Fischereihafenrennen 2015: Exklusivinterview mit Julian Neumann nach seinem Sieg in Lauf 2


Nachdem das Fischereihafen Rennen schon ein Paar Tage zurückliegt und das tägliche Geschäft wieder seinen gewohnten Gang geht, traf sich Racetrack-news.de mit dem Langenhagener Kawasaki Piloten Julian Neumann, um mit ihm über seinen Erfolg beim zweiten Lauf in Fishtown zu sprechen.


Du konntest in „Fishtown“ in diesem Jahr mit der Pole und einem Sieg zwei große Erfolge erzielen, dabei verlief die Vorbereitung nicht ganz nach deinem Geschmack. Was war passiert?

Ja also erstmal verlief die Vorbereitung nach Plan. Ich konnte meinen wöchentlichen Sportplan gut einhalten und fuhr zwei Langstreckenrennen, sowie zwei Rennstreckentrainings in Oschersleben.
Beim letzten Rennstreckentraining in Oschersleben, gut eine Woche vor „Fishtown“ bin ich aber in der letzten Kurve per Highsider abgeflogen und habe das Motorrad fast zur Hälfte beschädigt!

Denkbar schlecht, eine Woche vor dem „Fishtown“ Event. Hast Du Dich dabei auch noch verletzt?

Ja ich bin bei dem Sturz auf die rechte Schulter gefallen. Danach tat bei manchen Bewegungen die Schulter ziemlich weh. Schlimmeres ist aber nicht passiert.

Wie habt ihr das Motorrad die Woche wieder startklar bekommen, schließlich musstet ihr Freitag schon wieder los nach Bremerhaven?

Meine Freundin und ich haben uns vor bzw. nach der Arbeit hauptsächlich um das Design, Anbringung der Sponsorenaufkleber etc. gekümmert, während mein Vater das Motorrad technisch wieder auf Vordermann gebracht hat, denn der Tank und die Verkleidung waren kaputt, sowie die hintere Felge verbogen. Am Freitag um 18 Uhr sind die Reparaturarbeiten erst zu Ende gewesen.
 
Das erste Training fand am Sonntag statt. Was habt Ihr den Samstag über gemacht?

Also in diesem Jahr war das Wetter am Samstag natürlich super, sodass man Bremerhaven richtig schön genießen konnte! Da an den Trainings und Renntagen immer wenig Zeit zum Plaudern mit anderen Fahrern und Freunden ist, tut man dies am Samstag. Abends ist zudem noch die Fahrerlagerparty, wo man noch gemütlich beisammen sitzt.

Du konntest am Sonntag im Qualifying die Pole vor Thilo Günther einfahren, nachdem du am Vormittag noch auf dem 5. Platz gelandet warst. Wie kam es zu der Pole Position?

Also wenn man im Vorfeld weiß, dass man vom Material und Befinden her vorne mitfahren kann, ist es „überlebenswichtig“, dass man im Training als einer der ersten rausfährt. Man hat ca. 10 Runden Zeit, wovon max. die Hälfte freie Runden sind, um eine ordentliche Zeit hinzulegen. Durch meinen guten Vorstartplatz hatte ich den Vorteil, schnell auf der Strecke sein zu können und bin mit den Günther Brüdern Thilo und Moritz, sowie Elmar Geulen als erstes auf die Strecke gefahren.

Musstet ihr nach dem Quali noch etwas gravierendes am Motorrad verändern?

Ich bin das erste freie Training rausgefahren und dadurch dass wir jetzt einen Leistungszuwachs von 14 PS (von 186 PS auf 200 PS Anm.d.Red.) haben, veränderte sich im Prinzip alles an dem Motorrad.
Wir mussten die Übersetzung entschärfen, da das Vorderrad permanent abhob. Also entschieden wir uns für ein kleineres Kettenrad hinten, was uns definitv Abhilfe bei dem Problem gab.
Nach dem Quali allerdings mussten wir nichts großes mehr verändern.

Wie hast du geschlafen die Nacht von Sonntag auf Montag? Schläft es sich als Polemann besser?

Der Schlaf war leider zu kurz! Da bis tief in die Nacht rein die Fahrerlagerparty ist, wollten meine Freundin und ich auswärts schlafen, um ruhig schlafen zu können. Wir sind somit mit unserem Transporter etwa 3 km auswärts gefahren.
Allerdings habe ich da einen kleinen Fehler gemacht und bin in einem abgelegeneren Weg mit dem Vorderrad in aufgeschütteten Sand (welcher auf dem ersten Blick aussah wie normaler Rasen!) stecken geblieben, sodass wir aus eigener Kraft auch nicht mehr rauskamen. (lacht)
Erst ca. eine Stunde später kamen Fischer vorbei, die im Hafen geangelt hatten und zogen uns mit ihrem Auto wieder raus. Schlafen konnten wir im Endeffekt erst gegen 1 Uhr nachts und der Wecker ging morgens wieder um 8 Uhr.

 
Nach einer kurzen Nacht ging es Montag Mittag in das erste Rennen, was leider mit einem Sturz endete. Wie lief das Rennen bis dahin?

Also der Start war eigentlich ganz gut, wobei mich Thilo und Moritz Günther in den ersten zwei Kurven gleich überholten und ich nur noch auf Platz 3 lag. Danach brauchte ich zu lange um an Moritz Günther vorbeizugehen. In der Zeit konnte Thilo vorne schon einen kleinen Abstand herausfahren.

Bei der Aufholjagd auf den Führenden bin ich übers Vorderrad in der letzten Schikane gestürzt.
Im Nachhinein muss ich sagen, hatten wir uns für den falschen Luftdruck und die Temperatur der Reifen entschieden. Der Asphalt war noch ziemlich kalt. Ich fühlte mich das Rennen über nie richtig sicher und bin viel gerutscht. Durch den Sturz ist leider der Fußrastenhalter auf der linken Seite abgebrochen und das Schaltgestänge hing herunter, somit konnte ich nicht mehr weiterfahren.

Deine Schwester hat zwischen den beiden Rennen den Spitznamen „die Reifenflüsterin“ bekommen. Was hat es damit aufsich?

Ja das stimmt. Wir haben darüber philosophiert, dass die Reifenwärmer die Reifenflanken evtl. nicht richtig auf Temperatur gebracht haben. Die antreibende Idee andere Reifenwärmer von einem Bekannten zu nutzen und die Reifen auf eine höhere Temperatur zu bringen, kam schließlich von meiner Schwester.
Und dass gut vorgewärmte Reifen wichtig sind in Bremerhaven, hatten wir in Lauf 1 gesehen, wo der Reifenwärmer nicht mal auf 80 Grad hochgeheizt hat. Für den zweiten Lauf konnten wir mit den neuen Reifenwärmer auf eine Temperatur von knapp 100 Grad heizen.

Wie war das für dich vor dem zweiten Lauf. Was ging Dir die letzten Minuten bevor du auf´s Motorrad gestiegen und zum Start gefahren bist durch den Kopf?

Also erstmal bin ich generell kurz bevor es los geht sehr konzentriert und man darf sich dann nicht mehr ablenken lassen. Eventuell überlegt man sich in der Konzentrationsphase auch noch eine kurze Taktik fürs Rennen.

Du hast den zweiten Lauf schließlich gewinnen können. Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Für meine Verhältnisse verlief der Start wieder gut. Wichtig war für mich, dass am Start das Vorderrad nicht zu hoch stieg, das konnte ich auch vermeiden. Moritz Günther kam allerdings als bester weg und übernahm die Spitze. In der zweiten Kurve überholte mich Thilo Günther und ich lag erstmal nur auf dem dritten Rang. Nachdem sich Thilo wie im ersten Lauf an die Spitze setzen konnte, überholte ich Moritz gleich nach der ersten Runde am Ende der Start und Zielgeraden. Wenig später konnte ich Thilo in der Haarnadel links beim Anbremsen schnappen und die Führung behaupten.

Im Ziel war ich natürlich überglücklich, denn dieser Sieg hier in „Fishtown“ ist für mich der wichtigste von allen bisherigen Erfolgen!
 
 
 
Text: Sebastian Lack        
Fotos: Dominik Lack

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