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Einblicke bei rs speedbikes “Mit 20.000 und viel Einsatz bis nach Le Mans”


Das 2011 gegründete Team rs speedbikes ist in seiner Zusammensetzung ein recht junges Team. Jedoch kennen sich viele Mitglieder und die Fahrer noch aus der Zeit als im Wettbewerb gegeneinander angetreten sind. In unserem vorherigen Beitrag stellten wir die Mannschaft um Ronny Schlieder bereits vor. Was es jedoch benötigt um bei einem Rennen wie dem 8 h Lauf in Oschersleben an den Start gehen zu können, erklärte uns Karsten Wolf ebenfalls im Gespräch.


Zur Speedweek gingen für rs speedbikes Rico Löwe, Lars Albrecht und Tobias Kollan an den Start. Warum habt Ihr für Oschersleben diese Zusammenstellung getroffen?

“Ronny Schlieder und ich achten darauf wer vom Fahrstil und Zeitenniveau für die FIM World Endurance als Team zusammenpasst. Wir haben daher ein Team zusammengestellt bei dem erfahrene Motorradsportler wie Rico und Lars auf junge Talente wie Tobias treffen. Alle Fahrer liegen in einer Range von 1:294 – 1:297 min. und auch vom Gewicht her max. 10 – 15 kg auseinander, so dass sich das Motorrad gut auf Rico, Lars und Tobias abstimmen lässt. In den Trainings waren alle drei Fahrer draußen und konnten so ihr Gefühl für das Motorrad auf der Strecke verbessern und wir konnten technische Veränderungen vornehmen.”



Kommt jeder Fahrer gleich gut mit dem Motorrad zurecht?

“In unserem Team sind viele Rennfahrer dabei, die noch andere Motorräder gefahren sind und es gewohnt sind bzw. waren hoch und runter zu schalten. Für diese ist die Umstellung auf den Schaltautomaten schon schwieriger da man mittlerweile ohne Kupplung hoch- und runter schaltet.”

Um sich an die Umstellung zu gewöhnen bedarf es sicher Erfahrungen mit der Maschine. Wie bereitet ihr Euch auf so ein Langstreckenrennen vor?

“Im Vorfeld gehören neben den einzelnen sportlichen Vorbereitungen der Fahrer, die Jeder für sich selbst macht, auch natürlich technische Vorbereitungen. Wir nehmen an Renntrainings teil, die dauern ca. 20 min. und an nationalen Rennstreckenläufen. Besonders die nationalen Läufe von 4 – 6 h sind für uns enorm wichtig, um eine Stunden am Stück fahren zu können und Mensch und Maschine unter ähnlichen Bedingungen testen zu können um bei einem 24 h Lauf an den Start gehen zu können. Dies ist ein gutes konditionelles Training für die Jungs und auch die Reifen können unter Belastung getestet werden. Aber auch Boxenstopptraining gehört dazu um die Abläufe optimieren zu können. Auf Alles kann man sich natürlich nicht immer hundertprozentig vorbereiten. Es gibt immer den ein oder anderen Zwischenfall wo man schnell eine Lösung finden muss, besonders während der Renndauer.”

Was ist das schlimmste was Euch in einem Rennen passieren kann?

“Das schlimmste ist natürlich ein Totalausfall oder ein Sturz mit zurückbringen an die Box, aber auch elektronische Defekte sind sehr zeitintensiv. Ansonsten weiß das Boxenteam ungefähr wie lange ein Fahrer draußen ist und wie lange das Material oder die Tankfüllung reicht. Die BMW S 1000 RR – RSE ist mit einem 24 Liter-Tank ausgestattet. Mit einer Tankfüllung können wir 1 Stunde mindestens fahren, das Hinterrad hält 2 Stunden durch und das Vorderrad je nachdem 2 – 4 Stunden. Auch die Bremsen sind immer ein Thema. Ca. nach 4 Stunden nehmen wir den Bremssattel runter, aufgrund der Schnellkupplung verliert man da nicht ganz so viel Zeit.”

Als außenstehender Beobachter hat man ja gar nicht so den Einblick was alles benötigt wird um so ein Rennen durchzuführen und was das natürlich alles kostet. Was macht den größten Kostenfaktor bzw. Aufwand aus?

“Schon allein das Organisatorische ist eine große Herausforderung. Die ganze Logistik, besonders für Langstreckenrennen wie in Le Mans oder Suzuka. Es ist nicht ganz einfach die komplette Mannschaft, Hospitality, die Reifen, den Sprit, die Anmeldungen und das alles unter einen Hut zu bekommen.”


Was ist denn zum Beispiel mit den Reifen. Du sagtest, dass ihr aller 2 oder 4 h die Reifen wechselt. Schon allein das klingt nach einer enormen Anzahl, die erst mal zur Verfügung stehen müssen.

“Ja dass sind pro 24 h Rennen 12 Satz Reifen. Wobei die großen Teams jede Stunde ihre Reifen wechseln und dadurch mindestens 24 – 25 Sätze vebrauchen. Die Reifen befinden sich jedoch zum Glück schon vor Ort. Wir sind als Starterteam bei Pirelli gelistet. Dort muss jedes Team eine Kaution hinterlegen und es wird notiert wer welche Reifen sich holt. Der Pirelli Service spricht auch Empfehlungen für uns aus, welche Reifenmischung an dem Tag und unter den Witterungsbedingungen geeignet ist. Wir können so gemeinsam mit ihnen die Reifen je nach Fahrtzeit, Streckentemperatur und Performance gut abstimmen. Am Ende des Rennens erhalten wir dann unsere Rechnung von Pirelli.  Besonders die Reifen sind ein sehr großer Posten im Budget aber auch die Kupplung ist immer sehr kostenintensiv und liegt ca. bei 300€ pro Kupplung.”

Wie hoch ist das Budget um an einem Langstreckenrennen teilnehmen zu können?

“Momentan bewegen wir uns für die Teilnahme bei einem 24 h Renen wie in Le Mans zum Beispiel bei 15.000€ – 20.000€. Besonders Überseeläufe wie das 8h Rennen in Suzuka sind so nur für Permanentstarter in der EWC machbar. Da wir jedoch ein rein privatfinanziertes Team sind konzentrieren wir uns eher auf Läufe, die wir auch logistisch stemmen können. Wir haben zum Beispiel auch keine eigene Zugmaschine aus Kostengründen, sondern erhalten hier Unterstützung durch den Agroservice Pirna. Dieser stellt uns die Zugmaschine zur Verfügung und auch den Fahrer der den Truck herbringt und Sonntag wieder abholt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für Eure Unterstützung Jungs! Aber auch Scania bittet uns Hilfe an und zieht den Truck für uns nach Frankreich und stellt auch hier die Fahrer zur Verfügung. Für diesen Support sind wir sehr dankbar und auf den sind wir als privates Team auch angewiesen, da das Ganze sonst nicht machbar wäre.”

Wie Du schon sagtest Karsten, das klingt alles  auch sehr zeitaufwendig. Wie bekommt man das denn mit seinem Privatleben unter einen Hut?

“Ich bin ehrlich meine Zeit für den Rennsport geht hundertprozentig von der Zeit für meine Familie weg. Ich muss Urlaub nehmen wie auch alle anderen Teammitglieder. In Oschersleben sind es zum Beispiel drei Tage und in Le Mans ist es eine ganze Woche, bei insgesamt drei Langstrecken-rennen im Jahr. Das muss das Umfeld natürlich mittragen. Aber bei uns im Team sind die Familienmitglieder wie Partner und Frauen mit eingebunden und helfen mit in der Zeitnahme oder in der Hospitality. Dies geschieht alles ehrenamtlich. Es ist auch viel Vorbereitung im Vorfeld zu tun. Werbung, die Küche bauen, den LKW vorbereiten alles passiert bei uns in Eigenleistung. Mein Job ist eigentlich fast getan wenn ich am Rennplatz bin. Wenn hier alles steht und aufgebaut ist und alles da ist was wir brauchen, wenn alle Lizenzen da sind, alle Reifen da sind usw. dann kann ich mich abends auch mal zurücklehnen. Dann übernehmen die Techniker, die Zeitnahme also die gesamte Boxencrew ihre Bereiche. Natürlich schaue ich trotzdem hier und da drüber ob alles in Ordnung ist oder packe dann auch mal mit an wenn Not am Mann ist.

Bei all dem Aufwand stelle ich mir natürlich manchmal auch die Sinnfrage aber wenn wir hier sind wissen wir wieso wir die Anstrengungen auf uns nehmen. Wir freuen uns als Team an den Start gehen zu können und alle Freunde und Förderer an so einem Wochenende um uns zu haben.”



Fotos: Doreen Müller & Dominik Lack

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