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Interview: Krämer Motorcycles – Ready to Race

Krämer Motorcycles sind in der deutschen Straßenrennszene eine feste Institution geworden. Mit der eigens entwickelten HKR-EVO 2 möchte man im nächsten Jahr nicht nur im Rahmen der Supermono-EM voll durchstarten, es werden auch Leasing-Motorräder angeboten. Racetrack-News hat mit Gründer und Entwickler Markus Krämer gesprochen.


Könnten Sie für die Leser, die noch keinen Eindruck haben kurz erklären, worum es sich bei Krämer Motorcycles handelt…

Der Hauptbereich von Krämer Motorcycles ist natürlich die Motorradentwicklung. Die HKR EVO 2 ist unser erstes Fahrzeug, das wir in Kleinserie bringen und das bis auf den Motor eine komplette Eigenentwicklung ist. Der andere Geschäftsbereich ist die Zubehörentwicklung nicht nur für unsere eigenen Motorräder. Wir machen hauptsächlich Entwicklungsarbeit für bestimmte Hersteller wie KTM, die die Produkte dann an die Kunden verkaufen. Im nächsten Jahr wollen wir zusätzlich nicht nur die produzierten Fahrzeuge verkaufen, sondern auch das Ganze zum leasen anbieten, für Leute, die gern auf Rennstrecken fahren wollen, aber kein Rennmotorrad oder die Zeit für das ganze Drumherum haben. Die können einfach anreisen und haben das Paket quasi “ready to race” da stehen.

Wie kam es zu der Idee für das Konzept?

Das geht ins Jahr 2009 zurück, als ich – damals noch mit der KTM RC8 – selbst angefangen habe auf der Rennstrecke zu fahren. Ich habe aber nach einem Jahr im Rahmen des TNT-Cups gemerkt, dass mir das Superbike zwar extrem viel Spaß macht, ich es aber nicht komplett ausquetschen kann. Da war zuviel Gewicht im Spiel und ich bereits bei Halbgas am Limit. Da hab ich mir gesagt, dass ich eigentlich ein leichteres Motorrad bräuchte. Ich war schon immer Einzylinder-Fan und auf der Rennstrecke mit hohem Lenker zu fahren wäre auch nicht das Wahre gewesen, deshalb haben wir den Einzylindermotor in das Superbike-Chassis gesteckt und quasi einen Supermono daraus gemacht.

So haben wir Ende 2009 rein als Hobby angefangen mit der HKR Evo 1, bei der wir quasi alle Serienteile von KTM für unseren Supermono umgebaut haben. Das Fahrzeug hat im TNT-Cup extrem gut funktioniert und viel Spaß gemacht. Ich habe merken können dass die Lernschritte auf der Strecke viel größer sind, als mit einem Superbike, weil man besser schauen kann, dass man eine saubere Linie fährt und Schwung mitnimmt. Wir haben das Bike immer weiter entwickelt, hatten dann jedoch irgendwann alles aus den Serienteilen herausgeholt. Das war der Moment, an dem ich mich entschieden habe auf einem weißen Blatt Papier neu anzufangen. Dabei war klar, dass die Supermonos nicht das einzige Standbein sein können, weshalb ich auch die Zubehörschiene ausgebaut habe, aus der ich ursprünglich auch komme.

Lucas Wimmer ist im Supermono-Cup mit Gesamtrang drei und den Aussichten auf den Titel eine überragende Saison gefahren. Wie sehr sind Sie damit zufrieden?

Mit der Performance des Bikes bin ich extrem zufrieden. Wir hatten natürlich einige kleinere Probleme, die wir aber abstellen konnten. Außerdem ist es eben ein komplett neues Motorrad. Das Gesamtkonzept hat super funktioniert, deswegen können wir zufrieden sein. In der Europameisterschaft muss man für das erste Jahr mit einem dritten Platz zufrieden sein, auch wenn wir uns mehr erhofft hatten. Von der Rennpace her waren wir die Schnellsten, aber nicht die Konstantesten. Es gab einige Motorprobleme dieses Jahr. So ist das im Rennsport. Um eine Meisterschaft zu gewinnen muss man ins Ziel kommen und das ist uns nicht immer geglückt.

Was haben Sie am Motorrad für das nächste Jahr geändert?
Am Motor wird sich einiges ändern, aber wir kommen von der Spitzenleistung her etwa auf das gleiche Niveau. Dabei werden wir etwas weniger Drehmoment haben als in diesem Jahr, sprich weniger Hubraum. Aber in erster Linie ist wichtig, dass die Haltbarkeit gewährleistet ist. Was hilft nämlich ein überstarker Motor, wenn er nicht hält?

Wann haben Sie in der laufenden Saison mit der Entwicklung für 2015 begonnen?
Für uns war die ganze Saison eine Entwicklungssaison. Da gab es einen kontinuierlichen Prozess. Die Probleme, die währenddessen aufgetreten sind, haben wir auch direkt behoben und neu erprobt. Der erste Rollout auf der Strecke war letztes Jahr im April. Dann haben wir extrem viel testen können, weil wir nicht nur bei der Europameisterschaft, sondern auch beim TnT-Cup, bzw. Race Orange bei jedem Event anwesend waren. Bei den Fahrzeugen, die wir diesen Winter aufbauen sind die Kinderkrankheiten abgestellt, sodass wir dem Kunden ein erprobtes, bewährtes Motorrad bereitstellen können.

Wie steht es mit der Nachfrage?
Eine riesige Stückzahl produziert man von solchen Bikes nicht. Ich werde im Winter zehn Fahrzeuge aufbauen und hoffe, dass ich im Frühjahr noch ein Paar nachlegen kann. Aber wenn ich im nächsten Jahr zwanzig Fahrzeuge verkaufe, bin ich zufrieden damit. Ein großer Wunsch wäre, dass irgendwann ein Veranstalter mit unseren Bikes einen Cup macht, ähnlich wie beim ADAC Junior Cup. Aber das ist erstmal noch eine Traumvorstellung meinerseits. Die HKR EVO 2 wäre zumindest gut für Einsteiger geeignet.

Und der Winter wird vorwiegend für die Produktion genutzt?
Ganz genau. Testen werden wir erst wieder im März, wenn wir in Mugello sind.





Text, Interview und Fotos: Dominik Lack (GSA Press)






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