Extra Story: Der ideale Rennfahrer

Marc Marquez ist ein Ausnahmekönner, darüber lässt sich spätestens nach seiner atemberaubenden Titelverteidigung im letzten Jahr nicht mehr diskutieren. Doch was macht einen guten Rennfahrer aus? Sicher würden viele Motorsportler nur allzu gerne hinter das Marquezsche Geheimrezept kommen, doch gibt es überhaupt eins?


Ich habe mit verschiedenen Piloten über den „idealen Rennfahrer“ gesprochen, es gab viele unterschiedliche Antworten, doch ein Paar Punkte haben sich als Konsens herausgebildet:

1. Für diesen Sport muss man brennen. Die meisten Fahrer sind mit der Leidenschaft für Motorräder und Speed groß geworden. Das prominenteste Beispiel sind Fahrer wie Valentino Rossi oder Leon Haslam, deren Väter selbst Motorradrennen gefahren sind. Der Punkt ist dabei, dass man Spaß hat an der Sache hat. Ohne ein Faible für Geschwindigkeit kann man diesen Sport nicht betreiben. 

2. „You have to be determined“ ( Jonathan Rea): Man muss als Rennfahrer ein klares Ziel vor Augen haben. Um dieses Ziel zu erreichen muss man gewillt sein, alles nur Mögliche zu tun. Auf den Fall Marquez bezogen bedeutet das soviel wie „Ich will gewinnen und wenn das Setup es heute nicht zulässt, dann versuche ich es eben mit Gewalt“. Diese Bestimmtheit ist es, die einen Rennfahrer dazu bringt, sein eigenes Limit zu überschreiten und die Grenzen des augenscheinlich Machbaren zu erweitern. 

3. „Never give up“ ( Jorge Lorenzo). Rückschläge gehören genauso zum Sport wie Erfolge. Als Jorge Lorenzo 2008 in die Motogp-Klasse kam und mehrfach schwer stürzte, wollte er zunächst mit dem Rennsport aufhören. Letztlich hat er mit professioneller Beratung jedoch einen wichtigen Schritt gemacht, indem er begriffen hat, dass Fehler und Tiefschläge einen nur noch stärker machen. Man befindet sich als Sportler in einem stetigen Entwicklungsprozess, es liegt aber an einem selbst, ob man sich in die positive oder negative Richtung entwickelt.

4. Selbstreflexion. Man kann einen noch so schnellen Grundspeed haben, wenn man sich seine Kräfte nicht klug einteilt oder sich maßlos überschätzt, geht der Schuss schnell nach hinten los. Auch die richtige Strategie im Zweikampfverhalten ist für den Erfolg entscheidend. Man muss seine Gegner einschätzen und seine eigenen Vorteile in der jeweiligen Situation nutzen. Dazu muss man sich bei jeder Ausfahrt auf der Rennstrecke selbst analysieren. 

Diese vier Punkte sind kein gallischer Zaubertrank, der einen zu einem Weltklasse-Rennfahrer macht. Dennoch sind es wichtige Anhaltspunkte, um die eigene Rennfahrerpersönlichkeit näher kennenzulernen. Was bei den Antworten der Piloten nie wirklich ein Thema war, war hingegen der finanzielle Aspekt. Rennsport ist teuer und nicht jeder hat die Möglichkeiten, wie junge spanische Talente in einer Motorsport Akademie von kleinauf betreut zu werden. Dafür fehlt in den meisten europäischen Ländern die nötige Infrastruktur, der finanzielle Background und letztlich einfach das allgemeine Interesse am Motorradrennsport. Wie soll es zum Beispiel einen Tschechischen Marc Marquez geben? Letztlich ist doch alles eine Frage des Geldes und der Förderung.

Text: Dominik Lack 





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