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IRRC 2017 Frohburg: Dramatisches Saisonfinale nimmt romantisches Ende

Spannend, spannender, am spannendsten: Das International Road Racing Finale in Frohburg am vergangenen Wochenende war von Überraschungen geprägt und bot Zuschauern wie Fahrern ein absolutes Superlativ an Spannung.

IRRC-Superbike

Als klarer Favourit für die Meisterschaftstrophäe in der Superbike-Klasse galt der Belgier Sebastian Le Grelle (#45) am Wochenende. Mit 30 Punkten vor dem Ranglisten Zweiten Marek Cerveny war der Abstand bereits so groß, dass du nur eine gehörige Portion Pech die Meisterschaft hätte wenden können. Doch das Unglück traf zunächst den Gaststarter und TT-Fahrer Alessandro Polita. Obwohl der 33-jährige im Qualifying seine Kontrahenten auf und davon fuhr und deutlich als schnellster Fahrer das Qualifying beendete, blieb die Pole-Position beim Rennen am Sonntag leer. Der Penz13-Pilot stürzte in seinem letzten Qualifying schwer, zerstörte seine BMW vollends, zog sich eine Fraktur im Finger zu und saß in Folge dessenzum ersten Rennstart am Sonntag bereits im Flieger gen Heimat.

Im ersten Lauf der Superbike-Klasse am Sonntag zog es zu Beginn den Tschechen Marek Cerney (#145) an die Spitze des Feldes, gefolgt von dem Sachsen Didier Grams mit der Startnummer #26. Sebastian Le Grelle verpasste hingegen einen sauberen Start und hatte zunächst Mühe und Not am Führungsduo haften zu bleiben. Der Belgier fand jedoch seine Ecken in denen er sich sukzessive an die Spitze heranfahren konnte und holte in der letzten Runde zum großen Schlag aus. Bei einer durchschnittlichen Runden-Geschwindigkeit von über 180 km/h kam es zur Berührung zwischen Cerveny und Le Grelle, wodurch letzterer von der Strecke kam und nur mit viel Glück und Können auf dem Motorrad sitzen blieb. Als Sieger des Zweikampfes und des Rennens ging somit Cerveny hervor, der somit die Titelentscheidung um ein weiteres, letztes Rennen vertagte. Als zweiter überquerrte Gaststarter Derek Sheils die Ziellinie, der kurzerhand seinen erkrankten Penz13-Teamkollegen Dan Kneen ersetzte.


Obwohl nicht im Zweikampf involviert, hatte Didier Grams am meisten unter dem Zweikampf zwischen Cerveny und Le Grelle zu leiden. Es war wohl ein von Le Grelle aufgewirbelter Stein, der den Kühler seiner BMW durchschlug, weshalb sich Grams mit einem stark qualmenden Motorrad nur noch als Fünfter über das Zeil retten konnte. Auch der Brite und ebenfalls Gastfahrer Danny Webb hatte mit technischen Problemen zu kämpfen, weshalb es ihn trotz schnellster Rundenzeit nur auf Rang neun verschlug.

Wie von der Leine gelassen, schnappte sich Webb im zweiten Rennlauf jedoch einen Kontrahenten nach dem anderen und zeigte seine Siegambitionen mehr als offensichtlich. Von Platz sechs aus begann er die Aufholjagd, machte in Siebenmeilen-Schritten jede Runde eine Position gut und führte am Ende sogar das Feld an. Derek Sheils sorgte schließlich für einen Doppelsieg im Team Penz13.com, vor Sebastien Le Grelle an drei, der die volle Punktzahl kassierte. Didier Grams wurde Vierter, Marek Cerveny Fünfter, auf Rang sechs schaffte es der Niederländer Johan Fredriks (#14).

Gewinner der IRRC-Suerbike 2017 ist mit 262 Zählern Sebastien Le Grelle, gefolgt von Marek Cerveny (228), für den es sein erstes Jahr in der IRRC-SBK war. Wie auch im Vorjahr sicherte sich Didier Grams Platz drei (204) in der Gesamtwertung, Kostamo Erno (134) eroberte Rang vier, Johann Fredriks (126) kam auf fünf.

IRRC-Supersport

Ebenfalls Krimi-Niveau hatten die beiden Läufe in der IRRC-Supersport, in der ebenfalls bezüglich einer Titelentscheidung zwischen dem Niederländer Joey den Besten (#65) und dem Schleizer Thomas Walther (#77) noch alles offen stand. Besonders für den Besten wurde das Wochenende zur Zerreißprobe als ihn am Samstag im offenen Supersport-Rennen ein kapitaler Motorschaden ereilte. So stellte sich die Frage, würde das niederländische Team Performance Racing Achterhoek es rechtzeitig schaffen bis zum ersten IRRC-Supersport Rennen einen neuen Motor in die Yamaha R6 einzubauen oder ist Frohburg sogar für Joey den Besten gelaufen? Passend zum ersten Lauf am Sonntag waren alle Umbauarbeiten abgeschlossen und das neue Herz der Yamaha hielt den enormen Anforderungen stand. Doch das sollte nicht die e Schwierigkeit sein, die es für Joey den Besten zu bewältigen gab.

Wegen des nächtlichen Regens war die Strecke am Sonntagmorgen noch nass, doch ein Abtrocknen zeichnete sich ab. Bedingungen, die die Wahl des richtigen Reifens zum Glücksspiel werden ließ. Auf Regenreifen setzten schließlich die Titelasperanten Joey den Besten und Thomas Walther. Christian Schmitz (#104) musste sich noch in der Startaufstellung technischen Problemen geschlagen geben und auch für Danny Webb, der von der Pole-Position in das Rennen startete war kurzerhand Endstation. So dominierten den Besten und Walther zu Beginn das Feld, mit der Regenreifenwahl auf der sicheren Seite. Unter ferner Liefen fuhr Gastfahrer Manou Antweiler auf Slicks, dessen MV Augusta zu Rennmitte den Geist aufgab.

Nur Laurent Hoffmann bewies das richtige Gespür der Reifenwahl: Der IRRC-Champion von 2012 und 2013 sowie TT-Isle of Man Fahrer verlor zwar in der Anfangsphase einige Plätze, konnte aber mit einem Regenreifen vorn und einem geschnittenen Slick hinten von Runde zu Runde besser angasen und einen Kontrahenten nach dem anderen kassieren. Auch Joey den Besten wurde Opfer der Angriffslust von Hoffmann und schließlich zusehen, wie die MV Augusta in der letzten Runde an ihm vorbeizog. Demnach sollte eine Titelentscheidung in der IRRC-Supersport erst im zweiten Rennen fallen.

Das finale Rennen fand am Nachmittag unter optimalen Bedingungen statt. Sieger des Rennens wurde am Ende der Brite Danny Webb, dessen Technik wieder einwandfrei funktionierte und dem Feld auf und davon fuhr. Mit einem neun-Sekunden-Abstand überquerrte Manou Antweiler die Ziellinie. Dahinter kämpften die beiden Meisterschaftskontrahenten Joey den Besten und Thomas Walther noch um den dritten Platz, welchen schließlich Thomas Walther für sich entscheiden konnte. Rang vier sollte für Joey den Besten nicht nur die Hölzerne Medaille sondern mit 233 Punkten zugleich den Sieg der Meisterschaft bedeuten. Thomas Walther ist mit 218 Punkten Vizemeister, Pierre-Yves Bian mit 182 Zählern auf Rang drei.

Heiratsantrag auf Rennstrecke

Der Glückspilz des Tages entpuppte sich jedoch erst nach den Rennen. Denn wo Leidenschaft herrscht, ist auch die Liebe nicht fern – so auch bei SBK-Fahrer David Datzer. Vor allen Zuschauern überraschte der Deutsche seine Freundin Manuela auf der Strecke mit einem Heiratsantrag. Ihre Zustimmung machte das Liebesglück perfekt.

Das IRRC-Finale in Frohburg war in jeder Hinsicht ein gelungener Saisonabschluss, bei dem auch schon weiter an der Zukunft dieser Rennserie gearbeitet wurde. Der MSC Frohburger Dreieck hat sein Straßenrennen in den zurückliegenden Jahren sukzessive entwickelt und zieht heute mehr Fahrer aus ganz Europa als je zuvor an. Auch Mitglieder der Motorsportclubs aus Riga (Lettland) und Tallinn (Estland) waren in Frohburg, um sich über die Voraussetzungen eines IRRC-Laufs in den kommenden Jahren zu erkundigen. Neuerungen für die nächste Saison sind bereits im Gespräch: Eventuell wird die Strecke in Terlicko (Tschechien) 2018 in den IRRC-Kalender zurückkehren.

Text: Rowena Hinzmann
Fotos: Andi Heinze

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