Jerez-GP: Streckentalk mit Philipp Öttl

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Nach seinem grandiosen Start auf dem Circuit of the Americas vor zwei Wochen kehrte Philipp Öttl mit seinem Team Schedl GP auf europäischen Boden zurück. Beim spanischen Grand Prix möchte der 19-jährige nun seine super Quali-Leistung auch am heutigen Samstag wiederholen. Wir haben uns im Vorfeld mit Philipp getroffen und haben uns von ihm erklären lassen was das Besondere an der Strecke in Jerez de la Frontera ausmacht.

„Im Hinblick auf das Training muss man schon beachten, dass es am Nachmittag oftmals nicht so schnell geht wie am Vormittag, aufgrund der veränderten Streckenbedingungen,“ beginnt Philipp Öttl unser Gespräch. „Jerez ist eine sehr anspruchsvolle Strecke weil sie alle möglichen Kurvenvarianten hat, sowohl schnelle Kurven als auch harte Anbremsungen. Du kannst gut überholen auf dieser Strecke und das macht es schwierig. Du musst sehr genau fahren. Sehr, sehr genau. Du hast beim raus holen hier sehr wenig Platz und musst teilweise auch sehr spät einlenken und bei manchen Kurven brauch man dadurch einfach ein paar Runden um auf den eigenen Maximumspeed zu kommen.“ Dabei lag Öttl am Samstag im dritten freien Training mit 213,2 km/h auf Platz 6 und war somit schneller als Romano Fenati und Andrea Locatelli, die im WM-Ranking vor ihm liegen.

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„Erfahrung hilft einem hier auf jedenfall weiter, aber man muss bedenken dass auf der Strecke hier sehr viel gefahren wird und somit alle Piloten dementsprechend viel Erfahrung besitzen.“ Dabei muss der ehemalige Red Bull Rookies Cup-Pilot garnicht groß über die Strecke nachdenken, da er sie seit 2010 schon so oft gefahren ist. Bei all der Routine, die sich mit der Zeit einspielt, gibt es dennoch schwierige Punkte auf der Strecke, bei denen sich alle Fahrer konzentrieren müssen. „Speziell die ersten beiden Kurve auf der Strecke sind sehr, sehr schwierig. Auch Turn 9 – Angel Nieto- und Turn 10 – Peluqui – sind schwer anzufahren und sind Schlüsselstellen auf der Strecke, bei denen man sehr spät einlenkt und wo auch die Bremspunkte passen müssen.“

Bei Strecken, wie die in Austin hingegen, ist von vornherein ein anderer Schwierigkeitsgrad gegeben. Neben den noch extremeren Streckenbedingungen, allein der höheren Temperaturen wegen, ist für viele Piloten der Circuit of the Americas noch recht neu. Eigentlich mag der Peter-Öttl-Sproß die Strecke in Amerika nicht, kam aber erstaunlich gut mit den Bedingungen zurecht und holte sich im Qualifying die erste Pole Position in seiner Moto3-Karriere. Auch der Sachsenring ist lange Zeit kein Favorit für Philipp Öttl gewesen, doch auch hier galt, je öfter die Strecke gefahren wurde, desto wohler fühlte sich Öttl auf dem heimischen Circuit. Besonders die vollen Tribünen und die zahlreichen Fans machten bei so einem Event den zusätzlichen Reiz bisher aus.

Dabei bekommt man im Rennmodus kaum etwas von seiner Umgebung mit,sondern fokussiert sich voll und ganz auf die vor einem liegenden 4,423 km und die nächsten 23 Runden. „Es gibt teilweise ganz unterschiedliche Punkte auf der Strecke die man sich als Anhaltspunkte sucht. Mal schaut man wo die Kerbs beginnen, mal sind es bei den 100m-Schildern die Striche, die abgehen. Selten gibt es besondere Punkte auf der Strecke. Ich bin eher ein Fahrer, der sich meist auf das konzentriert was im Blickfeld liegt.“ Dass einem jedoch auf „Routinestrecken“ Fehler unterlaufen können, zeigte sich am Freitag als der Bayer im zweiten Freien Training stürzte.

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Den Zwischenfall schien der junge Moto3-Pilot jedoch gut weggesteckt zu haben und setzte mit dem Training sofort fort. „Wenn Du weißt warum Du gestürzt bist, geht man ganz gut damit um. Denn den Fehler wird man nicht wieder machen. Es war kein optimaler Tag.“ Und trotz Sturz war auch bei dem Deutschen eine deutliche Steigerung spürbar, rangierte das Schedl GP Team an „schlechten Tagen“ auf den Rängen 20 kommt Öttl trotz Sturz noch auf Rang 17 von 35 Fahrern. Für viele Außenstehende mag dies kein großer Schub sein, aber auch den heißeren WM-Anwärtern passieren solche Fehler. Dennoch sind nach der Platzierung auf Rang 4 im letzten Rennen natürlich die Erwartungen an Philipp Öttl gestiegen. Mit der sechstschnellsten Zeit im FP3 am Samstag ist jedoch der Grundstein für ein gutes Qualifying-Ergebnis bereits gelegt.

Ob Philipp Öttl diese Chance für eine weitere Pole Position nutzen kann, wird sich ab 12:35 Uhr auf dem Circuit in Jerez de la Frontera zeigen!

Text: Doreen Müller

Fotos: Maria Pohlmann, Tobias Linke

 

 

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