Kolumne: Ein Fazit der MotoGP-Vorsaison

 

Die Vorsaison in der MotoGP ist vorbei. Einige Überraschungen hat der Winter für uns bereitgehalten, nicht zuletzt auch wegen der technischen Neuheiten im Jahr 2016. Wir möchten einmal ein Fazit ziehen, bevor die neue Saison in zwei Wochen in Katar startet.


Eine buntere Spitze dank vieler Marken


Die wohl größte Überraschung ist die Markenvielfalt an der Spitze. Auf einmal haben wir nicht nur Yamaha und Honda, die um die besten Positionen kämpfen. Auch Ducati und mit Maverick Vinales auch Suzuki waren definitiv auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Einzig Jorge Lorenzo blieb weiterhin eine Macht. Der Weltmeister hat seinem Titel alle Ehre gemacht und fuhr zum Teil weit überragende Zeiten. Für mich bleibt er vorerst der Hauptfavorit.

Teamkollege Rossi scheint noch etwas Probleme mit den neuen Michelinreifen zu haben. Zwar hat er in seiner Karriere schon lange genug mit dem französischen Hersteller zu tun gehabt, die Verschiebung des Limits in Sachen Anbremsen oder Schräglage verlangt jedoch auch von ihm wieder eine größere Umstellung ab. Er hat in den Tests stets etwas gebraucht, um in Schwung zu kommen, hat meistens jedoch am Ende des Tages seine alte Pace gezeigt. Spätestens wenn zum ersten Mal die Ampeln aus gehen, muss man Rossi auf dem Zettel haben.

Maverick Vinales ist mein persönlicher Gewinner der Wintertests. Für ihn und Suzuki beginnt eine wichtige Phase. Es scheint als hätte man den letzten Schritt zur Konkurrenzfähigkeit gemeistert. Zwar wird erst im Rennen abgerechnet, doch auch dafür ist Vinales vorbereitet. Die Pace ist gut. Wenn die anderen Fahrer die GSX-RR nicht auf der langen Geraden überrollen wie 2007 Casey Stoner bei Valentino Rossi, ist das Podium in Reichweite. Das neue Getriebe könnte zusätzlich für einen Antrieb sorgen.
 
Die Wiederauferstehung der Satellitenteams

Dass Ducati stark ist, haben wir im letzten Jahr bereits gesehen. Doch dieses Mal schafften es auch Pramac und Avintia sensationellerweise immer wieder, in die Top 5 vorzudringen. Besonders Danilo Petrucci hat mir da sehr gut gefallen. Jammerschade, dass er sich verletzt hat, sicher hätte er die Führungs- oder zumindest die Verfolgergruppe ordentlich aufmischen können. Nun muss Teamkollege Scott Redding die Eisen aus dem Feuer holen und das hat er in Katar erfolgreich getan. In dem Briten scheint doch noch Potenzial zu stecken, das letztes Jahr mit der Honda zu verblassen drohte.

Was ist bei Repsol Honda los? Diese Frage brennt einem nach den durchwachsenen Ergebnissen von Marc Marquez und Dani Pedrosa auf den Lippen. Die beiden erlebten Höhen und Tiefen. Zum einen waren es die neuen Reifen, dann an anderer Stelle die Elektronik. Kurz: Bei Honda stimmt das Gesamtpaket noch nicht. Ich bin mir sicher, dass sie nach spätestens zwei Rennen wieder zur Stelle sein werden, doch beim Saisonstart  wird es schwierig. Ein Marc Marquez konnte in der Vergangenheit immer durch seine Fahrweise viel kompensieren, doch so etwas lassen die neuen Reifen nicht mehr zu.

Einen Rookie haben wir dieses Jahr auch dabei, doch der hat es sehr schwer. Tito Rabat konnte bisher kein einziges Glanzlicht setzen. Meist viel er durch Stürze auf. Dass die Hondas mit den technischen Neuerungen wenig Kooperation zeigt, macht es dem Spanier nicht unbedingt leichter. Ein realistisches Ziel in der ersten Saisonhälfte sollte  Platz 15 sein, auch wenn das im Augenblick noch recht schwierig aussieht.
 
Rückstand bei Aprilia

Aprilia steht im Vergleich zur Konkurrenz exakt dort, wo sie auch im letzten Jahr waren. Das neue Bike ist von den Stammfahrern Bradl und Bautista erst vor zwei Wochen getestet worden. Die Zeit mit diesem Motorrad ist viel zu kurz und die Kilometer sind viel zu wenig, als dass sich irgendein Fortschritt abzeichnen kann. Gerade in der ersten Saisonhälfte wird das die Piloten mächtig zurückwerfen. Da sich die Konkurrenz auch stets weiter entwickelt, wird es schwierig, den Rückstand überhaupt aufzuholen.




Mehr werden wir sehen, wenn die Fahrer am 17. März wieder zum Losail Circuit kommen. Es bleibt auf jeden Fall spannend!

Euer
Dominik Lack
 
 
Text: Dominik Lack
Foto: Pramac Racing
 

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