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Kolumne Jerez-GP: Warum wir an (Miss)-Erfolgen beteiligt sind

Der erste Europa-Grandprix ist zu Ende und dennoch hallen in mir noch einige Stimmen und Erinnerungen an das vergangene Wochenende nach, besonders der Umgang mit Motorradrennsportlern, die viele vielleicht schon abgeschrieben haben. Wer die Nachrichten, besonders die in der Sportwelt, verfolgt und etwas näher in die Medienwelt und den Sportjournalismus eintaucht, der stellt relativ bei Zeiten fest worum sich das ganze Geschäft, vor allem in einer Motorradweltmeisterschaft dreht.

Natürlich um Erfolg, Geld, Innovationen, Fortschritt, Neuentwicklungen aber auch um begonnene und beendete Karrieren und knallharten Wettkampf!

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An manchen Stellen bzw. in manchen Momenten frage ich mich jedoch wie die Fahrer, die sich zu diesem Sport und ihrer „Berufung“ bekennen, das Ganze aushalten. Den Druck, immer alles zu 100 Prozent zu geben und immer im medialen Dauerfeuer zu stehen, besonders wenn es mal nicht so gut läuft.

Wie schwunghaft die Laune der Medien und der breiten Öffentlichkeit sein kann, beweist sich nahezu täglich: Fahrer, die auf einem Motorrad nicht sofort die Leistung bringen, werden sofort von der Wettbewerbsliste gestrichen. Piloten die jahrelang nur wenig „Erfolge“ erzielten, werden zügig als Außenseiter abgestempelt, ungeachtet dessen, welche Titel und Erfolge sie vielleicht bisher schon erreicht haben. Es gibt so viele WM-Starter, denen es so geht und die mir spontan dazu einfallen. Besonders in Jerez war das Thema für mich wieder stark präsent, da ich diesmal mehr als sonst mich damit beschäftigt habe, die Reaktionen der Menschen / Presse/  Medien / Fans auf bestimmte Fahrer zu beobachten.

An dieser Stelle möchte ich mal nicht über Jorge Lorenzos sprechen, der am Wochenende sich mit seinem ersten Podium für Ducati zurück melden konnte, sondern um z.B. Repsol Honda Pilot Dani Pedrosa. Der sympathische kleine Spanier ist nun mittlerweile seit elf Jahren Stammfahrer in der Königsklasse. Pedrosa holte sich insgesamt 105 Podestplätze, davon 30 Siege und 3 WM-Titel in den kleineren Klassen. In den letzten Jahren rückte, der in der Medienöffentlichkeit sonst eher zurückhaltende Honda-Pilot in den Hintergrund, denn Repsol Honda hatte seit 2013 mit Marc Marquez einen neuen Star. Achtungserfolge, die Pedrosa erreichte, wurden meist nur beiläufig erwähnt, hinzukam verletzungsbedingte oder technische Ausfälle des ehemaligen 250ccm-Weltmeisters und die Frage, ob seine Karriere bei Repsol bereits zu Ende wäre. 

Dabei platzierte sich der 31-Jährige kontinuierlich in den Top 5 bzw. in Podestnähe. Mit dem dritten Platz in Amerika war das Interesse um seine Person jedoch plötzlich wieder stärker und seit Jerez, wird von Pedrosas „großer Rückkehr“ gesprochen.

Oh Wunder, Dani Pedrosa ist wieder da und ganz weit vorn, kann sogar ausgerechnet bei seinem Heim-Grand-Prix siegen!  Wie ist sowas möglich nach all den Jahren im Windschatten von Weltmeister und Repsol-Nummer -1-Pilot Marc Marquez? Vielleicht ganz einfach, weil er der beste an diesem Wochenende war oder weil er einen Berater hat, der ihm sagt, dass er schnell fahren kann? Doch eigentlich war Dani Pedrosa nie wirklich schlecht und nie wirklich „weg“. Sete Gibernau, der sich für den Repsol Honda-Piloten mehr als Freund anstatt wie als Berater sieht, hatte eigentlich die passende Antwort in meinen Augen parat: „Dani ist eine starke Persönlichkeit. Er muss nicht auf eine Strecke warten, die ihm liegt. Er muss einfach die Challenge ergreifen und braucht Niemanden der ihm sagt, dass er gut ist!“

Ganz sicher braucht er aber niemanden, der fragt, wie er denn mit seiner Außenseiter-Rolle bei Repsol Honda zu Recht kommt. Außenseiter in einer WM? Wenn Dani Pedrosa nicht schnell wäre, dann wäre er glaube ich in der höchst dotierten Motorradrennsport-Serie der Welt falsch! Es kostet viel, sich über jahrelang in dieser Serie zu behaupten. Dies hat weniger mit Glück zu tun, sondern für jeden Piloten mit Arbeit. 

Doch wie kommt jemand, der all die Jahre hart arbeitet ohne dafür belohnt zu werden in so eine „Außenseiterrolle“? Gewählt hat er sich diese selber sicher nicht, sondern viel mehr immer wieder aufgedrückt bekommen. Schließlich steht ihm diese Zweitbesetzungsposition doch gut (!). Menschen werden, wie sich hier zeigt, zu dem was wir aus Ihnen machen und manchmal nehmen sie genau die Funktion ein, die das Umfeld ihnen gern zuschreibt.

In so einem großen Haifischbecken braucht es dann einfach jemanden, der einem Mut zu spricht und einem hilft wieder an sich zu glauben, ob dies ein Coach ist, oder ein Freund, Fans oder ob sich die Medien verantwortungsbewusst verhalten (ein Wunschtraum), sei dahin gestellt. Jeder Mensch braucht jedoch Jemanden, der einen auffängt, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Wagen wir somit den Sprung zu Moto2-Pilot Sandro Cortese. Was hat der deutsche Dynavolt Intact GP Pilot mit dem Jerez GP-Sieger Dani Pedrosa gemeinsam? Bis auf das Faible zu schnellen Zweirädern und die Teilnahme am internationalen Wettbewerb auf den ersten Blick sicher nicht viel. Fahrerisch wie auch von der Persönlichkeit liegen diese beide sicher weit auseinander, jedoch am Beispiel „So gehen wir mit einem Fahrer um“ – gibt es Gemeinsamkeiten.

Natürlich sind wir ehrlich und wir wissen, dass es bei dem Berkheimer derzeit so gar nicht zu laufen scheint. Manch einer hakt gedanklich an dieser Stelle bereits ein und sagt, „Moment mal! Bei dem läuft es doch nie!“Aber mal ehrlich, wer kann dies schon genau bewerten, wenn er nicht selbst mindestens schon mal an einem Rennen als Fahrer teilgenommen hat und in einem engeren Wettbewerb stand? 

So ein Wettbewerb, wie er dort auf höchstem Niveau läuft, ist nicht nur fahrerisch sondern vor allem auf mentaler Schiene etwas ganz anderes! Dort ist wohlfühlen auf dem Motorrad das A und O, dort ist eins sein mit der Strecke genau so wichtig, wie zu wissen, dass ein Team / Menschen / Unterstützer hinter einem stehen. Und denken wir allen ernstes, dass wir es mit unsäglichen Kommentaren nach einem Sturz besser machen?

Denken wir wirklich, dass dies einem Fahrer hilft voran zu kommen, wenn er lesen darf was für eine – pardon „Niete“ er angeblich sei? Ich weiß nicht, was solche Kommentare bringen sollen! Ich weiß auch nicht, was wir davon haben!

Was soll denn ein Rennsportler eigentlich erzählen, wenn es z.B. nicht so prima gelaufen ist? Versucht er technisch bis ins kleinste Detail zu erklären was genau an dem Motorrad anders war und weswegen er sich nicht wohl gefühlt hat und nicht zu Recht gekommen ist, würde das denn interessieren? Oder heißt es dann nur „der redet sich raus, er jammert rum“. Und wenn jemand einmal so gar nichts sagt? – „da sieht man mal wieder, der ist arrogant“. Egal wie man es macht, richtig scheint man es beinahe nicht machen zu können. 

Schade! Es gibt zwischen Boxenmauer und Hospitality soviel Raum für Gespräche, Austausch und technische Nachfragen. Nur selten wird dies allerdings wirklich ausgiebig genutzt und selten wird sich daneben gestellt und sich die Zeit genommen Dinge zu hinterfragen. 

Sicher wird nicht jeder da draußen die Möglichkeit haben einen persönlichen Plausch mit Pedrosa, Cortese und Co. zu führen und zu fragen, warum es so gut oder so beschissen lief. Zumindest hat jedoch jeder von uns die Möglichkeit sich auszusuchen, welche Nachrichten er liest und wie man verantwortungsbewusst damit umgeht.

Wie ist denn Eure Meinung dazu?

Text und Foto: Doreen Müller

 

 

 

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