FHR 2017: Thilo Günther über Pikes Peak und Fishtown

Thilo Günther kommt als einer der Top-Favoriten zum Fischereihafenrennen und sicherte sich heute auch die Pole Position in der Klasse 1. Der BMW-Pilot hat allerdings neben einem seiner Lieblingsevents noch eine andere Veranstaltung im Kopf, die ihre Schatten voraus wirft. Wir haben uns mit dem Bielefelder, der zudem bald erneut Vater wird, über die anstehende Herausforderung unterhalten.

 

Die Vorbereitung auf das Fischereihafenrennen war ja dieses Jahr für Dich ein bisschen anders als sonst, weil Du in Kürze noch was anderes Großes vor hast…

Genau. Mein Traum war es immer, Pikes Peak zu fahren. Für die, die das nicht kennen: Das ist das bekannteste Bergrennen der Welt in Amerika. Walter Röhrl ist dort 1987 quasi weltberühmt geworden mit seinem Audi-Sieg. Dieses Jahr fahren wir dort mit. Es geht 20 Kilometer den Berg hoch mit 156 Kurven. Ich kämpfe da als Hobbyfahrer gegen Werksfahrer.

Die BMW habt Ihr schon verfrachtet?

Ja, am Dienstag waren wir bei Lufthansa Cargo, unserem Sponsor und wurden eingeladen dabei zu sein, wie das Motorrad ins Flugzeug verbracht wird. Da hatten wir einen richtig geilen Tag. Nachzusehen ist das übrigens bei Jens Kuck auf dem Youtube-Channel.

Deinen Social-Media-Auftritt hast Du vor kurzem etwas professionalisiert. Hat das auch mit Pikes Peak zu tun?

Auf jeden Fall. Eigentlich habe ich gar keine Zeit dafür (lacht), aber es macht schon Spaß, wenn sich Leute melden nachdem ich ein Video gemacht habe – natürlich nicht professionell, sondern einfach ganz normal wie ich halt bin.

Was steht für Dich bei Pikes Peak im Vordergrund: Der Spaß oder die sportliche Herausforderung?

Ich möchte natürlich gut abschneiden, kann das aber überhaupt nicht einschätzen. Ich bin ja auch erstmal froh, dass ich überhaupt einen Startplatz bekommen habe. Da kann man sich nämlich nicht einfach anmelden, sondern man muss eine richtige Bewerbung schreiben, in der man vorlegt, was man schon alles gefahren ist. Dann sucht ein Gremium die Fahrer aus. Es starten nur 35 Motorräder insgesamt und 65 Autos. Wir fahren in der Heavy Weight-Klasse und dafür gab es nur 8 Startplätze. Ich hätte also nicht unbedingt gedacht, dass das klappt. Alleine hätte ich das auch nie hinbekommen und da muss ich der Firma Wunderlich meinen größten Dank aussprechen, die das alles geregelt hat.

Was hat Wunderlich am Motorrad gemacht?

Das Motorrad ist eine BMW R1200 R, die wir schon seit 2015 im Einsatz haben und mit der ich in Bremerhaven letztes Jahr die Twins und Triples einmal gewinnen konnte. Wir haben also schon Erfahrungen mit dem Bike. Unser Sponsor Ilmberger Carbon, die viele vielleicht aus der Moto2 kennen, hat das Motorrad mit Carbon-Teilen leichter gemacht. Außerdem ist das Heck komplett neu, das ABS haben wir rausgeschmissen, sodass wir alles in allem nochmal 15 Kilo damit gespart haben.

 

Wie bereitest Du Dich als Fahrer vor?

Das ist eine gute Frage. Seit Anfang Januar bin ich dreimal die Woche im Fitnessstudio. Eigentlich hasse ich das (lacht), aber ich habe einen Kumpel, der das mitmacht. Wir waren also immer um halb fünf vor der Arbeit eine Stunde da. Bis vor einer Woche habe ich das durchgezogen und war auch selbst erstaunt, dass das geklappt hat. Sonst war ich viel Laufen und bin viel Enduro gefahren. Ich denke, dass das wichtigste ist: Motorrad fahren.

Kommen wir aber noch auf das Fischereihafenrennen zu sprechen…Besonders Klasse 1 ist dieses Jahr unheimlich stark besetzt mit Namen wie Grams, Datzer, Neumann, Schoder. Meinst Du das Fishtown-Wochenende wird deswegen hart?

Also ich finde das super! Klar möchte ich gewinnen, aber wenn jemand stärker ist, habe ich da Respekt vor. Ich möchte das Wochenende Spaß haben und mir Pikes Peak, was ich wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben machen werde, nicht versauen. Trotzdem gebe ich natürlich Gas, aber ich sage mal: Wenn ich neben jemandem auf eine Kurve zufahre, würde ich diesmal eher den Rückzieher machen. Viele sind von der IRRC dabei, was mich natürlich freut. Die Leute sind einfach entspannt und das ist es, was ich am Road Racing liebe. Es ist ein ganz besonderes Feeling, was man nirgends sonst hat. Hier hat man zudem 20.000 Zuschauer, die nach jedem Training ankommen und fragen wie es läuft. Das ist einfach geil.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei der Familie Hinck bedanken, deren Sinn des Lebens quasi das Fischereihafenrennen ist. Ich finde es sehr schade, dass der DMSB solchen tollen Leuten einen Knüppel in den Weg legt. Die ziehen das hier seit Jahren toll auf und dann kommt der DMSB mit Auflagen um die Ecke. Ich möchte nicht, dass das hier aussieht wie auf einer Formel 1-Strecke. Die Leute möchten Road Racing mit Strohballen. Das gefährlich ist, weiß jeder von uns. Ich habe schon viele gehört, die gesagt haben, dass man ja gar nichts mehr sieht und an die Strecke kommt.

 

 

Text: Dominik Lack

Foto: Dominik Lack

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