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Großes Colin Edwards-Interview-Special Teil 1: Wir waren alle wie Brüder

Colin Edwards fährt seit über dreißig Jahren Motorradrennen. Er wurde 2000 und 2002 Superbike-Weltmeister und kam schließlich 2003 mit Aprilia in die MotoGP. Seit dem hat der “Texas Tornado” in der Königsklasse 12 Podiumsplatzierungen eingefahren. Anfang dieser Saison hat er mit seinen 40 Jahren den Rücktritt für 2015 bekannt gegeben. Anlass für Racterack-News, sich etwas näher mit dem erfahrensten Mann im Fahrerfeld zu unterhalten.



Colin, Du bist der älteste Pilot im Fahrerlager. Ist Deine Sicht auf den Motorradrennsport nun eine andere als in Deiner Anfangszeit?

Sicher als ich angefangen habe mit neun war ich ein junger Einfaltspinsel, der nur gewinnen wollte. Meine Einstellung hat sich sehr geändert mit den vielen Erfahrungen und Rennen, die ich auf dem Buckel habe. Jetzt geht es nur noch darum, das Bike überhaupt zum laufen zu bringen, vor allem auch beim testen. Vor vielen Jahren ging es darum, so schnell wie möglich zu sein, jetzt zwar auch noch, aber das ist nicht mehr das Wichtigste.

Bist Du nun so etwas wie der ratgebende Guru im Fahrerlager, der sich gern auch mal genüsslich und mit lachendem Auge zurück lehnt und die jungen Fahrer Fehler machen sieht, die Du selbst gemacht hast?

Absolut, Aber in unserem Sport geht es ja quasi nur ums gewinnen. Die Überschwänglichkeit der ganzen Kids auf der Rennstrecke kann man in allen Trainings, Qualifyings und Rennen sehen. Das ist dann immer sehr erfrischend (lacht). Rat gebe ich wahrscheinlich eher im Boot Camp, denn wir haben ja alle den gleichen Job.

Lass uns einen kleinen Zeitsprung machen. Gibt es in Deiner Karriere Rennen, die für Dich so besonders sind, dass sie herausstechen und Du Dich besonders an sie erinnerst?

Imola 2002 als ich um den WM-Titel gegen Bayliss gefahren bin. Das ganze erst im allerletzten Rennen zu entscheiden war definitiv mein Highlight Nummer 1. Grade in dem Jahr hatte ich eine Reihe von Rennen mit richtig guten Fights. Ich konnte damals 9 Rennen in Folge und den Titel gewinnen. Eines der besten Rennen war in Oschersleben. Vor Jahren sollte ich mal für einen Artikel die Frage beantworten, was meine beste Rennrunde auf einer Strecke war und ich weiß noch immer als wäre es gestern gewesen:
2002 Oschersleben. Wir hatten schon den Rundenrekord. Ich wusste, dass Bayliss vielleicht in der Lage ist, mit mir zu kämpfen, allerdings nur, falls er an mir dran ist. Wir sind also gestartet und ich habe schnell den Rundenrekord geknackt. Und dann nochmal, nochmal und nochmal. Ich bin so etwa 5 Runden lang Rekorde gefahren und habe versucht so schnell zu sein wie es geht. An so ein perfektes Rennen erinnert man sich dann natürlich.

Hast Du noch guten Kontakt zu Bayliss?

Ja wir haben noch viel Kontakt. Er macht ja diese Bayliss Classics Dirttrack-Events. Dazu versucht er mich immer einzuladen und ich ihn im Gegenzug ins Bootcamp. Bisher hat es nicht geklappt, aber das kriegen wir schon hin.

Die Dorna sitzt jetzt auch in der Superbike-WM am Hebel. Warst Du seit dem mal wieder im Paddock und kannst vielleicht den Unterschied zwischen der Atmosphäre dort und der MotoGP erklären?

Sicher hat sich dort etwas verändert, aber ich war länger nicht mehr im Superbike-Paddock. Tja, wie war das Fahrerlager dort in der Vergangenheit…Wir waren alle wie Brüder. Auch gab es nicht so strikte Regeln für die Motorhomes. Man konnte also auch seine TV-Schüssel aufstellen und wir hatten abends meistens fette Barbecues. Alles war viel relaxter. Hier in der MotoGP ist alles mit Arbeit verbunden. Am Ende ist es aber genau so wie es eigentlich sein sollte. Auch mit der ganzen Berichterstattung im Fernsehen und den Medien. Ich mag beide Paddocks, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich die MotoGP vorziehen.

-Fortsetzung folgt-


Text, Interview und Fotos: Dominik Lack

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