Fishtown-Sieger Sascha Schoder: Lob für Organisation, Kritik an der Presse

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Sascha Schoder hat beim 59. Fischereihafenrennen ordentlich abgeräumt. Der Stammfahrer in der Gladius Trophy ging mit seiner Suzuki Gladius sowie einer BMW S1000 an den Start. Beide Rennen der Klasse 11 konnte er gewinnen. Bei den Superbikes schaffte Schoder einen zweiten Rang. Wir haben mit dem Burgwedeler gesprochen.

 

Wie liefen die Rennen aus Deiner Sicht? Bist Du mit dieser starken Bilanz zufrieden?

„Ich bin mit dem Rennverlauf aller Rennen absolut zufrieden. Die engen Fights mit Nick (Weidemann), Gordon (Hensel) und besonders Tim (Turowski) haben unfassbar viel Spaß gemacht. Tim war schon zweimal vorne, aber ich hab mich auf der Bremse jedes mal wieder sofort vorbeigepresst. Auch Gordon, dem leider die Kette gerissen ist, hat mich im ersten Rennen zwischen den Hallen ausbeschleunigt, in der Kutterkehre konnte ich aber dann wieder kontern und den Sieg nach Hause fahren.“

Wie verhält sich die Gladius auf dem Kurs und was muss man tun, um hier schnell zu sein?

„In Hamatsu muss man 2008 Fishtown mit in die Entwicklung der Gladius einbezogen haben, anders ist die Performance des kleinen Bikes auf dem engen Kurs nicht zu erklären. Die Mupogabel von Zupin ist darüber hinaus brutal bremsstabil, was einem hier besonders zugute kommt. Um schnell zu sein muss man sich komplett zu 100% und manchmal auch mehr reinhängen. Die ersten Jahre bin ich immer nur gefahren, um am Event teilzunehmen, dann kann man auch ruhig mal etwas rumtrödeln. Willst Du aber gewinnen, musst Du alles geben und darfst Dir nicht die kleinste Schwäche erlauben.“

Warum entscheidest Du Dich immer dazu, hier beim Fischereihafenrennen zu starten?

„Weil es jedes Jahr wieder mit Abstand das geilste Rennwochende des Jahres ist. Fans, Teams, Zuschauer, Fahrerkollegen und das Flair sind einfach atemberaubend, einfach: Laut-Roh-Echt!“

Gibt es noch etwas an der Veranstaltung, wo Du Verbesserungsmöglichkeiten siehst?

„Natürlich wünscht sich jeder von uns nicht unnötig lange im Vorstart zu stehen, weil die Reifen schnell auskühlen aber so ist es bei einem 2,7km kurzen Roadracing-Kurs nun einmal. Letztes Jahr habe ich nach einer Unterbrechung darum gebeten, dass wir 2 Aufwärmrunden bekommen, Kenny hat mir nur den Daumen gezeigt, alle informiert und schon hatten wir Gelegenheit die Pellen warm zu fahren.

Eins liegt mir aber noch am Herzen. Wir wissen alle welch schwerer Unfall am Wochenende passiert ist und es ist in Worten nicht auszudrücken welch eine Tragödie das für alle Anwesenden und besonders indirekt oder gar direkt Beteiligten ist. Trotzdem dürfen muss die Racinggemeinde gerade in solchen Zeiten der ketzerischen Presse die Stirn bieten. Ich bin fassungslos über die Berichterstattungen mit Video von Radio Bremen, die Titelseite der „Nordseezeitung“ und einmal mehr über Speedweek.com. Es ist traurig, dass der Motorsport in Deutschland scheinbar nur dann für genug Klicks sorgt, wenn etwas Schlimmes passiert ist.

Pressefreiheit hin oder her, das Bild eines um sein Leben kämpfenden Fahrers reißerisch auf der Titelseite abzudrucken wirft in mir einmal mehr die Frage auf wie viele Menschen gestern wohl in ihrer Dusche ausgerutscht sind und sich ein Schädelhirntrauma zugezogen haben oder betrunken gegen den Baum gerast sind!? Wir betreiben ein äußerst risikoreiches Hobby, umso mehr wenn wir uns beim Roadracing ins Grid stellen, aber es steht im Dezember ganz selten einer mit einer Pistole hinter mir und zwingt mich dazu die Nennungen auszufüllen, im Gegenteil! Ich freu mich immer wie ein Schneekönig auf die Bestätigung im April, alle im Team erleben Jahr für Jahr ein famoses Wochenende im „Fish“. Man kann der Organisation, den Helfern und den Streckenposten nicht oft genug für ihren Job danken. Ich habe gestern nach dem Rennen bei vielen angehalten, um ihnen den Verdienten Dank entgegenzubringen, kam gut an und war vor allem eins: Ehrlich!“

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Text: Dominik Lack

Fotos: JK Sportsfoto (Titelbild), Dominik Lack (unten)

 

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Kommentare (7)

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    Jochen

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    Klare Worte denen nichts hinzuzufügen ist!

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    Michael

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    Danke, du hast so geschrieben wie die meisten hier denken

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    Godber

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    Danke.
    Danke für die Rennen, die Du gefahren bist, danke an alle Organisatoren, danke für Deine klaren Worte.
    Die Speedweek disqualifiziert sich mit solcher Art Berichterstattung.

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    Frank Behrje

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    Den Worten von Sascha ist nichts hinzu zu fügen!!!!!!
    Ich habe so gut wie alle Veranstaltungen seit Neubeginn, als Fahrer, mitgemacht. Wir alle wissen dass Rennsport gefährlich ist !!
    In meinem Beruf als Notfallsanitäter sehe ich jeden Dienst wie das Schiksal zuschlagen kann. Und trotzdem fahre ich seit über 20 Jahren Rennen und werde es weitehin tun…!!!!!

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    Karl

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    Zu diesen Zeilen muss man nichts mehr sagen. Den damit ist alles gesagt.

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    Helmuth

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    Danke für die klaren Worte. Ich bin einer der „Österreicher“ aus der Streckensicherung. Die Medien brauchen anscheinend einfach reißerische Aufmachungen, sonst würde sie keiner lesen.
    Es tut gut so eine Meinung aus dem Munde eines Fahrers zu hören.

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    Sascha

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    Vielen Dank für all Euren Zuspruch,

    der deutsche Rennsport kann dieses deutlich vertragen. Wer sich auf die Seite der Veranstalter schlägt kann nichts richtig machen, immer haben überall welche was zu maulen, die noch nichts auf die Kette bekommen haben. Alle wissen es besser, alles ist zu teuer, zu gefährlich, zu kommerziell, zu diesdas.
    Wir müssen uns alle zusammen anschicken die traditionsreiche Flamme der Fishtown Open weiter erhellen zu lassen. Ich hatte dieses Jahr zum ersten Mal Freund Steven und seine Gladius dabei. Nach dem ersten Training war er sofort mit dem Virus infiziert, wohl wissend, dass es gefährlich ist was wir dort draußen fabrizieren. Zeitgleich musste er jedoch auch feststellen, dass es kein „REINHALTEN“ auf der Strecke gibt. Auf dem Track wird aufeinander acht gegeben und immer das nötige bißchen Platz gelassen um notfalls auch gemeinsam ins Eck einbiegen zu können und das ist auch gut so.
    Gegenseitiger Respekt und ehrlich empfundene Wertschätzung kommen auf der Rundstrecke oft aus Egogründen zu kurz, es wird darauf geschaut wer was fährt, wann frische Reifen drauf sind usw. All das ist im Fish nicht wichtig, es geht darum ein tolles Rennen zu fahren und den Zuschauern danach eine gute Show zu bieten. Eine Show die sie so hautnah nie irgendwo anders zu sehen bekommen. Danach den Fahrer im Zelt noch auf die Schulter zu klopfen und Anerkennung auszusprechen ist anderswo undenkbar, in Bremerhaven normal.
    Steven, ich und das ganze Team stehen auch 2017 wieder vorm Kühlhouse, kommt uns dort gerne jederzeit besuchen!!!

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