Isle of Man TT: Rennlegende John McGuinness vor Karriere-Aus

Für John McGuinness scheint das Ende seiner Karriere gekommen zu sein – zumindest als Pilot auf einem Superbike bei den Rennen auf der Isle of Man. Denn die Zukunft für die als „Mr. TT“ bekannte Rennlegende sieht alles andere als vielversprechend aus: Knapp vier Monate nach seinem schweren Sturz beim Northwest 200 leidet der 45-Jährige noch immer erheblich an den Folgen seines Unfalls.

Nicht nur Schmerzen sind sein täglicher Begleiter, auch ein orthopädisches Gestell am verletzten rechten Bein muss McGuinness noch mindestens bis Februar tragen. Ein Comeback in die Tourist Trophy scheint aufgrund des Schweregrads der Verletzungen und der Langwierigkeit alles andere als wahrscheinlich zu werden. Seine Gedanken fasste er nun in einem Interview mit „Bike Social“ in Worte: „Vielleicht kann ich noch einmal an Klassik-Rennen teilnehmen. Supertwins oder die Elektro-Bikes sind vielleicht vorstellbar, aber die großen Superbikes sind wahrscheinlich außerhalb meiner Reichweite.“
Und weiter: „Nach dem Unfall dachte ich mir: Ich steige nie wieder auf so ein Motorrad. Ich hatte meine Zeit und muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber alle Leute fragen mich ständig, wann ich wieder zurück komme und ob ich vielleicht schon im nächsten Jahr wieder starte. Anscheinend wollen alle, dass ich wieder fahre. Ich persönlich habe darauf aber noch keine Antwort.“

Die Folgen nach dem Unfall

Seine Zweifel, bald wieder in der Königsklasse der TT mitfahren zu könne, kommen nicht von ungefähr: John McGuinness hatte sich Anfang Mai im Qualifying der Northwest 200 in Nordirland bei einem Sturz den rechten Unterschenkel zertrümmert, vier Rückenwirbel sowie fünf Rippen gebrochen. Rücken- und Rippenbrüche verheilten gut, doch der Trümmerbruch im Bein entpuppte sich nach einer Rekonstruktion und Fixierung des Schien- und Wadenbeins als kompliziert. McGuinness Beine waren plötzlich unterschiedlich lang, das rechte Beine fünf Zentimeter kürzer als das linke. Ein orthopädisches Gestell soll helfen, den Längenunterschied wieder wettzumachen, indem jeden Tag das Gestell um einen Millimeter justiert wird. Schmerzen sowie die Gefahr einer Infektion sind groß. Es ist zu erwarten, dass das Bein nicht wieder die Beweglichkeit und Kraft entwickelt, die McGuinness vor dem Unfall hatte.


Trotz der gesundheitlichen Probleme und der Ungewissheit, ob er sich wieder vollständig erholen wird, betrachtet McGuinness seine aktuelle Situation dennoch optimistisch. „Mir geht es gut. Ich lerne, mit diesem fünf Kilogramm schweren Foltergerät an meinem Bein zu leben. Es ist frustrierend, doch ich hätte auch mit meinem Kopf eine Laterne treffen können, anstatt in einem Zaun zu landen. Es hätte viel schlimmer kommen können“, ist sich der 23-fache TT-Sieger seines Glücks bewusst, schließt jedoch ein endgültiges Karriereende nicht gänzlich aus.
Trotz eines schwerwiegenden technischen Defekts an der Fireblase für den sich Honda auch beim Isle-of-Man-Piloten entschuldigt hat, sieht McGuinness einer weiteren Zusammenarbeit positiv entgegen: „Sie haben zugegeben, dass es nicht mein Fehler war. Es war ein technisches Problem. Man kann jetzt mit den Fingern auf Leute zeigen und verbittert reagieren, doch es ist passiert und ich muss damit umgehen. Im Moment ist unklar, ob ich wieder mit Honda zusammenarbeite. Ich würde das jedoch gern tun“, positioniert sich McGuinness mit der Begründung: „Ich würde gern davon ausgehen, dass es im Rennsport Loyalität gibt.“
Ob John McGuinnes jemals wieder bei einem Superbike-Rennen auf der Isle of Man an den Start gehen wird, steht aktuell also noch in den Sternen. Was allerdings feststeht, ist die Tatsache, dass der 45-Jährige mit 23 TT-Siegen zu den größten Legenden der Isle of Man-Rennen gehört und ihm der Name „King of the Mountain“ auch nach einem Karriereende alle Ehre gebührt.

Text: Rowena Hinzmann
Fotos: iomtt.com

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