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Kolumne: Jeder kennt den Moment, wenn einem die Sicherungen durchbrennen

Was war das für ein Rennwochenende! Der Sepang-GP wird der ganzen MotoGP-Welt noch lange in den Knochen stecken. Das zeigt nicht zuletzt die Berichterstattung in den Medien und das riesige Echo in den sozialen Netzwerken. Dabei werden Meinungen in den schillerndsten Farben präsentiert und Einschätzungen gegeben. Nach einer kurzen Reflexion möchte auch ich einmal auf den Rossi-Marquez-Zweikampf zurückblicken.



Rossi hat sich verkalkuliert

Mit den Kommentaren zu Marquez´ Renntaktik am Donnerstag in der Pressekonferenz versuchte Rossi sich den Malaysia-GP abzusichern. Der Honda-Pilot sollte klein beigeben und sich aus dem WM-Kampf heraushalten. Hier treffen jedoch zwei Egos aufeinander: Zum einen das des erfahrenen Großmeisters, der den Titel „The Greatest of all Time“ trägt, zum anderen das des jungen Thronfolgers, der sich – mit Recht – vor niemandem mehr verstecken muss, vor allem nicht vor seinem Idol. Statt also brav hinter Rossi zu bleiben, griff Marquez rotzfrech an. Auf moralischer Ebene ist das ein sehr unfeiner Schachzug, weil er gegen einen Ehrenkodex unter Rennfahrern verstößt. Hier haben die Gemüter die Etikette vergessen lassen. Ich bin aber überzeugt, dass Rossi in Marquez´ Situation ähnlich reagiert hätte, schließlich hat auch er schon in einige Manöver (wie bei Biaggi, Gibernau oder Stoner) persönliche Fehden einfließen lassen, auch wenn es dabei nicht immer um den WM-Titel ging.

Affekttat, wie dem Chef eine Ohrfeige zu verpassen

Die Manöver im Rennen waren fahrerisch auf allerhöchstem Niveau und dabei noch auf der richtigen Seite des Fairness-Barometers. Die Nadel hat jedoch stark ausgeschwenkt, als Marquez Rossi nach dessen Überholmanöver von außen kommend die Tür zugeschlagen hat. Ich denke jeder kennt diesen Moment, wenn einem die Sicherungen durchgehen. Die menschliche Psyche ist nur eine begrenzte Zeit in der Lage, auf Reize keine sichtbare Reaktion zu zeigen. Bei dem Adrenalin eines MotoGP-Rennens kann man es nachvollziehen, dass Rossi irgendwann der Kragen platzt. In einem Forum hat es jemand anschließend gut auf den Punkt gebracht: In so einer Situation ist es, als wenn man seinem Chef eine Ohrfeige gibt. Es fühlt sich an wie die einzige nötige Lösung.



Rossi musste ein Zeichen setzen

Wie das ganze vonstatten geht war im Grunde völlig egal. Rossi musste Marquez ein Zeichen geben und ihm sagen, dass irgendwo mal Schluss ist. Insofern kann man von dem Manöver halten was man will: Es war konsequent. Betrachtet man nur den Vorfall ohne den Hintergrund zu beachten ist Rossis Move freilich eine grobe Unsportlichkeit. Aber eben auf der physischen Ebene. Die gleiche Unsportlichkeit findet sich auch auf der moralischen Seite in Marquez´ aggressiver Fahrweise.

Wir sollten dankbar sein

Die Entscheidung, Rossi drei Strafpunkte zu verpassen ist, wenn man allein den äußeren Tatbestand anschaut ohne den geringsten Zweifel gerechtfertigt. Das Dilemma mit dem Regelwerk gegenüber dem Behindern von Titelanwärtern muss aber nicht erst erklärt werden. Es ist schwierig in dieser Situation einer Partei Recht zu geben. Die Rennleitung hat, wie sie selbst sagt, versucht einen Kompromiss einzugehen. Für Rossi ist die WM auch mit dem letzten Startplatz nicht verloren. Dafür gibt es zu viele Variablen: Regen, Technik, übermotivierte Gegner, Fehler u.v.m. . All dies kann sowohl Rossi als auch Lorenzo beim Saisonfinale ereilen und das macht den Valencia-GP zu einem ultra-spannenden Event. Insofern kann man eigentlich für diese ganze Aufregung dankbar sein. 




Text und Foto: Dominik Lack


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Kommentare (3)

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    Anonym

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    MM hat provoziert bis zum geht nicht mehr. Wenn ich Rossi gewesen wäre, hätte ich MM bei der Anhörung noch eine links und rechts gegeben! Junge leute gehören in die Schranken gewiesen und müssen sich erst einmal Respekt verdienen.

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    Anonym

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    Wo muss sich MM denn noch Respekt verdienen?
    Der Junge hat vier WM-Titel und in der letzten Saison 13 Rennen gewonnen…

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    Anonym

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    Vorbeifahren und weg fahren wäre ok gewesen vom MM 93 aber solche Aktionen sind wertlos absichtlich wen aufhalten bis vorne der JL 99 weg ist das war diesmal einfach zu offensichtlich erkennbar kein Wunder das der Vale 46 die Nerven weggeschmissen hat Menschen mit geringerer Reizschwelle hätten ihn schon vorher vom Moperl getreten für diese Aktion

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