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Endurance – Portrait: Im Interview mit rs speedbikes “Du gewinnst nie allein”


“Du gewinnst nie allein. 
Am Tag, an dem Du etwas Anderes glaubst, fängst Du an zu verlieren” 

Dieses Zitat von Formel 1 WM Mika Häkkinen ist Teil der Teamphilosophie des privat finanzierten Endurance Teams aus dem Herzen des Elbsandsteingebirges. 

Die Gruppe um Teamchef und Chefmechaniker Ronny Schlieder versteht sich als große Familie und ist mit viel Leidenschaft, Eifer, Eigenleistung und Erfahrung in der FIM World Endurance 2015 vertreten. Seit der Gründung des Teams im Jahre 2011 entwickelte rs speedbikes konsequent Motorräder für die EWC. Mit der BWM S 1000 RR – RSE (Ronny Schlieder Endurance) schuf die Mannschaft ein Bike, welches die volle Tagesdistanz von 24 Stunden mitgehen und schnell sein konnte.  In der Openklasse als Zweiter und gesamt auf P15 in einem WM-Lauf mit neuem Stocksportkonzept erreichten sie am vergangenen Wochenende ein großartiges Ergebnis. Mit Racetrack News sprachen Karsten Wolf sowie die Endurance Piloten Rico Löwe und Lars Albrecht über ihre Erfahrungen im Langstreckensport. 



Rico Löwe, Tobias Kollan, Lars Albrecht

Der 43-jährige Rico Löwe ist außerhalb der Rennstrecke Dachdeckermeister und begann seine Karriere 1995 mit einer B-Lizenz im Supersportpokal. Im Jahre 2000 wechselte er in den R6 Cup, von dort nach einem Jahr zu Bikepromotion und gewann 2004 das Auftaktrennen im Suzuki Cup am Sachsenring. Lars, wie bist Du zu rs speedbikes gekommen?

“Ich wurde im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Heimweg in Brno aufgegabelt bzw. habe dort Karsten getroffen“, erzählt uns Rico lachend. „Zu der Zeit bin ich noch bei BMW Cloppenburg Racing Langstrecke gefahren. Das Team hat sich jedoch aufgelöst. Karsten kannte mich schon vorher privat und wir wollten schon immer gern zusammen arbeiten. In meiner Karriere bin ich viele Cups nur ein Jahr gefahren aber die Langstrecke ist das was meine wirkliche Leidenschaft ist.“

Der gebürtige Sachse nahm u. a. am 3-Nationen-Cup teil und gewann mit KTM 2011 die Superduke Battle in Frohburg bei strömenden Regen. Aufgrund seiner Erfahrungen zählt „Rixi“ als sehr guter Regenfahrer. An sein schönstes Rennerlebnis kann er sich noch ganz genau erinnern.

„Mein schönstes Erlebnis war das 24h Rennen in Le Mans 2013. Dies war sehr emotional für uns alle. Die Faszination für diesen Event lässt sich jedoch nicht in einem Wort erklären. Denn neben der Stimmung vor Ort zu sein, gibt es viele Faktoren wie die Menschen vor Ort, das Rennen an sich und die Runden die gefahren werden sowie das Gefühl ob und wie man überhaupt ins Ziel kommt.“ 


2013 feierte rs speedbikes große Erfolge und wurde 2-facher Open-Sieger in der FIM World Endurance. Auf dieses erfolgreiche Jahr folgte ein Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen. Das Team schied in Magny Cours aus, erzielte in Oschersleben keine guten Ergebnisse und ging in Le Mans nicht an den Start. Wie war dies für Dich Rico, besonders in Le Mans nicht an den Start gehen zu können?

„Das war für mich mein negativstes Erlebnis meiner Karriere. Aufgrund eines Sturzes von Florian Bauer im Training zuvor wurde das Motorrad sehr zerstört und das Ersatzbike musste umgerüstet werden. Im Zeittraining jedoch überfuhr ich die Kerbs, das Vorderrad klappte ein und ich stürzte. Das Motorrad verkanntete und wurde bei den folgenden Überschlägen derart beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr möglich war. Es war Kernschrott quasi.“

„So ist es Motorsport. Von Podium mit Hymne bis Totalausfall ist alles möglich”, so Karsten Wolf. “Eine Rennaufgabe bevor es an den Start geht, das ist für das Team schon eine große Enttäuschung gewesen. Aber doch hat dieses Erlebnis auch dazu geführt, dass daraus der Plan von rs speedbikes entstanden ist sich für 2015 neu zu finden und auch dass sich Leute finden werden, die zukünftige Langstrecke fahren und bei Sprintrennen antreten.”

Aber auch im technischen Bereich war dieser Unfall Anstoß für Veränderungen. So seien in Le Mans die Positionierungen der Streckenposten verändert worden, nachdem bei dem Sturz Löwe´s das Motorrad über die Leitplanke geflogen und nur knapp den Helfer verfehlt hatte. An dieser Stelle stehe heute kein Streckenposten mehr.


Im folgenden Jahr soll es Veränderungen im Team geben. Wenn man jedoch Lars Albrecht in Oschersleben auf der BWM erlebt, kann man kaum glauben dass er ans aufhören denkt. Lars wieso kamst Du zu der Entscheidung?

“Ich betreibe seit 35 Jahren nun Motorsport und habe schon zu DDR Zeiten angefangen Rennen zu fahren, damals noch mit einer MZ u. a. auf dem alten Stadtkurs in Frohburg. Ich bin u.a. 1986 für das Team Freudenberg gefahren, das Motorrad steht bei mir zu Hause. Auch für ein Schweizer Team war ich unterwegs und habe dort 1996 – 1998 eine sehr gute Zeit erlebt. Wir wurden Meister und Vizemeister. Ab Ende 1999 bin ich die komplette Saison Langstrecke gefahren und wollte eigentlich schon 2005 meine Karriere beenden. Die Luft ist einfach raus gewesen. Ich fahre heute eigentlich schon zum 5ten mal mein letztes Rennen,” erzählt Lars uns lachend. „Und ich versuche schon seit 2008 auszusteigen, aber irgendwie konnte ich es nie lassen.”

Woran lag es dass Du 2005 Deine Karriere nicht schon beendet hast?

„Das lag eigentlich an Karsten. Er hat mich an den Lausitzring eingeladen und mich wieder aufgebaut und bei meinem ersten Eintreffen vor Ort habe ich sofort vom Team eine großartige Unterstützung erhalten. Es war alles vorbereitet für mich. Wir sind mit einem völlig zusammengewürfeltem frischen Team dann unser erstes 8h Rennen am Lausitzring im Rahmen von Bikepromotion gefahren und haben mit einem Vorsprung von drei Runden gewonnen. Seit dem hieß es für mich Langstrecke. In den folgenden Jahren haben wir auch das GEC zweimal hintereinander gewonnen und die Szene dominiert. Sind 2013 in Le Mans als Sieger hervorgegangen, obwohl die Franzosen ganz klare Favoriten waren und wir Stürze, ich gebrochene Rippen und ein relativ stark zerstörtes Motorrad in Kauf nehmen mussten. Vielen Deutschen ist der Erfolg noch nicht vergönnt gewesen. Mittlerweile ist aber nun der Punkt gekommen an dem man alles schon einmal erlebt hat. Es kommt nichts Neues hinzu, wir haben ganz oben gestanden und sind ganz unten gewesen.“

Und auch ohne Rennsportgröße Lars Albrecht möchte rs speedbikes in der kommenden Saison es erneut wissen und alte Rechnungen begleichen. Unter dem Namen GERT56 by rs speedbikes möchte Karsten Wolf mit einer neu zusammengestellten Fahrer- und Mechanikertruppe in der Superstock-Klasse bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft antreten. 

 

Über die Faszination des Langstreckensports und Hintergründe zur Serie berichten wir in einem folgenden Beitrag mit und über rs speedbikes.


Text: Doreen Müller

Fotos: Doreen Müller und rs speedbikes

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