Kolumne: Was wir aus dem Rossi-Eklat lernen

p1100877

Man könnte meinen, dass nach dem Finale am vergangenen Wochenende die Zeitschriften und Onlinemedien voll des Lobes sind, welch einen tollen Rennsport uns alle drei Klassen in Valencia beschert haben. Verfolgt man jedoch was die Medien einem nach diesem Wochenende so bieten, beherrscht hauptsächlich ein Thema jegliche Schlagzeilen: Valentino Rossis „Kollision“ oder Schupser mit oder gegen einen Fan, wie auch immer man diesen „Eklat“ denn nennen möchte.

Anscheinend haben wir nichts anderes zu tun, als uns über so einen Nonsens aufzuregen. Wer nicht weiss wovon ich rede, ich bin mir sicher dass nach wie vor in den einschlägigen Journalen oder Videoportalen genügend Fotos und Videos kursieren, die noch mal in Highend-Auflösung zeigen, was sich Samstagmorgen zugetragen hat. Und so ist es oftmals wie immer, es zeigt Dinge nur von einer Seite und Dinge, wie man sie denn gern darstellt.

Manch einer der so eine Veranstaltung besucht, mag diese Welt vielleicht mit einem Rummelplatz verwechseln oder einem Ausverkauf für seine “Lieblingsmarke” –  den Lieblingssportler. Das Who is who zeigt sich oder eben auch diejenigen, die meinen das who is who zu sein, ohne auch nur  irgendwelche Ahnung vom Rennsport zu haben und ohne mehr als die Top 5-Piloten zu kennen. 

Es wird flaniert, präsentiert, fotografiert und Autogramme gejagt. Allein das ist völlig in Ordnung und gehört dazu!! Doch es wird mittlerweile nahezu überall maßlos übertrieben. Es ist schön, wenn es die Möglichkeit gibt Wünsche und Träume von kleinen und großen Fans zu erfüllen, die strahlend zu ihren großen Helden aufblicken. Solche Fans verhalten sich oft rücksichtsvoll, warten anständig, fragen anständig und bedanken sich danach für das Autogramm oder Foto was sie bekommen haben. Zumindest kenne ich viele, die das tun! Simple kleine Regeln des gegenseitigen Umganges, auch in so einer bunten, verrückten, schnelllebigen Welt wie dem Motorsport. Und dann gibt es auch die Sorte Fans, die sich nicht so verhalten wie es auch Rennfahrer gibt, die, die Art des ordentlichen Umganges nicht pflegen. Die meisten der Jungs tun es jedoch und nehmen sich gern die Zeit ihren Fans zu begegnen.

Allerdings wird neben dem normalen Fantrubel, den man tagtäglich erlebt eben auch wild geschupst, grob gezupft und gerempelt wie auf einem Popkonzert und es wird sogar gestohlen. Jeder scheint gern etwas persönliches von seinem „Liebling“ abhaben zu wollen. Früher hat man darauf gewartet, dass einem der Fahrer oder das Team so etwas in die Menge wirft oder einem schenkt, heute wird die Sache selbst in die Hand genommen. Da werden Mützen, die der Fahrer auf dem Kopf trägt heruntergerissen. Da werden sogar Motorradstiefel, die zum trockenen vor den Truck gestellt werden, entwendet, wie dies u.a.  schon Casey Stoner einst passierte.

Der Hype um die Piloten der MotoGP ist mit den Jahren irgendwie immer größer geworden und bei Veranstaltungen wie in Mugello, Jerez  oder Valencia fast nicht mehr auszuhalten. Die Besucherzahlen im Fahrerlager haben Größenordnungen angenommen, die für die Menschen, die im Fahrerlager arbeiten herausfordernd sein können. Menschen, für die dies die ganz normale Arbeit ist. Teammitglieder, Streckenmitarbeiter, Fahrer, die jeden Tag ein und ausgehen und sich ihren Weg durch die Menge bahnen müssen und den ganzen Zirkus permanent erleben, jedoch in der Regel auch wissen was sich gehört oder nicht.

Doch manch einer weiss das nicht. Manch einer denkt es ist eine rechtefreie Zone. Dabei beginnen die Rechte und Regeln schon bereits dann, wenn man sich die Fahrerlagerkarte um den Hals gehängt hat. Jeder, der das Fahrerlager betritt, erhält eine Fahrerlagerkarte, einen Paddock Pass, der ihm je nach Genehmigungsgrad den Zugang in verschiedene Bereiche gewährt. Und jeder, der diesen Pass erhält und trägt, akzeptiert die damit verbundenen Regeln und Normen. Jeder, der so einen Pass erhält, sollte vielleicht auch einmal lesen was auf der Rückseite geschrieben steht: Motorsport ist gefährlich, heisst es da! Also was sagt uns das? Es sagt: Gib Acht!

Denn nicht nur an der Strecke und in der Boxengasse, wo Piloten schon wegen unaufmerksamer Fans ums Leben gekommen sind, ist Vorsicht geboten. Auch wenn man sich zu Fuss oder auf dem Roller, Fahrrad oder wie auch immer über den GP-Schauplatz bewegt, heisst es: Augen auf!

Im Übrigen verzichtet man mit dem Tragen dieses Passes auf sämtliche Entschädigungen aus möglichen Unfällen und Verletzungen, nur mal so by the way! Aber wen interessiert das schon ernsthaft, wenn man vor Augen hat, dass man einen Rossi, einen Marquez oder einen Pedrosa live sehen kann? Vielleicht sollte einen dies interessieren, vielleicht sollte man sich auch überlegen wie man sich durchs Fahrerlager bewegt. Vielleicht sollte man darauf achten, jeder für sich, mehr Rücksicht zu nehmen, für die Menschen die dort arbeiten. Ja, auch die Moto3/Moto2/MotoGP-Piloten ARBEITEN da und sind nicht nur zur Bespassung anwesend. Vielleicht hält man einfach mal die Augen auf und achtet wo man hintritt, bevor man auf die Idee kommt das Fahrerlager gänzlich für Fans zu schliessen. Wäre doch schade, oder?

Text und Foto: Doren Müller

Tags:,

Trackback von deiner Website.

Kommentare (1)

  • Avatar

    Marcel

    |

    Sehr gut geschrieben Doreen, leider wird es irgendwann so kommen (…..wenn es weiterhin solch rücksichtslose “Fans” ins Fahrerlager schaffen….) die GP hautnah zu erleben 🙁

    Reply

Kommentieren