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Halbzeit-Interview mit Jesko Raffin: „Komplett am Arsch wenn man eine Runde nicht pusht!“

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Bis zu seinem Topergebnis als bester Schweizer Fahrer beim Sachsenring-GP war es relativ ruhig um Jesko Raffin. 2015 gab Raffin sein Debüt in der Motorradweltmeisterschaft und fährt in dieser Saison mit dem Team sports-million-EWWE SAG um WM-Punkte. Im Rahmen des HJC Helmets Grand Prix haben wir die Möglichkeit einmal genutzt uns mit dem sympathischen Schweizer zu treffen und Jesko Raffin genauer kennen zu lernen. Herausgekommen ist dabei ein offenes und ehrliches Interview und die Erkenntnis, dass auch ohne einen eigenen Grandprix die Schweizer Fans ihren Idolen immer auf den Fersen sind.

„Zu Beginn habe ich es mir einfacher vorgestellt,…“

Jesko Raffins Motorsportkarriere startete im R6 Cup. Als jüngster Sieger aller Zeiten verdiente sich der damalige „Hobbyrennsportler“ bereits seine ersten Sporen. Ein Jahr später folgten drei Einsätze für das Team Switzerland im Rahmen der Weltmeisterschaft, 2014 holte sich Jesko Raffin den Meisterschaftstitel in der CEV-Repsol Internationalen spanischen Meisterschaft Moto 2. Seit dem sind nun knapp zwei Jahre vergangen. „Ausser dass ich mehr unterwegs bin, fast das Doppelte, ist für mich zumindest privat alles gleich geblieben,“ eröffnete der Moto2-Pilot das Gespräch. „Ich habe eine Schule nebenbei angefangen als Fitnesstrainer seit letztem Jahr, wo ich in der spanischen Meisterschaft zuvor nichts gemacht habe nebenher. Ich mache mehr Fitness und habe eine härtere Vorbereitung vorher und auch während dem Rennen schaue ich das ich wirklich ausgeruht bin,“ erklärte der Züricher, denn anders als in der Weltmeisterschaft wo wie jetzt zwischen Red Bull Ring und Brno nur wenige Tage dazwischen liegen, gab es in der spanischen Serie oftmals mehrere Wochen Pause dazwischen. Dass auch das Niveau ein ganz anderes ist, dessen ist sich Jesko Raffin heute wahrscheinlich mehr bewusst als noch zu Beginn seiner Moto2-Laufbahn. „Wo ich noch in Spanien gefahren bin, habe ich es mir etwas einfacher vorgestellt. Ich wusste, dass es hart sein wird aber nicht dass es so hart ist,“ erklärte Raffin rückblickend. Und nach dem das Rookie-Jahr noch als Bewährungsprobe galt, waren die Ziele für die zweite Saison in der Moto2 am Anfang klar gesteckt, in Richtung stetig in den Top 15 sollte es für den 21-jährigen gehen.

    Nach 10 Rennen war es somit auch an der Zeit für ihn selbst zu reflektieren, was aus seinen Ziel bisher wirklich geworden ist. „Damals ist man in der spanischen Meisterschaft auch mit Michelin gefahren und jetzt fährt man mit Dunlop. Das war ein grosser Punkt mit dem ich lange nicht klar kam. Ich musste den ganzen Fahrstil umändern, nicht nur wie man auf dem Motorrad sitzt, sondern auch das ganze Verhalten der Maschine an sich. Es waren viele kleine Punkte, die man nicht von heute auf morgen schnell ändern kann. Dadurch habe ich, bis ich das Gefühl für die Front bekommen hatte, viel Zeit verloren,“ berichte Raffin und anders als in der spanischen Meisterschaft, wo man auch mal zwei Runden nachlassen könne, wird es in der WM sofort bestraft, wenn man im Rennen auch nur eine Runde etwas nachlässt. „Man ist komplett am Arsch, wenn man eine Runde nicht pusht!“ fasste er kurz zusammen.

    „Brünn wäre eine sehr geile Strecke,wenn…“

    Doch neben dem Vertrauen zum Bike, hilft einem auch ein gutes Gefühl für die Strecke um die bestmöglichen Resultate zu holen. Mit dem traditionellen Kurs in Tschechien ist Jesko Raffin jedoch noch nicht so ganz warm geworden. „Brünn wäre echt eine sehr geile Strecke wenn der Asphalt erneuert wird, da sie schon viele Bodenwellen hat. Letztlich sind die Bedingungen jedoch für alle gleich. Im Allgemeinen muss für mich eine Strecke nicht schnell sein, aber flüssig.“ Und während der Grossteil der Fahrer ein oder zweimal im Jahr in heimische Gefilde kommt und sich dort vor seinen Fans präsentieren darf, fehlt eben genau dies in Raffins Heimatregion. Denn nach wie vor gilt das Rennverbot für die Schweiz.  „Es ist nicht wie in Spanien! Zumindest eine Strecke zu haben wäre gut. Die, die sich jedoch für den Sport interessieren, sind allerdings  schon richtige Fans und für die macht es keinen Unterscheid ob Spanien oder Schweiz. Und da wir keinen eigenen Heim-GP haben, ist das bei unser eher der Sachsenring und Red Bull Ring, wo sehr viele Schweizer kommen. In jedem Rennen sind immer Schweizer dabei, die sehr weit reisen dafür. Selbst in Japan sieht man einige Schweizer Fahnen und man erfährt überall die Unterstützung von zuhause,“ schwärmte Raffin.

    Dennoch ist es besonders in der deutschsprachigen Medienwelt sonst eher ruhig um den jungen Mann mit der Startnummer 2. Tom Lüthi und Dominik Aegerter sind eher zwei Piloten, über die häufiger berichtet wird. Dabei ist spätestens seit der Regenschlacht am Sachsenring klar, dass auch Jesko Raffin das Potenzial besitzt vorn mit zu fahren. Enttäuscht darüber, dass das mediale Hauptinteresse seinen Landsmännern gilt, scheint Raffin jedoch nicht. „Es ist wie in jedem Land. Wenn Du sehr gut bist, wird etwas mehr über Dich geschrieben und wenn es weniger gut läuft, dann ist der für den es  besser läuft grösser dargestellt. Das ist ganz normal. Aber auch wenn Du ein paar mal hintereinander schlecht fährst, wirst du nicht einfach vergessen von der Schweizer Presse,“ stellte der ehemalige spanische Meister klar. 

    „Allein stemmen kann man den Rennsport nicht“

    Dass es in Zeiten wo es nicht so gut läuft nicht nur die Presse braucht, die hinter einem steht, sondern auch Familie und das gesamte Umfeld, ist etwas, was so ziemlich jedem Rennsportler wichtig ist, auch Jesko Raffin. „In meiner Laufbahn gibt es verschiedene Stufen, die ich hatte. Wo es mal ein ausprobieren war, es gibt die Stufe wo es ein Hobby war, wo ich gedacht habe es wäre schön mal eine Meisterschaft zu gewinnen, wo man dann schaut weiterzukommen. Und zu jeder Stufe gehört jemand anderes dazu, der mich unterstützt hat. Bis zum R6 Cup war es meine Familie vor allem mein Vater mit dem ich die meiste Zeit unterwegs war. Und dann in der spanischen Moto2 wo es eigentlich unbezahlbar für meine Familie war, kamen wir zum Glück mit Marco [Anm.d.Red. Marco Rodrigo, Raffins heutiger Manager] zusammen, ohne den ich wahrscheinlich eine ganze normales Ausbildung jetzt machen würde. Durch ihn konnte ich bis hierher kommen. Natürlich braucht es auch all die Sponsoren, die mir helfen und an mich glauben. Denn allein stemmen kann man so einen Sport auch nicht! Und obwohl ich dadurch einige Flecken der Erde gesehen habe, freue ich mich am freue immer wieder zu Hause bei meiner Familie zu sein.“

    Text: Doreen Müller

    Fotos: Maria Pohlmann

     

     

     

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