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Exklusiv-Interview: Jürgen Strohmann plaudert aus dem Nähkästchen

In einem ganz besonderen Gespräch möchten wir von Racetrack-News.de Euch heute Jürgen Strohmann vorstellen, der die deutsche Fraktion der Supermono-Europameisterschaft organisiert.

Strohmann ist seit 1984 im Rennsport tätig und versuchte sich zunächst bei den vom Ducati-Club München veranstalteten Club-Rennen. Diese fanden entweder auf dem Hockenheimring oder dem Red Bull Ring statt, der damals noch Österreichring hieß.

“Ich hatte einfach genug von Leitplanken und Gegenverkehr und auch die Sache mit dem Knie auf dem Boden funktionierte auf der Straße nicht mehr (lacht)”

Irgendwann hat der Ducati-Club München, der damals um die 800 Mitglieder hatte, hat sich entschlossen, Rennen zu veranstalten. Das waren im Jahr etwa vier Events, an denen wir uns mit unseren Ducatis austoben konnten. Später ist noch die Holländische Fraktion dazugekommen, die heute noch das große Ducati-Event in Assen abhalten.”

Zu dieser Zeit, so erinnert sich Strohmann, sei er dann aber, wie einige damals, dazu übergangen, den Ducatimotor mit Königswelle in einen selbstkonstruierten Rahmen zu bauen. Andere Fahrer hätten zum Beispiel italienische Verlicchi-Rahmen verwendet. Mit diesem Eigenbau hat er zwei Jahre lang die besagten Clubrennen bestritten, bis es dem Hamburger nicht mehr genügte:

“Wir wollten einfach schneller fahren und sind schließlich zu den Battle of Twin übergegangen. Da haben wir reinrassige Rennmaschinen mit Slickreifen gebaut. Da hieß der DMSB noch OMK (Oberste Motorsport Kommission) und war streng geregelt. Die Klasse war aber um 1988 herum etwas rückläufig, technisch sehr aufwendig und auf Drängen vieler Teilnehmer geteilt in A und B-Lizenzen. Die A-Lizenz war international und sehr teuer. Aus diesem Grund ist das Kartenhaus dann zusammen gefallen.”

Strohmann jedoch hatte sich bereits anderweitig orientiert. 1988 war das Jahr, in dem Michael Schottner und Rudi Tusl die “Sound of Single” gegründet haben:

“1988 habe ich mich der Einzylinder-Szene angeschlossen. Eigentlich wollten wir mit einer Einzylinder-Ducati an den Start gehen,  aber mein Freund Till überredete mich zu dem damals neuen DR-BIG Motor von Suzuki. Wir haben alle viel gearbeitet um unser Hobby den Rennsport zu finanzieren. Wenn ein Zylinder Schrott geht, ist das auf jeden Fall günstiger und wenn man fleißig ist, läuft alles wieder bis zum nächsten Rennen. Wir sind damals erst in Frankreich (Arras) Rennen gefahren, wo mit den Unos von Klaus Wassermann schon die ersten Einzylinder dabei waren. Daraus ist im Endeffekt die Sound of Single-Klasse entstanden.”

Als 1989 die S.O.S als deutsche Meisterschaft ausgetragen wurde, entschied sich Jürgen Strohmann, sich selbstständig zu machen und weitere Fahrzeuge aufzubauen. Mit dem 50 PS Motor einer Suzuki DR Big und einem Alu-Rahmen fertigte er Motorräder, die mit 130 Kilogramm besonders leicht waren. Auch Aufhängungen und Chassis für den Automobil-Bereich wurden in seinem Betrieb geschweißt. In den Wintermonaten verdingte er sich als Kawasaki-Vertragshändler und mit Schweißarbeiten. Für die S.O.S jedoch, das Herzstück der Arbeiten, wurden in den ersten drei Jahren 30 Maschinen bereitgestellt.

“Bis Mitte der Neunziger hatten wir an die 70 Leute im Starterfeld. Alles, was sich an Enduros umbauen ließ war dabei vertreten und die Japaner hatten ohnehin alle einen Einzylinder in der Produktpalette. 1993 zogen dann noch mit Ducati, Bimota und Harris drei weitere Hersteller mit. Deren Kleinserien haben bei uns natürlich den Absatz erheblich gebremst. Wir haben dann nur noch etwa zehn Fahrzeuge gebaut, bei denen wir das Chassis modifiziert haben. Dabei haben wir uns allerdings schon in Regionen bewegt, wo ein Motorrad mit 70 PS aufwärts 20.000 DM kostete. Angefangen hatten wir mit 16.500 DM.”

Als der Supermono-Wahn nach 2000 etwas abnahm, kümmerte er sich um Langstreckenrennen, Fahrwerksbau und Abstimmungen. 2006 wurde die German Supermono Ass.(GSA)  nach dem European Supermono Vorbild gegründet.  Zusammen mit der ESA waren in dieser Zeit bis zu 45- 50 Supermonos wieder im Starterfeld. Danach wurde das Geldverdienen im Rennsport immer schwieriger und Strohmann schloß die Werkhallen nach 32 Jahren “Knechtschaft”. Er ging wieder als Werkstattmeister und Betriebsleiter ins Angestelltendasein. Von 2007 ab kümmert er sich privat in der Hobbywerkstatt mit seinen “Verein” um die Supermonos.



Text und Interview: Dominik Lack

Fotos: Anne Driessens Photography, Jürgen Strohmann


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