmen. Vor allem JL und MM müssen sich nicht wundern warum ihnen so viel Ablehnung entgegen kommt. Wenn man sich die Situation vor Australien 2015 anschaut, hat es so etwas wie Buhrufe und Pfiffe bei Siegerehrungen nicht gegeben. Jetzt, vor allem den Rossi Fans die Schuld zu geben ist nicht ihn Ordnung.
        Die Fans nehmen die Taten, Gesten und Aussagen sehr genau zur kenntnis und da müssen sich die Betroffenen nicht wundern, wenn da auch Negatieve Reaktionen kommen.

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          The Star

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          Na ja… also Buhrufe gab es auch schon vorher… Schaut nur an wie Stoner behandelt wurde… Der hatte auch viele Rossi Fans die ihn nicht ausstehen konnten, und da waren die Gründe aber ganz andere… Schlechte Fans gibt es eben… und gehört irgend wie dazu, speziell in diesem Anlass… Aber die blinden Rossi Fans haben eben schon auch ein bisschen Fussball-fan-syndrom… (könnte man eventuell mit AfD oder FPÖ Wählern gleich stellen)… na ja ok so schlimm muss es ja nicht sein… aber es kommt einem manchmal so for.

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    Stefan

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    Ich stimme da in soweit überein, als das eine Leistung respektiert gehört. Dabei muss es egal sein von wem auch immer diese erbracht wurde. Man muss in dieser und vielleicht auch voran gegangenen Situationen aber schon zwischen der Leistung eines Protagonisten und dessen eigener Sportlichkeit und Fairness differenzieren. Jeder Fan hätte jedem Fahrer den Sieg ohne Zurufe gegönnt, sich gar gefreut. Wenn es aber unter diesen Fahrern eine Person gibt, völlig losgelöst von seinem fahrerischen Talent und der konstanten Leistung, die eben selber in keiner Art und Weise diese Sportlichkeit und vor allem den nötigen Respekt seinen Gegenüber, -auch dem Team, an den Tag legt, kann man eben ein solches Verhalten von den Fans -aller- anderen Fahrer nicht verlangen. Egal ob einem Rossi, oder dem Yamaha Werksteam gegenüber bzw. situationsbedingt auch anderen Fahrern gegenüber wird keine sportliche Fairness und Respekt gelebt. Er hat im vergangenen Interview nur zu gerne einen Schuldigen für seine Misserfolge gesucht. Mal war das Material nicht ordentlich, oder sein Team habe bewusst ein schlechteres Setup gewählt, oder Fahrer XYZ hat ihn aufgehalten. Wie kann man da von dem nicht Profi, dem Otto-Normalo-Fan, der eben Emotional an diesem Liveevent teilnimmt ein solches Verhalten erwarten? Wer ist denn der Profi in diesem Sport? Ich kann euch gerne schon vor der nächsten Saison warnen. Da werden dann Aussagen kommen wie „Die Ducati ist nicht konkurrenzfähig“ oder „Die Anderen haben halt besseres Material“. Eigenes Unvermögen, schlechtere Leistung, Fehler eingestehen? Kann er nicht, darauf wurde er seit Kindestagen drauf gedrillt. Und eben das macht ihn so unsympathisch. Man erkennt keinen Spaß am Sport. An sozialen Kompetenzen mangelt es einfach. Die lassen sich auch durch Siege nicht dazugewinnen.

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    Thomas Schwarz

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    Ich habe Australien und Sepang gesehen, ich war in Valemcia. Die Schuldigen sind die Fans. Marquez und Lorenzo haben sich extrem unsportlich verhalten. Wir klagen ueber das Desinteresse der Menschen an den Fehlentwicklungen und lassen alles unseren Politikern und Wirtschaftskapitaenen, Bankern alles durchgehen. Ich verstehe die Fans, die Ablenkung suchen und in diesem schoenen Sport aufgehen. Es ist vollkommen in Ordnung was in Le Mans und auf anderen Sttecken passiert. JL und MM koennen sich an Ihren Siegen nur noch mit einer ueberschaubaren Menge Menschen freuen, da sie Millionen betrogen haben. Nur das hat eine erzieherische Massnahme: die Konsequenz, dass eben kein Schwamm drueber ist und das diese schwarzen Flexken ueber Jahre, wenn nicht ueber ihr ganzes Leben auf ihrer sportlichen Weste kleben. Lorenzo ringt so um Anerkenning fuer seinen ausserhrwoehnlichen sportlichen Leistungen. Er wechselt jetzt weg zu Ducati um aus dem Scjattem von Rossi zu treten, dabei vergisst er eines: Rossis Schattem ist so gross weil hier aussergewoehnlicher Erfolg mit einem aussergewoehnlichen Menschen zusammenkommen, der einen ungeheuren Spass am Motorradfahren hat, der es eben aus Spass macht und nicht aus Sucht nach Anerkennung. MM ist in dieser Hinsocht Rossi sehr aehich, er hat sich nur in einem dunklen Moment zum Komplizen gemacht und war sich der Konsequenz nicht im Ansatz bewusst.

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    BlackMamba99

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    Danke meine liebe Doreen
    ich füge nix hinzu … einfach nur Danke für diese WAHREN WORTEN. ??

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    Yvonne

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    Es war in Mugello letztes Jahr nicht anders, als Jorge Lorenzo gewann, wurde er ausgepfiffen. Letztes Jahr war ich in Misano, ich stand mit den Italian Jorge Lorenzo Fanclub zusammen und wir wurden sogar von Plastikteilen beworfen. Sehr traurig!!! ?

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    Olaf

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    Nach den letzten drei Rennen in der vergangenen Saison, besonders nach Sepang, wird es wohl ewig dauern, bis es Fahrern wie Lorenzo und Marquez gelingen wird, ein buh-freies Podium zu entern.
    MM hat Rossi die Chance genommen seine 10. WM zu feiern und sich noch ein Stück unsterblicher zu machen.

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    ValeRos

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    Olaf, wie Recht Du hast! Die Verursacher sind bekannt!

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