Kolumne: Termas Clash – Die MotoGP im Ausnahmezustand

Die MotoGP-Welt steht Kopf. Keine fünf Minuten nachdem der Argentinien-GP beendet ist, entsteht der Hashtag #TermasClash für eine Reihe von Vorfälle, die viel Gesprächsbedarf beinhaltet. In dieser Kolumne soll es genau darum gehen.

 Für diejenigen, die das Rennen nicht ganz gesehen haben sei die Situation kurz stichpunktartig zusammengefasst: Marquez bekommt eine Ride Through-Strafe und pflügt danach – scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste – durch das Feld. Dabei schickt er Aleix Espargaró in eine Umlaufbahn und holt später auch Valentino Rossi vom Motorrad. Zwar wird er von der Rennleitung (insgesamt dreimal) bestraft und landet auf Platz 18, aber die Diskussion über sein Verhalten schlägt Wellen.

Das hungrige Alien

In der Vergangenheit haben sich viele Fahrer über die Fahrweise von Marquez beschwert und er wurde auch schon oft sanktioniert. Mit sechs Weltmeister-Titeln auf dem Konto schien Marquez – zumindest nach dem berühmten „Sepang-Clash“ etwas besonnener zu Werke zu gehen. Allerdings war er in Argentinien nach langer Zeit mal wieder in einer besonderen Situation:

Eigentlich klar der Schnellste, befördert ihn die Durchfahrtsstrafe von Platz eins bis ans Ende des Feldes. Es ist unmöglich, sich in den Kopf des Weltmeisters hineinzuversetzen, der auch schon aus der letzten Startreihe auf´s Podest gefahren ist. Hier könnte (!) das Problem liegen: Marquez wurde so oft als das Alien beschrieben und seine spektakuläre Fahrweise bewundert, dass er diesem Ruf auch gerecht werden wollte.

Insofern gebe ich Valentino Rossi, aus dem mit Sicherheit in der Vergangenheit auch häufig ein gekränktes Ego gesprochen hat, Recht: So ist Marquez halt. Riskante Manöver, bei denen er die Bremse nochmal aufmacht und sich mit Speedüberschuss an den Gegnern vorbeizwängt, stehen stets auf seinem Plan. In den letzten zwei Saisons, wo es weniger Situationen gab, die in Stürzen etc. gemündet haben, schien die MotoGP-Welt das Risiko von Marquez´ Fahrweise vergessen zu haben. Hier sei die Frage gestellt, ob der Aufschrei nach dem „Termas-Clash“ auch so groß wäre, wenn nicht auch Rossi unter den Opfern wäre. Aber das ist ein anderes Thema.

Eine Frage des Respekts

Der Punkt ist, dass Marquez in Argentinien in Kauf genommen hat, dass andere Fahrer stürzen. Mit einem harten Kampf hat das nichts zu tun, denn harte Manöver sollten davon zeugen, dass beide involvierte Fahrer mit gleichen Waffen kämpfen. Marquez war offensichtlich überlegen – das zeigen die schnellsten Rennrunden des Spaniers. Manöver wie am Sonntag hätte es nicht gebraucht. Rossi hat es in seiner Wutrede als mangelnden Respekt vor den Gegnern bezeichnet und das stimmt meiner Meinung nach.

Gefährlich wird es in der Tat dann, wenn auch andere Fahrer diese Fahrweise nachahmen. Es mag in der Welt viele junge Nachwuchsfahrer geben, die zu einem Marquez aufschauen und ihn für die Art bewundern, mit der unterwegs ist. Wenn dazu gehört, andere Fahrer als Anlieger zu benutzen und gegebenenfalls von der Strecke zu schubsen wenn man schneller ist, könnte das bald der Standard im Motorradrennsport werden. Klar, darf man die Rolle von Marquez nicht überschätzen und die Rennleitung hat ihre Strafen direkt verhängt, aber hier muss eine Grundsatzdiskussion geführt werden. Eine wirkliche Lösung sollte jedoch schwierig zu finden sein, denn eine Sperre oder Sanktion scheint Marquez nur noch mehr anzuspornen (s.o.).

Was mir schleierhaft bleibt, ist, dass die Rennleitung den Vorfall zwischen Pedrosa und Zarco nicht geahndet hat. Gut, der Sturz des Spaniers war ein Highsider, den er auf nassem Untergrund selbst zu verschulden hat, aber die Umlaufbahn, in die er durch Zarco gekommen ist, ähnelt doch sehr dem Manöver Marquez vs. Espargaró. Hier schien man nicht konsequent genug gewesen zu sein.

Wie dem auch sei, man darf gespannt sein, wie die Sache weitergeht, denn der „Termas-Clash“ wird wohl lange nicht vom Tisch sein. Gott sei Dank wurde zumindest an der Spitze Rennsport vom Feinsten geboten, denn das ist, was den Fans eigentlich in Erinnerung bleiben sollte: Cal Crutchlow, ehemaliger Superbiker, hat Zarco in Schach gehalten und auch Alex Rins und Jack Miller haben eine tolle Show geliefert, die sehr unterhaltsam war. Hut ab und danke dafür!

 

Text: Dominik Lack

Foto: Repsol Honda

 

 

Tags:, , , ,

Trackback von deiner Website.

Kommentieren