IRRC Hengelo: Exklusivbericht von Hanno Brandenburger!

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Nachdem es an diesem Wochenende schon wieder zur zweiten Saisonstation nach Oss geht, möchten wir noch einmal auf den Saisonauftakt in Hengelo zurückblicken und zwar aus der Sicht unseres Fahrers Hanno Brandenburger. Lest hier wie es ihm an dem Wochenende erging.“Ich kann es kaum glauben, nun ist es schon wieder über eine Woche her seit dem 2016er Saisonbeginn der IRRC im niederländischen Hengelo, 58 Kilometer von meiner Haustür entfernt. Ein Heimrennen, sozusagen. Am Freitag, dem Tag der Anreise konnte ich mich kaum motivieren, da es wie aus Kübeln regnete, so kamen wir nach absichtlichem Trödeln auch erst um 19 Uhr an. Mit Jürgen, dem GSX-R Cup-Fahrer und Mechaniker Daniel im Schlepptau, beobachteten wir, wie die Teilnehmer ihre Motorräder mit in Frischhaltefolie eingepackten Reifen über die matschige Wiese zur technischen Abnahme rollten, damit die Reifen einigermaßen verschont blieben…was für Verhältnisse, but that`s real road racing…von der Wiese auf die Strecke!

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Egal, am Samstagmorgen sollte es losgehen und ich fühlte mich, obwohl es saukalt war und das Visier beim Fahren beschlug, mit meiner von SKM in Greven überarbeiteten Yamaha R6 schon sauwohl. Wir hatten geplant die Zubehörartikel von motea (Laptimer, Reifenwärmer etc.) und Technikteile von motorrad-ersatzteile24.de (Li-Ion Batterie, Kettenkit etc.), unseren neuen Sponsoren, an diesem Wochenende zu testen. Es lief und mit einem nagelneuen Satz Bridgestone R10 fuhr ich im zweiten Qualifying gegen 11 Uhr schon 0,6 Sekunden schneller, als meine schnellste Runde, die ich je in Hengelo gefahren bin!

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Vielleicht fühlte ich mich ein bisschen zu sicher und ging auf einer schnellen Runde in der letzten Kurve vor Start-Ziel ein “bisschen” zu weit – klatsch, schon lag ich auf der Klappe, da ab ca. 1 Meter neben der Ideallinie noch so viel Dreck lag, dass ich einfach hinrutschte…direkt vor das riesige Teleobjektiv von Andi Heinze übrigens, der sich diebisch darüber freute, dass ich ihm die dem Event würdige Action bot! An eine Bananschale, die ich erwähnte, wollte er allerdings nicht so recht glauben… Mein Dank gilt an dieser Stelle übrigens auch Michael Praschak, der mein Moped den langen Weg zum Zelt zurück schob, während ich beim Doktor vorstellig werden musste. Der saß gerade in seinem Porsche und machte Päuschen. Ich hab wohl doch den falschen Beruf gewählt…

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Muschy und Daniel, unsere beiden Mechaniker, brachten die R6 schnell wieder auf Vordermann und ich konnte die zwei weiteren Qualifyings nach einer seperaten technischen Nachprüfung wieder in Angriff nehmen. Das kleine bisschen Vorsicht, dass ich nun walten liess kostete mich ca. 1,5 Sekunden pro Runde und so schaffte ich “nur” den 13. Startplatz für die IRRC herauszufahren, während ich meine gute Runde für den BeNeCup gutgeschrieben bekam, was den 9. Startplatz brachte. Am Samstag Abend beobachteten wir noch Huby Schulze-Welberg aus Darup, der mit seiner umgebauten Yamaha TRX beim Cafe-Racer Sprint teilnahm, welches erstmalig in Hengelo stattfand. Dann legte ich mich um 19 Uhr erstmal hin und machte ein Nickerchen, während die restlichen Crewmitglieder ins Partyzelt gingen und dort zauberten. Auch Jens (Honda-Rennfahrer), der extra mit seinem Sohn Tim aus Dresden das erste Mal nach Hengelo anreiste, was mich besonders freute!

Sonntag = Renntag!

P10101074 Rennen hatte ich auf dem Plan, zweimal IRRC, zweimal BeNeCup, die Sonne kam raus und damit auch die benötigte Menge an Zuschauern für solch ein Event. Viele Bekannte aus der Nähe kamen nach Hengelo, um uns fahren zu sehen. In den ersten beiden Rennen schlug ich mich “achtbar”, was ein fürchterlicher Begriff für die Leistungen eines Rennfahrers ist! In der Mittagspause, vor dem zweiten Rennen der IRRC, ging ich noch mal ganz in mich, überlegte wo ich noch die schnelle Rundenzeit wieder finden könnte, sammelte mich und ging in Angriffposition über! Ich war völlig fokussiert und fuhr die Einführungsrunde als erster durch um gleich in Renntempo loszulegen. Nichts nervt mich mehr als das rumgeeiere hinter anderen Fahrern in der Einführungsrunde…

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So, nun galt es! Attacke!!! Mein Ziel war, direkt an Pute vorbei zu starten und ihm in den ersten drei Kurven auf der Bremse paroli zu bieten, denn dann ist er immer extrem stark! Mein Plan ging nicht ganz auf, wir krachten vor der ersten Kurve ineinander, dabei bog er mir mit der Schulter den drehbar gelagerten Bremshebel nach oben. Damit die erste Kurve anzubremsen, war schon ein Kunststück für sich, gefolgt von der “Reparatur” während der ersten langen Geraden, auf der man mit der 600er ca. 240 KM/H errreicht…das kostete mich 2-3 Plätze (Videobeweis bei FB), dann war ich wieder bei der Musik!

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Im Laufe des Rennens lief ich auf Sebastian Frotscher auf, den ich von Frohburg her kannte und wusste, dass er brandschnell ist, in Hengelo jedoch das erste Mal antritt. Ich konnte ihn studieren und erkannte, dass ich im schnellen Abschnitt der Strecke besser zurecht kam und bereitete eine Attacke vor. Er war nicht leicht zu knacken, aber es gelang und ich konnte vor ihm mit einer persönlichen Bestzeit von 1.57,1 min. die Ziellinie überqueren! Das dabei nur der 13.Platz herauskam, zeigte mir die Brutalität der Konkurrenz auf, da ich noch lange nach dem Rennen zitternde Hände hatte und über die Platzierung nur den Kopf schütteln konnte. Marek Cerveny aus Tschechien fuhr mit seiner Kawasaki ZX-6R eine 1.51,8 min, Joey den Besten eine 1.52,7 min. Eine eigene Liga, wie in der MotoGP. Eine 1.53 min ist absoluten Topfahren vorbehalten, normalsterbliche beginnen bei 1.55-1.56 min, wenn Sie die Strecke schon aus dem “EffEff” kennen und alles umsetzen, was Sie jemals gelernt haben! Die breite Masse aber fährt so um 2 min, knapp drunter oder drüber. Gefühlt war ich mit meiner Rundenzeit schon fast in “Lebensgefahr”…

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Kurzum: Soviel Spass hatte ich schon ca. 6 Monate nicht mehr!!! Im letzten Rennen, dem BeNeCup fuhr ich eine “sichere” 1.58 min und liess den lieben Gott mit einem 9.Platz einen guten Mann sein!

Also auf zum nächsten Lauf der IRRC bei den Pinksterraces in Oss,NL.

Besonderer Dank geht an: Bridgestone, motea, motorrad-ersatzteile24.de, Racing-Police, MSC-Münster, Freunde und Helfer!”

Mehr über Hanno Brandenburger erfahrt ihr auch HIER.

Text: Hanno Brandenburger

Fotos: Andi Heinze

 

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