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Exklusivinterview: Chaz Davies „bin mein eigener Coach“



Am Wochenende gastieren die Superbikes in Portimao. Chaz Davies steht derzeit auf Platz 4 der Meisterschaft. Wir haben mit dem Ducati-Piloten gesprochen:



Was hat sich an dem Motorrad geändert, dass du jetzt regelmäßig vorne mitfährst?

Wir haben für dieses Jahr einige neue Teile, die uns über die Renndistanz helfen. Das war letztes Jahr das Hauptproblem. Das Bike an sich war ja konkurrenzfähig, aber eben nur für 8-10 Runden. Wir hatten ziemliche Probleme damit, die Reifen nicht zu sehr zu beanspruchen. Es fühlt sich so an, als hätten wir da dieses Jahr einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Außerdem sind die Machtverhältnisse im Fahrerfeld dieses Jahr etwas gleicher. Da hat sich das neue Reglement positiv ausgewirkt. Das hat Ducati sehr geholfen, weil sie schon im letzten Jahr viele Teile der Standard-Panigale an die Strecke gebracht haben.

Du bist in der Superbike WM Aprilia, BMW und jetzt Ducati gefahren. Wo liegen die Unterschiede zwischen den Motorrädern?

Sie sind alle so unterschiedlich, dass es schwer ist, sie zu vergleichen. Jedes hat so seine Stärken und Schwächen. Was ich sagen kann ist, dass ich mit der Ducati schon im letzten Jahr gut zurecht kam, allerdings ein bisschen wenig Power hatte. Daran arbeiten wir auch jetzt noch. Ducati tut aber sehr viel.

Davide Giugliano fährt die Panigale immer mit viel Risiko und driftet viel um die Kurven. Welchen Fahrstil braucht dieses Motorrad?

Das Besondere an der Ducati ist, dass der Kurvenspeed recht hoch ist. Das ist eine Stärke von uns. Dieses Jahr mussten wir in diesem Bereich vielleicht ein Paar Abstriche machen, um den Hinterreifen möglichst lange am Leben zu halten, aber generell denke ich, dass die Ducati-Fahrer den Kurvenspeed ausnutzen müssen. Davide kann das sehr gut. Ansonsten ist das Bike so ausgewogen, dass man sich auf nichts speziell konzentrieren muss. Ich persönlich fühle mich immer stark auf der Bremse.

Eine Sache frage ich mich immer noch jedes Mal: Wie schafft Ihr es, im Qualifying oder der Superpole am Ende doch noch ein Paar Zehntelsekunden zu finden, wo es vorher nicht möglich war?

Das ist alles Kopfsache. Du musst Vertrauen in Dein Bike haben. Wir teilen die Qualifikation immer in zwei Teile: Wir beginnen mit dem Rennreifen und gehen danach erst auf den Qualifying-Reifen. Der Rennreifen ist der gleiche wie im Training, aber wir brauchen im Qualifying auch weniger Tankinhalt. Man muss einfach das Gas so hart und so früh wie es geht aufdrehen. Mit dem Quali-Reifen ist man dann sowieso noch auf einem anderen Level. Der Gummi ist sehr gut und das muss man seiner rechten Hand klar machen (lachen). Man muss mental voll bei der Sache sein.

Lässt Du Dich mental beraten?

Nein nein, ich bin mein eigener Coach. Ich hatte nie einen Mental- oder Riding-Coach aber ich bin kritisch genug mir selbst gegenüber, um das beste aus mir herauszuholen. Ich reflektiere viel, wo ich Fehler mache und das hat bisher gut funktioniert.

Was machst Du vor Ort, um Dich auf das Rennen vorzubereiten?

Nichts. Manche Fahrer laufen ja oder ähnliches. Mein Grundsatz ist aber: „Wenn man am Rennwochenende das Gefühl hat, dass man noch was tun muss, um sich auf das Motorradfahren vorzubereiten, hat man davor nicht gut genug gearbeitet.“ Man muss schon in bester Form ankommen. Der Donnerstag sollte dazu da sein, dass man zur Ruhe kommt, mit den Mechanikern spricht und solche Dinge tut, wie dieses Interview (lacht). Mit Sport sollte man sich nicht zusätzlichen Stress machen, außer man spannt dabei ab.

Was nervt Dich an einem Rennwochenende am meisten?

Eigentlich gar nichts. Außer vielleicht, nicht zu gewinnen.

Warum bist Du überhaupt verrückt nach Motorradrennen?

Es ist alles was ich je gemacht habe und worin ich gut war. Ehrlich gesagt ist das Rennenfahren aber für mich gar nicht das aufregendste am Motorradfahren. Das ist mein Job. Zwar ein Job, den ich liebe, aber ich liebe ihn vor allem wegen des Gewinnens. Einfach meinen Spaß habe ich aber daran, zuhause zum Beispiel in den Bergen eine Tour zu machen. Ich fahre auch viel Supercross, Enduro, Supermoto und Trials. Die besten Tage sind die, an denen man zusammen mit Freunden fährt. So wie das Valentino auf der Ranch macht.

Magst Du die Natur?
Ja auf jeden Fall. Ich bin zwar mehr in der Stadt groß geworden, aber jetzt wohne ich an der höchsten Straße in Wales also bin ich so oft es geht in den Bergen.


Was war Deine schönste Reise oder Dein schönster Ausflug?

Gute Frage. Da war ich mit dem Fahrrad in Manresa in Nordspanien unterwegs. Das hat viel Spaß gemacht. Wenn man da unterwegs ist, trifft man niemanden. Man ist allein mitten im Wald. Das Wetter war toll, ich hatte ein Paar Freunde dabei und es war eine schöne Zeit.

Machst Du Diäten?

An den Rennwochenenden achte ich darauf, was ich esse. Das mache ich zwar sonst auch, aber an der Strecke gibt es eine spezielle Diät. Ich esse sehr gern Italienisch. Deshalb ist es auch so praktisch, bei Ducati zu sein. Auf der anderen Seite ist es nervig, weil es hier jeden Abend ein wunderbares Buffet gibt und ich dann meinen Reis essen darf (lacht).

Möchtest Du unseren Lesern etwas sagen? Viele von ihnen sind auch auf Rennstrecken unterwegs.

Als ich jung war, hat mir Kenny Roberts jr. geraten, dass man auch wenn man einen schlechten Tag hat, am Ball bleiben soll. Vor allem wenn man jung ist, ist das noch einfach zu bewältigen. Bleibt geduldig und lasst Euch nicht unterkriegen.






Interview und Fotos: Dominik Lack




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Kommentare (1)

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    Günther Horvath

    |

    WOW, tolles Interview!

    Ich war selbst schon mit dem Zweirad in Nordspanien unterwegs und kann es nur jedem empfehlen!

    Ich wünsche Chaz Davies auf jeden Fall viel Glück für die weitere Karriere.

    "Bleibt geduldig und lasst Euch nicht unterkriegen." – das kann man nur so unterschreiben

    lg günther horvath

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