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Kolumne: Ist das das Ende des deutschen Motorsports?!

So oft höre ich von aktiven oder ehemaligen Rennsportlern “Früher war alles anders und früher war alles einfacher”. Als der Rennsport in Deutschland zu wachsen begann und später seine Blütezeit erlebte, galt allem was motorisiert war höchste Aufmerksamkeit. Originale wie “Mr. MZ” Heinz Rosner, Ernst Degner (Werksfahrer bei MZ und DKW), MZ-Legende Horst Fügner oder der kürzlich verstorbene Ralf Waldmann, Deutschlands erfolgreichster Motorrad-WM-Fahrer, waren unsere Helden und sorgten für euphorische Jubelstürme an den Rennstrecken und in der Presse.

Diese Zeiten sind heutzutage jedoch längst vorbei. In der schnelllebigen Welt, in der es alle möglichen medialen Übertragungswege gibt und Kameras mit 360 Grad-Funktion jeden Winkel einer Kurvenfahrt oder eines Überholmanövers aufnehmen können, verliert der Motorsport immer weiter an Bedeutung. Warum ist dies jedoch so und warum kann ich als deutsches Team, deutscher Nachwuchsfahrer, deutsche Rennstrecke oder deutsche Serie anscheinend keine Sau mehr vor dem Ofen hervorlocken?

Es mag viele Gründe haben, dass sich der Trend nach unten zu bewegen scheint und wir regelmäßig neue Mitteilungen erhalten von ganzen Rennsportserien, die eingestampft werden. Traditionelle Veranstaltungen, die aufgrund ihres “Laut”seins, “Roh”seins, “Echt”seins bei Enthusiasten nach wie vor heiß begehrt sind, jedoch aufgrund fehlender Gelder oder fehlender Genehmigungen dennoch zum Sterben verurteilt wurden. Fahrer, die Feuer und Flamme für den Sport haben und talentiert sind, in der Versenkung verschwinden, weil sie eben nicht das nötige Kleingeld oder Vitamin B haben. Rennstrecken, die in Verruf geraten, weil die ganz Großen von ihren Vorstellungen keinen Zentimeter abrücken wollen und lieber das Ende einer deutschen WM-Lauf-Ära sehen, als Zugeständnisse zu machen.

Aus einem  “ich brenne für den Sport” ist schon längst ein Kampf ums schiere Überleben in der Szene geworden. Ganze Nachwuchsfahrer oder begeisterte Sportler geben ihren Sport auf, weil er nicht mehr finanzierbar geworden ist, die Kosten für Teilnahme, Material, Reise, Unterhaltung des Motorrads und des Teams stetig gestiegen sind, jedoch die Unterstützung besonders im finanziellen Bereich und das öffentliche positive Interesse in den letzten Jahren stark zurück gegangen ist. Was anderseits zugenommen hat, ist das Schimpfen, Jammern und Meckern von Menschen, Institutionen und anderen “Außenstehenden”, die selbst nicht im Rennsport-Sattel sitzen sondern nur passiv die Szene beobachten, indirekt als obere Gewalten Entscheidungen treffen oder durch Berichterstattung ihr tägliches Brot mit dem Rennsport verdienen. Völlig unverständlich erscheint es daher, dass genau diese es auch sind, die selbst an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. 

Wie kann man sich mit logischem Menschenverstand sonst erklären, dass es zwischen Funktionären und Lizenzgebern regelmäßig Streitigkeiten gibt über die Herausgabe von Lizenzen oder die Erteilung für Genehmigungen wie es u.a. beim Fischereihafenrennen der Fall war. Wie lässt es sich als Außenstehender erklären, dass Medienvertreter ganze Serien, Teams oder Veranstalter teilweise schlecht dastehen lassen. Natürlich könnte man dies mit objektiver Meinung und Pressefreiheit begründen, genau eben diese Pressefreiheit, die es auch mir ermöglicht, eine Kolumne in dieser Form zu verfassen, doch objektiv scheint es mir oftmals nicht. Es macht eher den Anschein, dass oft persönliche Fehden und Rechnungen beglichen werden um zu seinem eigenen persönlichen Ziel zu kommen. Dass der Motorsport als Probierfeld genutzt wird, um zu schauen wer wohl den Längsten hat! 

Ganz wunderbar lässt sich dies jüngst bei den Geschehnissen und Diskussionen rund um das “Aus des Sachsenrings” beobachten. Natürlich könnte man mir hier auch Subjektivität vorwerfen, da ich aus der Region stamme. Diesen Vorwurf höre ich mir gern an! Doch was jetzt dem Sachsenring widerfährt, ist längst auch in anderen Serien und Klassen angekommen und trägt zum Motorsport-Sterben in Deutschland bei. Der Sachsenring wäre nicht das erste Opfer in Deutschland.

Natürlich ist nicht überall “alles tacko”, wie man so schön sagen würde. Doch besonders bei uns fällt es auf oder wird etwas besonders intensiv ausgeschlachtet, wenn es nicht in erster Hand erklärbar ist. Wir haben keine spanische, italienische Mentalität. Wir sind nicht geduldig, vielleicht auch nicht ganz so leidenschaftlich – auch wenn es unter uns viele Menschen gibt, die mit ganzer Seele für ihren Sport brennen. Wir sind vor allem Meckerer und Aufreger…

Wir regen uns über vermeintlich zu teure Eintrittspreise auf, ohne nach den Ursachen dafür zu suchen warum Kosten umgelagert wurden. Wir schimpfen über das falsche Rahmenprogramm, über zu kleine oder zu weit entfernte Parkplätze, darüber dass der Stammplatz schon ausverkauft ist, die Motoren zu laut oder zu leise sind. Wir regen uns auf, wenn wir neben eine Rennstrecke gezogen sind und feststellen, dass dort tatsächlich Rennen gefahren werden. Wir urteilen über “untalentierte” Fahrer, die zu Unrecht in der WM wären. Generell schimpft man gern auf die Bekloppten, die Rennen fahren, im Seitenwagen sitzen oder ihre Kinder auf die Höllenmaschinen setzen. Man kann die Liste unendlich fortführen. Was diese negativen Bewertungen und dieses Verhalten jedoch wirklich bewirkt und mit sich bringt, sind sich viele dabei wohl nicht bewusst. Wie auch?!

Es ist einfach scheinbar richtige Informationen zu erhalten. Die Mühe selbst nachzufragen, zu recherchieren, sich zu informieren oder für eine Sache zu kämpfen, macht sich kaum einer mehr.

Ohne Rennsportveranstaltungen und ohne (Hobby-)Racer braucht es keine Lizenzen und auch keine Institutionen mehr, die Lizenzen erstellen, prüfen und verwalten. Ohne Rennsportveranstaltungen in Deutschland treibt es die Fans weiter in Richtung Ausland. Der bereits jetzt schwierige Markt wird somit immer kleiner und das mediale Interesse an der Motorsportszene sinkt. Auch Sponsoren und mögliche Geldgeber reagieren auf diesen Trend und ziehen sich weiter aus diesem Bereich zurück bzw. wird es fast unmöglich werden neue Interessenten für motorsportliche Projekte zu finden.

Wenn wir diesem Trend folgen, werden wir in Deutschland alsbald nichts mehr haben, was wir bejubeln können. Wir werden keine Motoren mehr aufheulen hören. Es wird still sein, weil der Motorsport gestorben ist. Ist das nicht eine traurige Zukunftsvision? Und sollte dass nicht den ein oder anderen Wachrütteln?

Natürlich sind Eure Meinungen und Stimmen zum Thema gefragt, sowie Eure Gedanken und Ideen was der deutsche Motorsport braucht. Kommentiert fleißig. Lob oder Kritik könnt Ihr auch persönlich an die Redaktion schicken.

Text und Fotos: Doreen Müller-Uhlig

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Kommentare (5)

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    Hubert Schulze Welberg

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    Es ist leider genau wie beschrieben…wir sind halt in Deutschland, wo wir nicht einmal mehr einen Flughafen termingerecht gebaut bekommen….
    Da lobe ich mir unsere Nachbarn in Holland , die in Assen Ihre Cathedrale des Motorsports immer weiter voran treiben….

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    Pal Becker

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    Absolut auf den Punkt gebracht… Wenn wir nicht schnellstens wach werden, ALLE, sieht’s düster aus…
    Danke Doreen!

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    Eckart Rösinger

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    Im Gegensatz zu früher leben viele Rennfahrer heute den Sport nicht mehr. Rennenfahren ist neben anderen Freizeitaktivitäten eben eine Tätigkeit, nicht mehr das Leben für die man alles gibt, und eben auch mal auf etwas anders verzichtet. Das man dann schnell an die finanziellen Reserven kommt, da ja nebenbei auch noch der Tauchurlaub auf die Malediven, der 3er BMW oder die tolle Wohnung bezahlt werden muss ist klar. Nie war es so preiswert wie heute Rennen zu fahren. Die meisten Motorräder oder Motoren basieren auf Serienteilen die mit etwas Mühe und überschaubaren Kosten zur Rennmaschine gehoben werden. Denkt mal an die Zeiten wo man, wenn der Motor (2 Takt) hochging, Unmenegen in Kurbelwellen oder ähnliches investieren musste. Alles vorbei Aber: Erst muss mal ein großes Wohnmobil oder am besten gleich ein Sattelschlepper her, Teamstruktur, Catering etc. Der Sport hat sich gewandelt aber eben auch im Fahrerlager nicht nur in “Frankfurt”. Nach oder während meiner 40 Jahre langen motorsportlichen Aktivität ist mir dieser Wandel im Fahrerlager am deutlichsten aufgefallen. Man kann nicht alles haben, auch wenn es uns die Industrie glauben machen will. An dem Ende sind wir alle mitbeteiligt, das sollte jedem klar sein. Die Rennerei geht nicht nebenher, das zeigen die die Erfolg haben egal auf welchem Level. Sie geben alles, die anderen eben nicht.

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    Volker Briel

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    Eckart Rösinger hat es auf den Kopf getroffen – heute ist alles viel mehr kommerzialisierter , jeder versucht Gewinn für sich heraus zu ziehen – die Leidenschaft und Opferbereitschaft ist in den Hintergrund gerückt , das ist leider in allen Sportarten so !!

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    Stefan Bötzel

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    Es liegt auch daran das die Autos immer teurer werden. Früher hatte man ein Zugfahrzeug ,Anhänger und seinen Opel Kadett oder Ford Escort etc. und konnte Langstrecke auf dem Nürburgring fahren. Heute brauchst du einen GT3 um überhaupt mitzufahren. Der Sattelschlepper samt Ersatzfahrzeug darf natürlich auch nicht fehlen. Und da wundert man sich das keiner mehr fährt? Es ist alles viel zu überkandidelt geworden

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