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Hintergrundbericht: Der Aufwand hinter “Werner-Das Rennen”

Vorletzte Woche stieg auf dem Flugplatz in Hartenholm die Neuauflage des legendären Werner-Rennens. Damit so eine Veranstaltung funktioniert, bedarf es vieler Helferinnen und Helfer und einiges an Organisation. Wir haben ein bisschen hinter die Kulissen geschaut und natürlich darf auch das Racetrack-News-Fazit nicht fehlen.

 

Was steckt eigentlich an Aufwand und Arbeitskraft in so einem Festival?
Insgesamt arbeiteten 3.000 Mitarbeiter vor und während des Events daran, das Festival für die ca. 50.000 Menschen unvergesslich zu gestalten. Vier Wochen vorher haben sie angefangen, das Material des Wacken- Festivals zum Hasenmoor-Hartenholmer Flugplatz zu bringen. Dabei ist zu bemerken, dass sie sich das komplette Gelände z.B. durch die Aufstellung der Bauzäune, Verlegung der Wasserleitungen für die Waschstationen und Bars, Strom und die Technik der Bühnen erst einmal einrichten und erschließen mussten. Das war eine große Herausforderung. Besonders weil sie erst eine Woche vor Beginn auf das Flugfeld durften.

War 1988 als Helfer dabei: Hinnerk
(© Christoph Siegel)

Werner 1988 – Nie wieder Dampfnudeln 

Beim Schlendern über das Gelände ist uns zufällig ein alter blauer Mitarbeiterausweis von 1988 aufgefallen. Er hing an der Brust von Hinnerk, einem damaligen ehrenamtlichen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks. Er war damals als Order eingesetzt. „Es war toll, aber auch gleichzeitig die Hölle“ berichtete er uns mit einem dicken Grinsen. „Geplant waren bei uns eigentlich 8-Stunden-Schichten, die wir allerdings `leicht´ überschritten. Wir haben dann nur maximal 4 Stunden zwischen den Schichten geschlafen. Die Zustände waren schon sehr chaotisch. Selbst die Krankenwagen kamen damals nicht durch. Die Patienten, die mehr als die örtlich zur Verfügung stehende Versorgung brauchten, haben oft mehr als 2 Stunden warten müssen, bis sie zum Krankenhaus transportiert werden konnten.“. Weiterhin erzählte er, dass es am Sonntag für die Helfer kein Essen mehr gab. Durch den Hunger auf der Suche nach etwas Essbaren, sind sie auf dem Festivalgelände nur noch auf Dampfnudeln mit Vanillesoße gestoßen. „Ich fand es so ekelhaft, dass ich bis heute nie wieder Dampfnudeln gegessen habe!“ Selbst die Anwohner in den umliegenden Dörfern hätten Bier aus ihren Garagen für 6 DM das Stück verkauft. „Gab ja nix mehr.“ Auch wenn damals alles nicht wie geplant lief, war sein Fazit: „Das vergisst Du Dein Leben nicht!“

Geringe Unfallbilanz

In einem Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden des DRK Kaltenkirchen, Jürgen Schumacher, der nicht nur dieses Festival maßgeblich mit begleitet hat, sondern auch seit vielen Jahren den Sanitätsdienst für das Wacken Festival organisiert, erfahren wir, dass die Planung dieses Jahr wesentlich akribischer war. „Es war sehr schwierig, die erforderliche Anzahl an ehrenamtlichen Helfern zusammen zu bekommen, da wir auch schon das Festival in Wacken betreut hatten. Aber dennoch haben wir es geschafft.“ Für die Ehrenamtlichen aus ganz Deutschland und aus allen freiwilligen Rettungsorganisationen, die unter der Schirmherrschaft des DRK geführt werden, bedeutet so ein Festival eine lange Anreise und bis zu einer Woche Urlaub aus dem alltäglichen Job.

„Das ist aber auch die beste Chance für die ehrenamtlichen Rettungssanitäter, etwas zu lernen. Es stehen immer Ärzte mit Rat und Tat zur Seite. So dürfen sie unter Aufsicht Zugänge legen, und machen zusätzlich zu ihrer Ausbildung noch viel praktische Erfahrung.“ Zu der Unfallbilanz sagt Schumacher: „Sie war für die Größe des Festivals sehr gering. Nur 460 Patienten mussten vom Sanitätsdienst versorgt werden. Abgesehen von einem schweren Unfall beim Motorsport, bei dem der Fahrer zur weiteren Untersuchung ins Uniklinikum Kiel geflogen wurde, waren die anderen Einsätze eher Bagatellen. In vielen weiteren interessanten Gesprächen mit Ehrenamtlichen vom DRK, Johannitern und der Feuerwehr wurde uns stets berichtet, dass in diesem Jahr die Planung, Organisation und Ausführung auf einem sehr professionellen Niveau lagen und auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr gut funktioniert hat. Was die Aspekte Sicherheit, Verpflegung und die Einsätze betraf, war alles so wie es sich für ein modernes Festival gehörte.

Inklusion wird groß geschrieben

Einen ebenfalls interessanten Gesprächspartner haben wir in dem Vertreter von „Inklusion muss laut sein“ gefunden. Dieser war kein geringerer als Wacken- Opa Günther Jacobs.Gemeinsam mit dem Verantwortlichen für die Abteilung „Inklusion“ war er permanent im Einsatz, um sicherzustellen, dass sich auch Menschen mit Beeinträchtigung frei auf dem ganzen Gelände bewegen konnten und ihre Plätze auf den eigens dafür richteten Emporen exklusiv für sie und ihre Begleiter zur Verfügung standen. Diesen Job haben die Vertreter von „Inklusion muss laut sein“ und der Veranstalter sehr gut bewältigt. Auch die Bedingungen im Camp waren nach ein paar Startschwierigkeiten, was die Stromversorgung anging, sehr gut. Das bestätigten auch die E-Rolli Fahrer bestätigt. Sie fühlten sich sehr gut betreut und würden unter diesen Umständen auch gerne beim nächsten Mal wieder dabei sein.

Aus Sicht der Motorsportverantwortlichen hat nach ein Paar Startschwierigkeiten alles einwandfrei funktioniert. So wurde auch die Zusammenarbeit mit dem DMSB beschrieben, auch wenn die Vertreter erstmal verstehen mussten, dass dies keine Klassische Veranstaltung, sondern mehr eine Attraktion für das Publikum des Festivals ist. Der AHA-Effekt kam dann vor Ort. 

Gefährte aller Art gab es auf dem Campinggelände zu sehen
(© Christoph Siegel)

Das Fazit der Racetrack-News-Redakteure Ronja und Christoph lautet:

Das Rennen war zwar der große Aufzieher für dieses Event, allerdings war das Rahmenprogramm das eigentliche Highlight. Die 4 Bühnen und die 4 Rennstrecken haben für jeden Geschmack, zu jeder Zeit etwas geboten. Und wem das nicht gefallen hat, der hat sich eben auf dem Campgelände umgesehen. Dort gab es eine Menge modifizierte Fortbewegungsmittel: Vom neuen Offroadcamper, liebevoll ausgestatteten großen und kleinen Bussen, über Kuriositäten wie fahrenden Sofas und Badewannen, bis hin zu den eventuell nicht ganz TÜV-konformen, aber nach Brösel-Art modifizierten Zweirädern gab es dort allerhand zu sehen. Und zum Fachsimpeln hat man dort auch immer wen gefunden und konnte sich so bei einem kühlen Getränk die Zeit bis zum nächsten Akt vertreiben oder diesen auch mal verpassen.
Wir würden uns über eine Wiederholung sehr freuen! Selbst wenn es nicht zum Großen Rennen kommt.

 

Text: Ronja Schikorr

Foto: Christoph Siegel

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